Das Wanders-Leben der Welt/ bey höchst schmertzlicher Wanderung und seeligem Abs...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Rom baue Schlösser auf und Griechenland Palläste;
Versailles sey berühmt Escurial sey schön;
Da meinen immer hin der Erden hohe Gäste
Durch des Galeni Kunst unsterblich sich zu sehn;
Vor allen diesen Preißt die Tugend Wanders leben
Und rufft: hier siehet man die Wohnung dieser Welt.
Hier kehren Fürsten ein und müssen Abschied geben
Hier baut sich Troja auf und wird auch hingefällt.
Du Wanders leben bleibst ein Bild der Städt' und Leute:
Diß wandert morgen ab und jenes reis't noch heute.
Schrieb jene kluge Faust zu Mosen in der Wüsten:
Sie wandern aber doch unsicher allzumahl:
So schreiben wirs zur Welt zum Labyrinth in Lüsten
Die wüst' an Glück und Wohl und reich an Angst und Qvaal.
Die höchste Tugend ist ein Pilgerim auf Erden
Sie findet hier nicht statt und wandert wieder fort
Denn ihr bewehrter Sitz muß nur im Himmel werden.
Drum unglückseeliges doch allzu wahres Wort:
Ein Graf der Lebens wehrt und rühmlich war vor andern
Muß aus der Herberge der Welt auch wieder wandern!
Wie auf den Erden Ball die Sonnen Strahlen kommen
So kamst du theurer Graf zum Heil auf diese Welt
Von herrlicher Geburt und Tugend hoch entglommen
Zum Pharus wurdest du dem Lande vorgestellt.
Dein Huld- und Weißheits-Strahl führt alle die zum Hafen
Die Ehr-Furcht Lieb und Treu dir unterthan gemacht.
Wenn hier im Wander-Thal uns Sturm und Unglück trafen
So hast du uns gar offt in Ruh und Schutz gebracht.
Bey allen Wegen hat uns so ein Herr vertreten
In dem ein Hertz worum Gott Salomon gebeten.
Wie Bienen trugest du aus Blumen fremder Erden
Durch deine Reisen dir der Klugheit Honig ein.
Wie Probus woltest du auch zum Regenten werden
Durch hören thun und sehn wie andre Herren seyn.
Du kamst vortrefflicher so wie des Mondes-Strahlen
Im vollem Glantz zurück. Dein Einfluß hat erqvickt.
Dein Licht wolt' aus der Fern das Land mit Huld bemahlen
Dein Schimmer hat dir Ruhm uns Leben zugeschickt.
Die Tugend sahen wir in deiner Weißheit prangen:
Biß deiner Sonnen-Gold zum Westen ist gegangen.
Ihr Bürger dieser Welt die hier im Unglück schweben
Bedencket und beweint die allgemeine Pein:
Von Wanders-leben geht der Weg nach Grabes-leben
Da senckt man Kleinen gleich auch große Herren ein.
Doch geht die Sonne weg so kommen tausend Sternen
Nebst einem silber Mond ans hohe Firmament.
So kan man einen Trost im Creutze fassen lernen
Wer unsre Gräfin recht und junge Herrschafft kennt.
Es rief der Graf uns zu indem er wolt erblassen:
Ich wandre doch zum Heil will ich euch diese lassen.
Ja seine Tugenden die zwar nicht wohl zu zehlen
Doch fortgepflantzet sind beweisen hell und klar
Wenn sonst die Meinung falsch von Wanderung der Seelen
Daß sie dennoch zum Ruhm in unsrer Herrschafft wahr.
Und wie ein Wanders-Mann zwar aus dem Gast-hoff gehet
Doch seinen Nahmen offt darein geschrieben läßt.
So gehst du aus der Welt wo noch dein Nahme stehet
Und wo dein hoher Ruhm stets Diamanten fest.
So kan sich deine Seel in Zions Wunder-Auen
Wir aber dich annoch auf Erden lebend schauen.
Nun hoch-gebohrnes Hauß ihr tief gebeugten Hertzen
Es kehre Gottes Krafft bey euch von oben ein
Es komm ein Freuden-Tag auf diese Nacht der Schmertzen;
Es müsse Crottorfs Schloß des Seegens Wohnung seyn.
Der holden Gräfin Glantz ihr Klug und Weißheits Schimmer
Der theuren Herrschaffts Strahl beleuchten diß Revier.
Herr zeig uns deinen Weg dein Licht verlaß uns nimmer
Beschütze du diß Land daß aus Egypten wir
Daß Wanders-leben kan vom Elend frey nebst andern
Biß letzt an Canaan beschirmt und ruhig wandern.