Den Rudolstädtischen Ruhm- und Klage-Tempel über den Tod der Hochgebohrnen Gräfi...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Kommt Töchter Salems kommt und schaut mein Leiden an

Und wenn nicht euer Hertz von Eisen Stahl und Steinen

So seuffzet auch mit mir helfft eurer Schwester weinen

Weil ihr der Himmel hat im Zorne weh gethan.

Mich hat des Höchsten Hand im Grimme wund geschlagen

Drum kommt und helffet mir den Schmertzen mit beklagen.

Schaut meines Tempels Pracht wie solcher sich verstellt.

Ich reisse Gold und Schmuck von dem bekrönten Haare:

Denn selbst mein Heiligthum liegt auf der Todten-Bahre

Mein Kirchen-Pfeiler bricht mein Bet-Altar zerfällt

Man höret itzo nichts in meines Tempels Hallen

Als vieler Klagen Hall verdoppelt wiederschallen.

Mein Halleluja kehrt sich in Eleison

Mein frohes Säitenspiel verwandelt sich in Heulen

Gebet und Sang muß sich in Ach und Weh zertheilen

Auf meinem Chore klingt ein steter Klage-Thon.

Und wie soll nicht das Leid durch meine Geister dringen

Weil ich statt Gloria muß ein Turbabor singen?

Ich lege Boy und Flor nicht nach Gewohnheit an

Ich weine nicht zum Staat ich klage nicht zum Scheine:

Denn ein so grosser Fall zerqvetschet Marck und Beine.

Es ist nun fast um mich und um mein Heil gethan;

Weil meine Hanna todt die durch ihr stetes Beten

Bey manchem Unglücks-Sturm ist vor den Riß getreten.

Und da ich mehr von Ihr zu rühmen willens bin

Will mich wie Nioben der Jammer fast entseelen.

Der Mund erstarret schon ich kan nichts mehr erzehlen

Und weis als Todte nur auf todte Bilder hin.

Die stummen Statuen die werden deutlich sagen:

Was ich und was mit mir ein jeder hilfft beklagen:

Schaut her wie um den Sarg nichts als nur Liebe steht

Die uns ein Zeugniß giebt vom rechten Tugend-Triebe:

In dessen Circkel ist der Mittel-Punct der Liebe

Weil von durch und zu ihr die ächte Tugend geht.

Drum weil die Liebe selbst zum letzten Dienst erkohren

So sieht man daß mein Land was Liebes hat verlohren.

Der aber liebet recht der Gottes Liebe hegt

Die von dem Himmel kömmt und auch gen Himmel kehret;

Wie jener Vogel uns durch sein Exempel lehret

Der von dem Paradieß den schönen Rahmen trägt

Als welchem die Natur läßt keine Füsse geben

Daß er im Himmel soll nicht auf der Erden leben.

Glaub' Hoffnung Tugend sind als theure Zeugen dar

Daß unsrer Gräfin Geist weil er vom Himmel kommen

Nicht leicht was irdisches an sich hat angenommen.

Und weil ihr Lieben frey von Fremden Feuer war

Hat man die Seltenheit um destomehr verehret

Da Stand und Schönheit hat derselben Pracht vermehret.

Ob solcher Liebe Glut nun gleich zum Himmel geht

Auch ihrem Jesu nur die Glaubens-Lampe brennet

Wird doch das Hertze nicht vom Nechsten abgetrennet

Mit welchem es nechst Gott in treuer Liebe steht:

Denn wer die Liebe nicht mit Menschen weiß zu üben

Wie kan der seinen Gott den er nicht siehet lieben?

Der Himmels-Liebe kömmt fast Ehe-Liebe bey

Indem derselben Glut wenn Tugend sie entzündet

Auch mit dem Lebens-Licht im Tode nicht verschwindet:

Denn in der Asche glimmt noch Glut von ihrer Treu.

Gleichwie der Tod nur kan bey denen Turtel-Tauben

Das Leben aber nicht die treue Liebe rauben.

Selbst Dero Eh-gemahl bezeugt aus treuer Pflicht

Daß solche Liebe nie bey ihr hat aufgehöret.

Biß daß sich durch den Tod das Feuer hat verzehret.

