Demüthiges Buß-Lied.

By Heinrich Mühlpfort

Fliest Thränen fliest

Jhr Augen giest

Erpreste Jammer-Fluthen

Schmeltzt in ein Quell

Und rinnet hell

Zu dämpffen GOttes Gluthen.

Der Sünden Brand

Hat überhand

In unserm Fleisch genommen

Er wühlt mit Schmertz

Durch Seel und Hertz

Und wird noch weiter kommen.

Verübte Schuld

Macht Ungedult

Und wecket das Gewissen.

Der Laster Schmach

Zeigt nach und nach

Auf was es ist geflissen.

Wie unsre Zeit

In Uppigkeit

So lüderlich verschwendet

Wie unser Sinn

Sich niemals hin

Zum Gottesdienst gewendet.

Da sind unrein

Marck Blut und Bein

Samt ihrer faulen Hütte.

Kein Ader schlägt

Kein Glied sich regt

Daß Frevel nicht zerrütte.

Der Augen Glantz

Hat Wollust gantz

Mit Hoffart überzogen

Das Angesicht

jst ohne Licht

Dem Dunckeln nachgeflogen.

Was nur zu Spott

Dem höchsten GOtt

Der Mund hat treiben mögen

Das ist geschehn

Sünd’ schändlich Schmähn

Steht überall zugegen.

Was vor Verdruß

Von Händ und Fuß

Dem Schöpffer wiederfahren

Bringt der ans Licht

Wenn für Gericht

Geh’n alle Menschen-Schaaren.

Wo bleibt das Hertz

Das Spiel und Schertz

Mit GOttes-Wort getrieben?

Das feist erstarrt

Und vest verharrt

Auf schnödem Jrrthumb blieben.

Und schläfft du noch

An deinem Joch

Der ungeheuren Sünden?

Wach auf! die Zeit

Ist allbereit

Da GOtt dich heim wird finden.

Ach Hügel deckt

Mich! der erschreckt

Für GOttes Zorn will weichen

Jhr Berge kracht!

Komm finstre Nacht

Auf Abgrund! thu dergleichen.

Wie aber kan

Ich Unterthan

Dem HErren flüchtig werden?

Ach eitler Traum

Da ist kein Raum

Auf dieser weiten Erden.

Sein Zorn wird mich

Behendiglich

Auf meine Flucht ergreiffen.

Sein Donnerstral

Mit tausend Qual

Zerrütten und zerschleiffen.

Ich weiß noch Rath

Bey seiner Gnad

Verhoff ich Trost zu spüren.

Und meine Schuld

Soll seiner Huld

Barmhertzigkeit berühren.

Ich trage dir

Mein GOtt itzt für

Ein recht zerschlagen Hertze

Und allermeist

Mein traurig Geist

Brennt dir zur Opffer-Kertze!

Es ist mir leyd

Was ich die Zeit

Des Lebens je begangen

Daß ich der Welt

Mich zugesellt

Und Lastern nachgehangen.

Verwirff mich nicht

O höchstes Licht

Von deiner Gnaden Augen

Die Busse quillt

Mit Reu erfüllt

Und kocht gleich scharffer Laugen.

Ach wasche mich

Gantz säuberlich

So trotz ich Schnee und Lilgen.

So kan der Feind

Wie bös’ ers meynt

Mich nimmermehr vertilgen.

Hier ligt dein Knecht

Gott laß dein Recht

In Liebe sich verwandeln.

Du wirst mit mir

Nicht nach Gebühr

Und den Verdiensten handeln.

Zwar Straf und Pein

Die geh’ ich ein

Nur daß ich dort nicht büsse.

Das Gottes-Lamm

Ans Creutzes Stamm

Macht mir die Schmertzen süsse.

Mein Mund soll fort

An jedem Ort

Des Höchsten Güte preisen.

Und spät und früh

Auf tieffem Knie

Dem HErren Danck erweisen.