Demühtiger Dank für die gnädig abgewandte Einäscherung des Fleckens Ritzebüttel.
Die stille Nacht hatt' allbereits die Welt in Schatten
eingehüllet,
Und, wie mit Dunkelheit die Luft, mit Schlaf schon
manches Aug' erfüllet,
Als plötzlich ein entsetzlich Licht den schwarzen Duft der
Finsterniß,
Und ein erbärmliches Geschrey die Augen von einander
riß.
Es nahm von einem schnellen Feuer ein rohter Schrecken-
reicher Schein
Jm Augenblick die hohe Tiefe des Schatten-reichen Luft-
Raums ein.
Ein gräßlich Licht befloß das Land, fiel an die Höh’n,
schwamm auf der Fluht,
Es loderte mit lautem Prasseln die freßige verzehrnde
Gluht,
Es fuhr die gelblich rohte Loh mit regem Wallen, wie
ein Strahl,
Aus zwey mit Stroh gedeckten Dächern, und aus zwo
Scheunen auf einmahl.
Was mich bey diesem Unglück nun mehr, als das Un-
glück selber, schreckte,
Und allen Eingesessenen die allergrößte Furcht erweckte,
War ein gefährlich strenger Wind, der in die grosse Lohe
blies,
Und gleichsam ihr geschwinde Wege, sich schleunig zu
vergrössern, wies.
Hier hätte man ein ängstlichs Schreyen, ein allgemeines
Klag-Getön,
Des Viehes jämmerliches Brüllen, ein Wasser! Wasser!
rufen hören,
Ein Lermen, Retten, Schleppen, Wühlen, sich mit der
Gluht die Furcht vermehren,
Mehr, als man tragen konnte, tragen, die hellen Thränen
fliessen seh'n,
Und lauter Elend schauen sollen! Ich eilte, nebst der
Wasser-Sprützen,
Den Flammen Widerstand zu thun, und das für ihrer
Wut zu schützen,
Was sich noch wollte retten lassen. Ich überlegte, rief,
befahl,
Bedrohte, bat, gebot, versprach, war bald an dem, bald
diesem Orte,
Veränderte Befehl und Anstalt, veränderte den Wasser-
Strahl
Der unaufhörlich regen Sprütze, nachdem ich es für
nöhtig hielt.
Doch alles wär umsonst gewesen, wenn nicht des Höchsten
Gnaden-Wille
Dem Sturm gebohten sich zu legen. Es ward ein’ unver-
hoffte Stille,
Nebst einer kleinen Aenderung des Windes, allgemach
gefühlt.
Die Lohe stieg mehr über sich, die anfangs immer vor
sich fraß,
Und, durch der Dächer, die von Stroh, schnell fangende
Verbrennlichkeit,
Zuweilen, wie der Schwefel, brennt, ja oft sich selbst,
in kurzer Zeit,
Auch in der Nachbarschaft gebahr. Wir machten alle
Dächer naß.
Das war auch unsre ganze Macht, weil der zu schwachen
Sprützen Fluht
Den wilden Grimm der strengen Flammen, der heftig
glüh'nden Kohlen Wut,
Zu dämpfen nicht im Stande war, auch die zu schwank-
und schwachen Staken
Der sonst in solchem Fall so dienlich- mit Nutz gebrauchten
Feuer-Haken,
Die nahen Häuser abzureissen, uns keine Dienste leisten
wollten.
Weil aber, wie bereits gesagt, die Kraft des Windes sich
gelegt,
Die Luft mit abgerißnem Feuer sich seitenwerts nicht mehr
bewegt,
Und die von Rauch gedrehten Wolken sich wirbelnd in die
Höhe rollten;
Gewonnen wir ein wenig Zeit, die nahen Dächer scharf
zu netzen,
Und sie dadurch, so viel als möglich, in eine Sicherheit
zu setzen.
Zu dieser unsrer Arbeit gab darauf der Schöpfer so viel
Gnade,
Daß sich die Brunst allmählig legte, so daß zuletzt der
ganze Schade
Auf fünf Gebäuden und vier Scheunen, und weiter nicht,
Gott Lob! sich streckte.
Worinn ein jeder, neben mir, ein halbes Wunder fast
entdeckte,
Daß zwischen Dächern, die von Stroh, die schon an sieben
Orten brennten,
Bey ziemlich stürmerischer Luft, bey wenig Feuer-Instru-
menten,
Da glimmend Korn und brennend Speck recht fürchter-
lich die Luft erfüllte,
Und überall zu zünden droht, ja letzters hier und dort
beklieben,
Dennoch des Höchsten Lieb’ und Macht die Freßigkeit
des Feuers stillte,
Daß sich sein Wüten legen müssen, und es, GOtt Lob!
dabey geblieben.
Sey denn, o Schöpfer! von uns allen, in tiefster Demuht,
hier gepriesen,
Daß Du, wie vormahls
Gluht und Brand,
Die grossen Plagen eines Landes, sich uns zwar nahe gnug
gewiesen,
Die Ruht’, in ihnen, uns gezeigt, die Schläge selbst doch
abgewandt.
Ach, laß uns, dieser Deiner Huld oft zu erinnern, nicht
vergessen!
Laß uns, nach überstandnem Leide, in frohem Danken, oft
ermessen:
Wie uns, mit allen Seinen Plagen, zuerst des Krieges
Grimm und Wut
Mit Rauben und mit Morden droht’, als eine Fluht, zu
überschwemmen,
Wie, mit nicht minderer Gefahr, nachhero die beschäumte
Fluht
In einer Linie schon stand mit unsern höchsten Deich- und
Dämmen,
Und wie anitzt die freßig-wild- und all-verzehr’nde rohte
Gluht
Uns den Garaus zu machen droht. Doch hat es unser
Gott gewehret,
Die Krieges-Wut, die Wassers-Fluht, die Gluht des
Feuers abgekehret,
Daß es allein beym Schrecken blieb, und wir, durch keine
Noht verstöret,
In stolzer Ruh Jhm danken können. Ach, laß doch ein
erkenntlichs Lallen
Dafür von uns, als Deinen Kindern, aus Gnad’, o Vater!
Dir gefallen!
Behüte ferner unsre Güter! beschütze den bestürmten
Strand!
Wend’ alles Unglück von uns ab, und segne dieses ganze
Land!