Den bedencklichen tod theurer Leh- rer auf den sel. hintritt Hn. D. Joh. Ben. Ca...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was iedes seculum vor wunder hat erwiesen

Wann es mit seinem lauff zu ende kommen ist

Wird bald beweint und bald als himmelhoch gepriesen

So ferne man hiervon die zeit-beschreibung list.

Doch keines unter dem ist unserm zu vergleichen

Man nehme was man will aus anderen heraus

Auch selbst die jahres-zeit soll aus dem circkel weichen

Und die calender gehn mit ihrer rechnung aus.

Vom übrigen läst sichs mehr dencken als hier schreiben

Dem himmel seys geklagt was Franckreich bloß verübt

An denen die sich nicht der kirchen einverleiben

Da dem gewissen es gesetzes-reguln giebt.

Und was bedarff es viel weit in die welt zu schweiffen

Man bleibe nur allein in unserm lande stehn

Was sag ich land? Kan sich wohl größrer kummer häuffen

Als mit dem in der stadt wir itzt zu grabe gehn?

Ich sage nein darzu. Denn uns entweicht ein Lehrer

Den aus der erden man mit händen graben soll

Was schmertzet mehr als diß uns dessen treue Hörer!

Ein ieder gäb vor ihm dem tode sich zum zoll.

Zumahl da von dem fall wir höher leyd befahren

Und vor zukünfftigen fast halb erstaunend sind

Wann alles unglück sich will wider uns verpaaren

Da man von einem kaum ein wenig ruhe find.

Als dort Ambrosius zu Mayland schlaffen ginge

Fiel gleich der Gothen heer in Welschland grausam ein:

Wann es der heiligkeit auch selbst am halse hienge

(war ihr verfluchtes wort ) muß es doch unser seyn.

Und Augustinum sah man nicht so bald begraben

So war gantz Africa von Wenden überschwemmt.

Ach! schrie das volck nach ihm kan man denn keinen haben

Der unser hertzeleid in diesem jammer hemmt?

Der Bischoff zu Ruspin lag noch gantz unversehret

Da schon der Mohren wuth der kirchen freyheit nahm

Und rieff: was ihr nur findt last hinter euch zerstöret

So daß aus mutterleib auch nicht ein kind entkam.

Und o! was soll ich dann viel von Luthero sagen

Starb dieser tapffre Held am tag Concordiä

So muste Sachsen-land bald über zwietracht klagen

Wie giengs im teutschen reich? Man schrie damahls weh!

Ein weitres mag ich nicht hier im exempel zeigen

Wie grosser Lehrer tod groß leiden nach sich zieht.

Gott gebe daß nur wir nicht auch den rücken beugen

Da hier ein theurer Mann bald nach dem andern flieht.

Zehlt man nicht noch die zeit fast nur nach monats-fristen

Als aus dem Fürsten-hauß Alberti abschied nahm?

Der vor die kirche sich recht wuste auszurüsten

Und mit so manchem sieg von widersachern kam.

Dem folgte Möbius der zwar von grossen jahren

Und also der natur die schuld bezahlet hat;

Doch muß bey Leipzig man hierdurch so viel erfahren

Daß in Theologie ein Doctor in der stadt.

Denn kaum hat man das haupt in seine grufft versencket

Das unsre Priesterschafft das allerhöchste nennt

So wird Carpzovius schon auch von uns gelencket

Den seinem nachdruck nach nur die gemeine kennt;

Die diesen Götter-mund von cantzeln donnern hören

Und die autorität mit augen angesehn

So uns durch einen blick vermochte zu bekehren

Wann eine böse that in unsrer brust geschehn.

Dem an gelehrsamkeit im Lutherthum nichts gleichet

Vor dessen Redners-krafft die eloqventz verblaßt

Und an geschwindigkeit im lehren alles weichet

Der in religion hat allen falsch gehaßt.

Der sich bey dieser zeit recht vor den riß gestellet

Und als ein Josua vors gantze volck gewacht

Da schier das unkraut sich dem wäitzen zugesellet

Und in der kirchen uns viel wirrerey gemacht.

Der noch mit einem wort ein GOttes-mann gewesen

So im gedächtniß uns vor vielen oben an

Von dem die nach-welt noch in chronicken wird lesen

Was er im Lehrer-stand mit seiner treu gethan.

Und dieser stirbt beynah in einer zeit und stunde

Als vor acht tagen jüngst der Superintendeut

Diß bringt von einem schlag uns mehr als eine wunde

Daß so zwey leichen GOtt auff einmahl zugesendt.

Sie werden angesagt zugleich und auch begraben

Da doch der letzte noch nicht in dem alter steht

Der erst vor sein verdienst belohnung solte haben

Dem aber es hierbey wie seinem vater geht.

Und so viel mehr will uns der fall nun selber tödten

Da wenig Väter sonst in der verlaßnen stadt.

Der Gröste findet sich bey hohen Majestäten

Da die Durchlauchtigkeit ihn mit zu rathe hat.

Der andre lieget da auff seinem sieches-bette

Und hört um sich herum von nichts als todten-post;

Den gerne Rath und Stadt noch länger bey sich hätte

Dems leicht eh man dis blat gedruckt sein leben kost.

Der dritte muste sich das land zur cur erwehlen

Doch ists erwünscht daß er kan wieder bey uns seyn.

Die übrigen mag man kaum mehr bey paaren zehlen

So harte greifft der schluß des grossen himmels ein.

Er friste also doch noch lang ihr theuer leben

Des ersten haupt sey bald mit der gesellschafft da

Die andern wolle GOtt auch so mit krafft umgeben

Wie man vor dem bey uns viel graue häupter sah.

Genug daß in die kirch ein solcher riß gedrungen

Der noch zur zeit vor uns gantz unersetzlich scheint

Den schon viel Omina uns längstens vorgesungen

Und durch ein zeichen auch der himmel selbst beweint.

So offt die cantzel uns in das gesichte fället

Qvillt thränen-wasser auch aus unsern augen vor.

Wenn uns der Priester nur ein wort von ihm fürstellet

Hebt die gemeine drauff ihr weinend haupt empor.

Die abschieds-predigt schmertzt noch uns und die gedancken

So er kurtz vor dem tod in Christi nahmen hielt

Das leiden ohne zahl wie wir nicht sollen wancken

Wann auch dergleichen uns nach unsern stirnen zielt.

Die leichen-rede so die letzte vor dem ende

Und das valet so er dem werthen Greiß gemacht

Darüber ringen wir gantz höchst-bestürtzt die hände

Weil es besorglich ihm viel böses mitgebracht.

Indessen wird man doch was nur Carpzovisch heisset

Als Ehren-zweige sehn in unsern mauren blühn.

Die Wittwe so der tod fast mit zu boden reisset

Soll man vor anderen in seine andacht ziehn.

Gott tröste allerseits wo anders trost zu finden

So unserm hertzeleid an krafft und nachdruck gleicht

Ich kan zum wenigsten nichts in die zeilen binden

So meiner meynung nach an diesen jammer reicht!