Das vor dem berühmte Hochgräfl. Gleichische Freuden-nunmehro Trauer- und Thränen...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wenn von Bergen nichts als Blitz und Strahlen schiessen

Wenn oben her auf uns der Grimm der Wolcken knalt

Wenn Thiere sich zum Schutz in Thäler drauf verschliessen

Was Wunders sucht der Mensch auch gleichen Auffenthalt.

Auff Höhen steigt man nicht wenn Unglücks-Pfeile spielen;

Die Berge decken offt Verfolgte wie ein Schild;

Die Hertzen seufzen tief die tiefe Wunden fühlen

Und Wasser kühlet mehr das in den Thälern qvillt.

So suchten wir das Thal das Hohe vor beglücket

Und dachten an die Noth die hier die Herrschafft drücket.

Wir saßen nah an dem wo Ecbert sonst gesessen

Und unser Seuffzen war: Uhraltes Helden-Hauß

Du hast dem großen Carl den Ursprung beyzumessen.

Zwar starb dein hoher Stamm jedoch dein Ruhm nicht aus.

Zum Preiß der Tapfferkeit bist du an Hatsfeld kommen

Der weil er dich verdient mehr als ein Erbherr war.

Durch sein Geschlecht hat noch dein Glantz nicht abgenommen

Der Strohm davon ist rein so wie die Ovelle klar.

Und Hatsfelds hohes Blut erweist in allen Dingen

Wie Erb- und Tugend-Recht der Herrschafft Würde bringen.

Wie aber großes Hauß das Ehr und Tugend zieret

Geht unsre Wohlfahrt denn bey deiner Klarheit ein?

Muß wenn Unsterblichkeit dich an die Sternen führet

In deinen Landen hier das Glücke sterblich seyn?

Die Rücken bluten noch die Nordens-Last getragen

Und neue folgen drauff; die Aertzte helffen nicht

Und wollen Galtz dazu in offne Wunden schlagen.

Ach scheine wiederum du höchst gewünschtes Licht

Daß unsre Herrschafft bald in unsern Gräntzen lache

Und Freuden-Thal so neu an Huld und Freuden mache.

Die Seuffzer ließ das Land durch uns ins ferne schicken

Und hoffte weil doch nie der Himmel ewig blitzt

Einst wieder auf die Nacht Auroren zu erblicken

Den Atlas bald zu sehn der ihre Wohlfahrt stützt.

Wie Spreu an Diamant wie der Magnet nach Norden

Wie offt bey schlimmer Zeit betrübter Römer Sinn

Nach einem Titus ist gebückt gezogen worden:

So offt und mehrmahls noch gieng aller Wunsch dahin

Den gütigen August, die Krone hoher Frauen

Die kluge Livia, zusammen hier zu schauen.

Wie Himmel kommen sie? Ach welche Post erschallet!

Welch Mord-Geschrey ist das? der liebe Graf ist todt!

Ists möglich das noch Blut in unsern Adern wallet?

Erstarret nicht die Hand erstickt uns nicht die Noth?

Der liebe Graf ist hin! der gütge Herr erblasset!

Leutseelig von Gemüth erlaucht von Wissenschafft.

Der unser Wohl geliebt wie unsre Noth gehasset

Der Nestors Jahre wehrt wird zeitlich hingerafft!

Kurtz: unser Vater stirbt wir Kinder müssen leben

Und bey so vieler Ovaal im Wäysen Elend schweben.

Laß Hochgebohrne Frau in Gnaden dir gefallen

Daß bey dem großem Creutz so deine Seele rührt

Erst Knechte von Verlust des theuren Herren lallen;

Die Ordnung wird nicht stets bey bittrem Sechmertz geführt.

Wir wissen und die Welt muß noch in Marmor ätzen

Daß Eure Liebe starck wie Palmen Liebe war

Daß Ulmen sich so sehr an Reben nicht ergetzen

Als Euer Perlen Schmuck der Liebe Lust gebahr.

Ihr waret Sonn und Mond dabey die Worte stunden:

Aus beyder Einfluß hat das Land sein Heyl gefunden.

