Dem HochEdlen etc. Dn. Georg Adam von Schlieben, welcher in Gott entschlaffen

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Des Herren Güte macht allein

Daß wir noch etwas übrig seyn

Vnd nicht zusammen auffgerieben,

Denn mächtig groß ist seine trew,

Kein End hält seine gnad umbschrieben,

Sie ist ja alle morgen new.

Der Herr, spricht meine Seel, ist mir

Das beste Theil, die höchste Zier,

Drumb wil ich auch auff Ihn mich wagen.

Der Herr thut sich sehr freundlich zu

Den Seelen, welche nach Ihm fragen

Vnd bey Ihm suchen Schutz und Rhu.

Es ist ein köstlich Ding in Pein

Bescheiden und gedultig seyn

Vnd auff des Herren Hülffe hoffen;

Es ist sehr köstlich einem Mann,

Daß er das Leid, so jhn getroffen,

In seiner Jugend tragen kan,

Daß ein Verlaßner sittsam sey

Vnd führ' in Drancksal kein Geschrey,

Den Mund hin in den Staub verstecke,

Der Hoffnung wart', und ob man gleich

Ohn Schuld jhn viel mit Hohn beflecke,

Er willig leid' auch Backen-Streich.

Denn Gott verstösst nicht ewiglich,

Er züchtigt und erbarmet sich,

Er schlägt und heilet unsre Schmertzen

Nach seiner Güte, die Er übt,

Denn Er doch nimmermehr von Hertzen

Die Menschen plaget und betrübt.