Das Wunderhorn

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Ein Knab auf schnellem Roß

Sprengt auf der Kaisrin Schloß,

Das Roß zur Erd sich neigt,

Der Knab sich zierlich beugt.

Wie lieblich, artig, schön

Die Frauen sich ansehn,

Ein Horn trug seine Hand,

Daran vier goldne Band.

Gar mancher schöne Stein

Gelegt ins Gold hinein,

Viel Perlen und Rubin

Die Augen auf sich ziehn.

Das Horn vom Elephant,

So gros man keinen fand,

So schön man keinen fing

Und oben dran ein Ring,

Wie Silber blinken kann

Und hundert Glocken dran

Vom feinsten Gold gemacht,

Aus tiefem Meer gebracht.

Von einer Meerfey Hand

Der Kaiserin gesandt,

Zu ihrer Reinheit Preis,

Dieweil sie schön und weis'.

Der schöne Knab sagt auch:

„Dies ist des Horns Gebrauch:

Ein Druck von Eurem Finger,

Ein Druck von Eurem Finger

Und diese Glocken all,

Sie geben süßen Schall,

Wie nie ein Harfenklang

Und keiner Frauen Sang,

Kein Vogel obenher,

Die Jungfraun nicht im Meer

Nie so was geben an!“

Fort sprengt der Knab bergan,

Ließ in der Kaisrin Hand

Das Horn, so weltbekannt;

Ein Druck von ihrem Finger,

O süßes hell Geklinge!