Nun reißt die Helsste Gott anitzt von deinem Hertzen?

Dein' Augen-Lust ist hin! dein Graf und Herr erblicht!

Was Artemisia, was Portia vor Schmertzen

Nach des Gemahls Verlust in ihrer Brust erreicht

Die haben auch dein Hertz Hochtraurende bestritten

Und deine güldne Treu wird durch die Glut bewährt.

Wenn jener Vater hat zu großes Leid erlitten

Und drum ein schwartzes Tuch vor sein Gesicht begehrt:

So nahm auch dein Gesicht vor allzu vielen Jammer

Der Thränen Decke vor und weint in einer Kammer.

Erbärmlichs Freuden-Thal! von Jammer schwangre Wiesen!

Ihr Blätter die die Furcht an Bäumen zitternd macht!

Ihr Auendie die Fluth der Thränen soll befliessen

Ihr Kräuter die itzt Gifft vor Artzeney gebracht!

Verhüllet euren Schmuck legt eure Kräntze nieder

Der May stell anderwerts sich mit Bezaubrung ein.

In unser Hertz und Land kehrt itzt der Winter wieder.

Die schönste Zeit des Jahrs muß uns die schlimste seyn

Drum gehe Freuden-Thal berühmt von deinen Freuden.

Und frage was du wirst hinführo müssen leiden?

Ein Leiden ohne Zahl! O Wechsel aller Sachen!

Fünf hundert Jahre sind da man dich hat erbaut

Da Treu und Liebe dich zum steten Zeugen machen

Daß Ludewig sein Hertz da wieder angeschaut.

Vor Freuden wurdest du ein Freuden-Thal genennet.

Und ietzo bist du noch der Gräfin Cammer Guth.

Ach aber weist du nicht wer sich von Ihr getrennet?

Aus Cammer Hoff und Arm die treue Liebes Glut.

Drum heiße Thränen-Thal. Ihr Hertz wird nun vermieden

Und Graf und Gräfin sind höchst-schmertzlich hier geschieden.

Wenn von den Bergen wir nun dieses Thal erblicken:

So komt uns Grauen Angst und bittres Klagen an.

Doch wenn wir unten auf das Aug' ins Hohe schicken:

So deucht uns sehen wir die Wort am Himmels-Plan:

Armseelge die im Thal des vollen Unglücks schweben

In tieffster Traurigkeit betrübt von Gott und Welt

Nehmt dieses noch zum Trost: Gott und die Gräfin leben

Die als Elisabeth das Scepter klug erhält.

Zwar last euch Traurens-voll bey diesen Sturm und Winden

Doch unter unserm Schirm nicht in Verzweiflung finden.

Wir wolten auch den Trost vor unsre Gräfin wissen

Schweigt sprach der Himmel drauf es krönt ihr edles Blut

Das einen Chur-Fürst kan als Anverwandten grüssen

In diesem Creutze sich mit Himmel gleichen Muth.

Die Sara von Gedult und Hanna in dem Beten

Abigail im Geist und Ruth an Tugend ist

Braucht nicht daß niedrige beym Himmel vertreten

Mit Gottgelassenheit ist Sie schon ausgerüst.

Sie wird des Grafens Heyl aus Liebe nicht beneiden

Er flieht das Trauer-Thal und komt ins Schloß der Freuden.

Gedult und Hoffnung hieß hier unsre Thränen stillen.

Nun Hochgebohrnes Hauß der Himmel wolle dich

Mit grauer Ewigkeit an Ruhm und Flohr erfüllen.

In deinen Tugend Strohm ergieß das Glücke sich.

Und wie dein Christen Muth dein schweres Creutz bezwinget

So müssest du hinfort an hohen Wohlseyn blühn.

Weil aber uns ein Thal des Elends noch umringet

So laß auf uns das Heyl von deinen Bergen ziehn

Und Wasser so dir Gott einst läst zum Trost geniessen

Zu der Erqvickung auch auf trockne Thäler fliessen.