Das verlorne Paradies.
Als noch das Paradies erschlossen war
Dem ersten sündelosen Menschenpaar,
Kein Gift die Viper kannte, keinen Dorn
Der Strauch, der Leu und Tiger keinen Zorn,
Noch fröhlich scholl der Nachtigallen Flöte;
Da schlief an jedem Abend Eva ein
An einem Rosenstrauche, und der Schein
Von ihrer unschuldsvollen Wangenröthe
Spielt’ lieblich um der Blume lichten Ball;
Denn damals waren weiß die Rosen all’
Und dornenlos. — Umnickt vom duft’gen Kranz,
Der über’m Haupte führte lichten Tanz,
Ruhte das erste Weib, Gedanken sinnend.
Die Embrhone schon der Gottheit Siegel
Am Haupte trugen, schon im Keime minnend
Bewegten halberschloss’ne Seraphsflügel;
Sie lag den Zweig an ihre Brust gedrückt;
Denn keine Blume wurde noch gepflückt,
Bis leise sich die Wimper niederließ
Und in die Träume schlich das Paradies;
O heilig war das Weib; wer sie geseh’n,
Nicht denken hätt’ er können, ob sie schön,
Nur daß sie rein wie Thau, und Gottes Spiegel.