Dem Andenken Platen's

By Hermann von Lingg

Written 1862-01-01 - 1862-01-01

Wär's nicht genug, im Herzen fortzudauern?

Bedürft' er einer andern Huldigung,

Der Genius, als daß die Besten trauern,

Wenn seine Harfe riß in jähem Sprung?

Und doch! Wenn ihm die Welt in frommen Schauern

Den Dank beut eherner Vergötterung,

Ein Bild des Ruhms für tausend Müh'n und Zähren:

Auch das ist schön und gut; laßt sie gewähren!

Die Asche weht im grauen Sturm durch Klüfte

Von Ätna's überschneiten Höh'n herab,

Der Ölbaum kränzt den Schutt verfallner Grüfte

Am Golf, dem Syrakus den Namen gab.

Dort schatten Lorbeern, wehen Blütendüfte

Um eines deutschen Dichters einsam Grab,

Der hier verblutend an langsamen Wunden

Im fremden Land die letzte Rast gefunden.

Nicht hat sein Volk den schwer von Gram Gekränkten

Vergessen, den von innrer Glut zernagt

Zum Süden Stolz und Durst nach Schönheit lenkten,

Da ihm die Heimat, was er bat, versagt.

Doch die ihm dort den freien Blick beschränkten,

Die, selbst als er den höchsten Flug gewagt,

Den Alpenrückweg dunkelnd ihm verschlossen,

Die Wolken jener Zeit, sie sind zerflossen.

Nicht schüchtern mehr, wie zage Jünger, drängen

Um ihren Sänger sich, die ihn gekannt.

Das ganze Volk schon horchet den Gesängen,

Er kam nach Hause, der sich selbst verbannt.

Kein Fremdling ist sein Geist mehr; deinen Klängen,

Ghasel, hat unser Ohr sich zugewandt;

Wir tranken all' am Melodienborne,

Der Platen's Brust entströmt' in Lieb' und Zorne.

Die Lose rollten vor den ernsten Richtern,

Den Jahren, dunkel erst und endlich hell.

Wir nennen ihn mit unsern besten Dichtern:

Des Ostens zarte Glut, der goldne Quell

Des Südens reiften ihn zu immer lichtern

Entfaltungen. Die Kräfte wuchsen schnell

Dem für sein Vaterland, des Ruhmes Wiege,

Entflammten Krieger im Befreiungskriege.

Dem Norden ist die Sehnsucht eingeboren,

Es kennt die Sehnsucht, wer Italien kennt.

Venedigs alter Glanz, heraufbeschworen,

Erfüllt' ihn dort und Meer und Firmament.

Dort zeichnet' er leicht wie den Tanz der Horen

Die Bilder aus Neapel und Sorrent

Und grüßt' im würdevollen Schritt der Alten

Des Lebens und der Unterwelt Gestalten.

Und wie im Chor von Deutschlands besten Söhnen,

Den Helm vom jungen Eichenzweig umlaubt,

Er einst in schüchternen, doch tapfren Tönen

Das Heil der Zukunft sang, das er geglaubt,

So mocht' er niemals sich des Lichts entwöhnen,

Das früh geweckt sein träumend Dichterhaupt,

Und hat in guten wie in schlimmen Tagen

Der Freiheit Banner wie ein Held getragen.

Nun ist's errungen ihm, der treu vor Allen

Als Ringer stand, ein Mal im Strom der Zeit.

Und wenn nun bald, indes die Schleier fallen,

Des Frührots Strahl das Erz verklärend weiht,

Dann wird ein Klang memnonisch ihm entschallen,

Ein hoher Festgruß der Unsterblichkeit,

Und heilig Weh'n wird rauschen in den Zweigen

Der Lorbeern, die auf Platen's Gruft sich neigen.