Das zerrissene Wiesenthal.

By Sigmund von Birken

Florian gieng in den Tagen

durch das grüne Pegnitzthal

als ihr Zelt im Wiesensaal

Flora wieder aufgeschlagen

und ihr Buhle Zefyrus

ihr nun gabe Kuß üm Kuß.

Ich will (sprach er) nicht beneiden

deine Wollust Göttlichs Paar!

Aber ich muß dieses Jahr

diese süsse Freuden meiden:

Sylvien ihr Rosenmund

will mir nimmer seyn vergunt.

Seufzend gieng er fort am Rande

ach! die schöne Schäferey

war nun eine Wüsteney

die er halb zerrissen fande

von der angeschwemmten Flut

von der nächsten Wasserwut.

Wo sonst (sagt’ er) gienge grasen

unser krauses Wollenvieh;

wo die Sonne in der früh

Perlen leckte von den Rasen:

da begräbt itz und der Sand

das gemahlte Blumenland.

Wo zuvor die Flut gedrehet

ein bemostes Wasserrad

das die Wiesen führt’ ins Bad

und den frischen Klee gesäet:

da steht itzt im nassen Rock

ein unnützer halber Stock.

Unter jenen Kirschenbäumen

saß ich oft in kühler Ruh.

dorten thät ich was ich thu.

ach! wie flossen mir die Reimen!

Itzund steht der liebe Wald

ganz zerwühlt und ungestalt.

Schöne Insel! deine Linden

neigen von der schönen Höh

ihre Häupter in den See;

und mit ihnen in den Rinden

mancher Name manches Wort

die ich eingeschnitten dort.

Pegnitz! zahlst du deinen Hirten

vor die Liebe solchen Hass?

uns die wir ohn unterlaß

dich mit Lobe-Worten zierten;

die wir manches gutes Lied

deinen Fluten gaben mit.

Seit an deinen Ufern singen

deine Schäfer hörte man

weitberühmet Wolken-an

deinen Namen sich aufschwingen.

Solche Ehre gaben wir:

solchen Dank gibst du dafür.

Zwar itzt kan ich mich besinnen

was diß Thal so öd gemacht.

Sylvia gibt gute Nacht.

Es macht’ alle Pegnitzinnen

alle Hirten weinen hier

Sylvia die Wälder-Zier.

Tausend Augenbächlein gossen

so ein Threnenmeer zu hauf:

dieses kam in schnellem lauf

über Ufer angeschossen.

Ach! es hat auch Florian

einen Bach hinzugethan.

Sylvia setzt uns in Leiden.

Ach! es zieht von diesem Ort

alle Freude mit ihr fort.

Unser Elend ist ihr Scheiden.

Nichtes lässt sie uns allhier

als das Sehnen nur nach ihr.

Frag der Bäume Rutenspitzen

warüm sie noch nit begrünt

warüm sie so kahl noch sind?

Ach! sie sehen nimmer blitzen

ihre schöne Sonne hier

Sylvia die Wälder-Zier.

Nun ihr vormals-lieben Auen!

ihr behaget mir nit mehr.

Weil bey euch der Felder Ehr

Sylvia nit mehr zu schauen

weil sie euch gesegnen sol;

sprech ich auch: Gehabt euch wol!

Wüste Wälder düstre Häyne

die so traurig sind als ich

schwarze Nächte sollen mich

forthin trösten nur alleine.

Reiset Sylvia von hier:

alle Freude weich von mir!