[Den Menschen ist an mir ein merkliches gelegen]Fußnoten
Written 1632-01-01 - 1632-01-01
Den Menschen ist an mir ein merkliches gelegen.
Ich habe viel verderbt: doch auch viel gut gemacht.
Man schafft mit mir zumahl viel Nutzen bey der Nacht
Der an dem Tag bricht auß. Ich führe meinen Degen.
In einer rohten Scheid: Mit diesem wehr ich mich.
Es närt mein ärgster Feind an meinem Tische sich.
Die ich Großmutter heiß' ist ihres Sohnes Schwester:
Vnd Tochter ihres Manns. Trutz einem der mich läster'.
Vor Anbegin der Welt ward ich zur Welt gebracht.
Durch mich hat man zuerst die Sternsehkunst erdacht.
Bin nichts und etwz doch. Ein Jüngling an dē Morgen.
Mittags ein kleiner Knab. Des Abends als ein Mann.
Nachts wie die halbe Welt. Diß Gantz' ist meine Bahn.
Ich lauf' ohn Leben fort. Ein kurtzer Artzt der Sorgen.
Man sucht und hat mich schon. Ich folge wann man flieht:
Vnd fliehe wann man folgt. Nochwerd ich nimmer müd.
Sobald ich werden soll muß meine Mutter sterben:
Alsdann so wirkt mich erst mein Vatter vollends aus.
Vollendet bin ich nur ein todtes Ding und Haus:
Doch kan mir männiglich das Leben bald erwerben.
Ein Hauch beseelet mich und tödet mich auch wider.
Ich bläh mich blötzlich auf. Auf den Pantoffelfuß
Der mir am Halse steht erleid ich manchen Kuß.
Es tastet meinen Bauch und hälset mich ein ieder.
Dem Weibesvolk bin ich lieb. Das zauset meinen Bart
Vnd küsst und tätzelt mich. Ich werde täglich kleiner:
Bis daß ich gar erstirb. Nicht leicht entbärt man meiner.
Ich leb nach meinem Tod. Was hunderten nicht ward
Genieß' ich täglich dann: indem ich künlich hertze
Die zarte Jungferhaut. Ich trieb mit ihnen Schertze
Bey Tag und auch bey Nacht. Bin ich denn abgemutzt
So mach ich daß ein Mann die Ewgkeiten trutzt.