Das Wanders-Leben der Welt/ bey höchst schmertzlicher Wanderung und seeligem Abs...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Rom baue Schlösser auf und Griechenland Palläste;

Versailles sey berühmt Escurial sey schön;

Da meinen immer hin der Erden hohe Gäste

Durch des Galeni Kunst unsterblich sich zu sehn;

Vor allen diesen Preißt die Tugend Wanders leben

Und rufft: hier siehet man die Wohnung dieser Welt.

Hier kehren Fürsten ein und müssen Abschied geben

Hier baut sich Troja auf und wird auch hingefällt.

Du Wanders leben bleibst ein Bild der Städt' und Leute:

Diß wandert morgen ab und jenes reis't noch heute.

Schrieb jene kluge Faust zu Mosen in der Wüsten:

Sie wandern aber doch unsicher allzumahl:

So schreiben wirs zur Welt zum Labyrinth in Lüsten

Die wüst' an Glück und Wohl und reich an Angst und Qvaal.

Die höchste Tugend ist ein Pilgerim auf Erden

Sie findet hier nicht statt und wandert wieder fort

Denn ihr bewehrter Sitz muß nur im Himmel werden.

Drum unglückseeliges doch allzu wahres Wort:

Ein Graf der Lebens wehrt und rühmlich war vor andern

Muß aus der Herberge der Welt auch wieder wandern!

Wie auf den Erden Ball die Sonnen Strahlen kommen

So kamst du theurer Graf zum Heil auf diese Welt

Von herrlicher Geburt und Tugend hoch entglommen

Zum Pharus wurdest du dem Lande vorgestellt.

Dein Huld- und Weißheits-Strahl führt alle die zum Hafen

Die Ehr-Furcht Lieb und Treu dir unterthan gemacht.

Wenn hier im Wander-Thal uns Sturm und Unglück trafen

So hast du uns gar offt in Ruh und Schutz gebracht.

Bey allen Wegen hat uns so ein Herr vertreten

In dem ein Hertz worum Gott Salomon gebeten.

Wie Bienen trugest du aus Blumen fremder Erden

Durch deine Reisen dir der Klugheit Honig ein.

Wie Probus woltest du auch zum Regenten werden

Durch hören thun und sehn wie andre Herren seyn.

Du kamst vortrefflicher so wie des Mondes-Strahlen

Im vollem Glantz zurück. Dein Einfluß hat erqvickt.

Dein Licht wolt' aus der Fern das Land mit Huld bemahlen

Dein Schimmer hat dir Ruhm uns Leben zugeschickt.

Die Tugend sahen wir in deiner Weißheit prangen:

Biß deiner Sonnen-Gold zum Westen ist gegangen.

Ihr Bürger dieser Welt die hier im Unglück schweben

Bedencket und beweint die allgemeine Pein:

Von Wanders-leben geht der Weg nach Grabes-leben

Da senckt man Kleinen gleich auch große Herren ein.

Doch geht die Sonne weg so kommen tausend Sternen

Nebst einem silber Mond ans hohe Firmament.

So kan man einen Trost im Creutze fassen lernen

Wer unsre Gräfin recht und junge Herrschafft kennt.

Es rief der Graf uns zu indem er wolt erblassen:

Ich wandre doch zum Heil will ich euch diese lassen.

Ja seine Tugenden die zwar nicht wohl zu zehlen

Doch fortgepflantzet sind beweisen hell und klar

Wenn sonst die Meinung falsch von Wanderung der Seelen

Daß sie dennoch zum Ruhm in unsrer Herrschafft wahr.

Und wie ein Wanders-Mann zwar aus dem Gast-hoff gehet

Doch seinen Nahmen offt darein geschrieben läßt.

So gehst du aus der Welt wo noch dein Nahme stehet

Und wo dein hoher Ruhm stets Diamanten fest.

So kan sich deine Seel in Zions Wunder-Auen

Wir aber dich annoch auf Erden lebend schauen.

Nun hoch-gebohrnes Hauß ihr tief gebeugten Hertzen

Es kehre Gottes Krafft bey euch von oben ein

Es komm ein Freuden-Tag auf diese Nacht der Schmertzen;

Es müsse Crottorfs Schloß des Seegens Wohnung seyn.

Der holden Gräfin Glantz ihr Klug und Weißheits Schimmer

Der theuren Herrschaffts Strahl beleuchten diß Revier.

Herr zeig uns deinen Weg dein Licht verlaß uns nimmer

Beschütze du diß Land daß aus Egypten wir

Daß Wanders-leben kan vom Elend frey nebst andern

Biß letzt an Canaan beschirmt und ruhig wandern.