Das vierte Gebot

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Im Land zu Frankereiche

Ein alter Konig saß,

Der all sein Land und Reiche

An seinen Sohn da gab.

Das war aus Alters Schwäche,

Daß er sich des verwandt,

Der Sohn thät ihm versprechen,

Ich nähre dich zur Hand.

Der Sohn gar bald sich nahme

Ein Hausfrau minniglich

Die war dem Vater grame,

Sprach also klägelich:

Der alt Mann thut stets husten,

Bei Tisch, das graut mir sehr,

Und nimmt mir Essens Lusten,

Macht mir die Zunge schwer.

Der Sohn thät ihren Willen,

Ließ auch den Vater sein

Da legen in der Stillen

Unter die Stiege hinein.

Ein Bett darinnen stunde,

Von Heu und auch von Stroh,

Recht als ein andrer Hunde

Viel Jahre lag er so.

Die Konigin thät sich legen,

Gebahr ein Sohne gut,

Der ward ein stolzer Degen,

Und hätt ein frommen Muth.

Als der die Sach erkannte,

Bracht er zu aller Stund

Seim Anherrn Speiß und Tranke,

Was er nur finden kunt.

Er bat ihn an eim Tage

Um eine Roßdeck alt,

Daß er nit kalt da lage,

Der fromm Jüngling lief bald.

Da er zum Roßstall kame,

Ein Roßdeck, die war gut,

Er von dem Pferd da nahme,

Zerriß sie mit Unmuth.

Sein Vater ihn da fraget:

Was ihm die Roßdeck thät:

„Ich bring sie halb, er saget

Deim Vater an sein Bett.

Das Halbtheil ich behalte

Für dich, wenn du da ruhst,

Wo deinen Vater alte,

Du jezt versperren thust.“