Den bedencklichen tod theurer Leh- rer auf den sel. hintritt Hn. D. Joh. Ben. Ca...
Was iedes seculum vor wunder hat erwiesen
Wann es mit seinem lauff zu ende kommen ist
Wird bald beweint und bald als himmelhoch gepriesen
So ferne man hiervon die zeit-beschreibung list.
Doch keines unter dem ist unserm zu vergleichen
Man nehme was man will aus anderen heraus
Auch selbst die jahres-zeit soll aus dem circkel weichen
Und die calender gehn mit ihrer rechnung aus.
Vom übrigen läst sichs mehr dencken als hier schreiben
Dem himmel seys geklagt was Franckreich bloß verübt
An denen die sich nicht der kirchen einverleiben
Da dem gewissen es gesetzes-reguln giebt.
Und was bedarff es viel weit in die welt zu schweiffen
Man bleibe nur allein in unserm lande stehn
Was sag ich land? Kan sich wohl größrer kummer häuffen
Als mit dem in der stadt wir itzt zu grabe gehn?
Ich sage nein darzu. Denn uns entweicht ein Lehrer
Den aus der erden man mit händen graben soll
Was schmertzet mehr als diß uns dessen treue Hörer!
Ein ieder gäb vor ihm dem tode sich zum zoll.
Zumahl da von dem fall wir höher leyd befahren
Und vor zukünfftigen fast halb erstaunend sind
Wann alles unglück sich will wider uns verpaaren
Da man von einem kaum ein wenig ruhe find.
Als dort Ambrosius zu Mayland schlaffen ginge
Fiel gleich der Gothen heer in Welschland grausam ein:
Wann es der heiligkeit auch selbst am halse hienge
(war ihr verfluchtes wort ) muß es doch unser seyn.
Und Augustinum sah man nicht so bald begraben
So war gantz Africa von Wenden überschwemmt.
Ach! schrie das volck nach ihm kan man denn keinen haben
Der unser hertzeleid in diesem jammer hemmt?
Der Bischoff zu Ruspin lag noch gantz unversehret
Da schon der Mohren wuth der kirchen freyheit nahm
Und rieff: was ihr nur findt last hinter euch zerstöret
So daß aus mutterleib auch nicht ein kind entkam.
Und o! was soll ich dann viel von Luthero sagen
Starb dieser tapffre Held am tag Concordiä
So muste Sachsen-land bald über zwietracht klagen
Wie giengs im teutschen reich? Man schrie damahls weh!
Ein weitres mag ich nicht hier im exempel zeigen
Wie grosser Lehrer tod groß leiden nach sich zieht.
Gott gebe daß nur wir nicht auch den rücken beugen
Da hier ein theurer Mann bald nach dem andern flieht.
Zehlt man nicht noch die zeit fast nur nach monats-fristen
Als aus dem Fürsten-hauß Alberti abschied nahm?
Der vor die kirche sich recht wuste auszurüsten
Und mit so manchem sieg von widersachern kam.
Dem folgte Möbius der zwar von grossen jahren
Und also der natur die schuld bezahlet hat;
Doch muß bey Leipzig man hierdurch so viel erfahren
Daß in Theologie ein Doctor in der stadt.
Denn kaum hat man das haupt in seine grufft versencket
Das unsre Priesterschafft das allerhöchste nennt
So wird Carpzovius schon auch von uns gelencket
Den seinem nachdruck nach nur die gemeine kennt;
Die diesen Götter-mund von cantzeln donnern hören
Und die autorität mit augen angesehn
So uns durch einen blick vermochte zu bekehren
Wann eine böse that in unsrer brust geschehn.
Dem an gelehrsamkeit im Lutherthum nichts gleichet
Vor dessen Redners-krafft die eloqventz verblaßt
Und an geschwindigkeit im lehren alles weichet
Der in religion hat allen falsch gehaßt.
Der sich bey dieser zeit recht vor den riß gestellet
Und als ein Josua vors gantze volck gewacht
Da schier das unkraut sich dem wäitzen zugesellet
Und in der kirchen uns viel wirrerey gemacht.
Der noch mit einem wort ein GOttes-mann gewesen
So im gedächtniß uns vor vielen oben an
Von dem die nach-welt noch in chronicken wird lesen
Was er im Lehrer-stand mit seiner treu gethan.
Und dieser stirbt beynah in einer zeit und stunde
Als vor acht tagen jüngst der Superintendeut
Diß bringt von einem schlag uns mehr als eine wunde
Daß so zwey leichen GOtt auff einmahl zugesendt.
Sie werden angesagt zugleich und auch begraben
Da doch der letzte noch nicht in dem alter steht
Der erst vor sein verdienst belohnung solte haben
Dem aber es hierbey wie seinem vater geht.
Und so viel mehr will uns der fall nun selber tödten
Da wenig Väter sonst in der verlaßnen stadt.
Der Gröste findet sich bey hohen Majestäten
Da die Durchlauchtigkeit ihn mit zu rathe hat.
Der andre lieget da auff seinem sieches-bette
Und hört um sich herum von nichts als todten-post;
Den gerne Rath und Stadt noch länger bey sich hätte
Dems leicht eh man dis blat gedruckt sein leben kost.
Der dritte muste sich das land zur cur erwehlen
Doch ists erwünscht daß er kan wieder bey uns seyn.
Die übrigen mag man kaum mehr bey paaren zehlen
So harte greifft der schluß des grossen himmels ein.
Er friste also doch noch lang ihr theuer leben
Des ersten haupt sey bald mit der gesellschafft da
Die andern wolle GOtt auch so mit krafft umgeben
Wie man vor dem bey uns viel graue häupter sah.
Genug daß in die kirch ein solcher riß gedrungen
Der noch zur zeit vor uns gantz unersetzlich scheint
Den schon viel Omina uns längstens vorgesungen
Und durch ein zeichen auch der himmel selbst beweint.
So offt die cantzel uns in das gesichte fället
Qvillt thränen-wasser auch aus unsern augen vor.
Wenn uns der Priester nur ein wort von ihm fürstellet
Hebt die gemeine drauff ihr weinend haupt empor.
Die abschieds-predigt schmertzt noch uns und die gedancken
So er kurtz vor dem tod in Christi nahmen hielt
Das leiden ohne zahl wie wir nicht sollen wancken
Wann auch dergleichen uns nach unsern stirnen zielt.
Die leichen-rede so die letzte vor dem ende
Und das valet so er dem werthen Greiß gemacht
Darüber ringen wir gantz höchst-bestürtzt die hände
Weil es besorglich ihm viel böses mitgebracht.
Indessen wird man doch was nur Carpzovisch heisset
Als Ehren-zweige sehn in unsern mauren blühn.
Die Wittwe so der tod fast mit zu boden reisset
Soll man vor anderen in seine andacht ziehn.
Gott tröste allerseits wo anders trost zu finden
So unserm hertzeleid an krafft und nachdruck gleicht
Ich kan zum wenigsten nichts in die zeilen binden
So meiner meynung nach an diesen jammer reicht!