Er glaubt die Glut verlescht auch in dem Grabe nicht:

Drum weil nach Palmen-Art sie gleiche Liebe hegen

Soll man sie auch im Tod in eine Höle legen.

Der Ehe-Liebe folgt die Mutter-Liebe nach.

Hier pflegt die Liebe denn mehr ab-als auf-zu steigen

Und sich mit gröster Lust den Kindern zuzuneigen

Drum flieht sie keine Müh und scheut kein Ungemach

Daß sie denselben mög' im Auferziehen nützen

Und einer Henne gleich die jungen Küchlein schützen.

Hier trägt die Gräfin auch mit Ruhm den Preiß davon.

Wie eine Muschel kan die schönste Perl erzeugen

Wenn alle Nahrungs-Krafft sich darff zu einer neigen;

So war ihr gleichfalls auch der Hochgebohrne Sohn

Den sie alleine hat fürtrefflich wohl gepflogen

Und durch Gebet und Fleiß so herrlich auferzogen.

Deßwegen klagt Er auch daß seine Zierd und Lust

Gleich einer Rosen fällt; doch ihr Geruch verbleibet

Den die Durchlauchtigste zum Denckmahl einverleibet.

Der Kindes-Kinder Zahl seuffzt aus betrübter Brust

Daß sie nicht weiter soll dergleichen Wartung laben

Wovon sie höchst-vergnügt viel Wachsthum würden haben.

Doch muß die Liebe noch bey Christen weiter gehn

Und muß auch ihre Frucht an fremde Leute zahlen

Doch nicht den Heyden gleich mit ihren Gaben pralen

Bey solcher Güte kan kein Mangel nicht entstehn

Wenn man aus Liebe gleich um andern nur zu nützen

Läßt wie ein Pelican sein eigen Blut verspritzen.

Zu Zeugen stehen dar Hof Kirche Schul und Land

Die sie als ein Magnet durch Huld an sich gezogen

Und für derselben Heil stets Sorge hat gepflogen

Drum stunde Schwartzburg stets im höchst-beglückten Stand

Biß daß sein Baum verdorrt der Nutzen hat gegeben

Und nur noch oben pflegt zu blühen und zu leben.

Meint aber nicht daß hier des Lobes Grentzen sind

Und daß nachdem man viel von Ihrem Ruhm geprießen

Die vielen Tugenden hier ihren Reihen schließen:

Ach nein! weil man noch viel an ihr zu loben sindt.

Schaut wie viel Tugenden noch hier im Leide stehen

Und wie viel Künste selbst mit ihr zu Grabe gehen.

Es weiß mein Priester-Volck und der Gelehrten Schaar

Wie Ihr erlauchter Geist die Schrift wohl kunt ergründen;

Wie Ihre Klugheit stets hat wissen Rath zu finden;

Wie Ihre Poesie recht zu bewundern war;

Wie Kunst und Tugend hier zusammen streiten wollte

Wer unter Ihnen doch den Vorzug haben sollte.

Schaut wie viel Strahlen hier von denen Lichtern gehn

Damit die Nacht nicht kan den Ehren-Prunck verdunckeln;

Doch pflegt der Gräfin Nuhm unendlich mehr zu funckeln.

Und da im grösten Glantz viel Kronen brennend stehn

So wollen selbige mit klaren Worten sagen:

Sie sey vielfältig werth dergleichen Schmuck zu tragen.

Wenn alles Silber-Zeug ein stück von Ophir wär

Und sich das schwartze Tuch in Purpur wollte kehren

So wär es nicht genug Sie würdig zu verehren;

Wär auch die theure Cron an Steinen noch so schwer

Die von dem Sarge pflegt mit Schimmer vorzublicken

So wär sie doch zu leicht Sie würdigst auszuschmücken.

Wer so ein Tugend-Bild zu schildern sich bemüht

Dem geht es gleichwie dem der in die Sonne schauet

Und dieses göldne Licht zu mahlen sich getrauet

Alleine halb-verblendt mit Schimpfs zurücke sieht.

Drum wie der Sonnen Glantz sich nicht kan bilden lassen

So kan der Gräfin Lob auch keine Bildung fassen.

Wer sonsten von dem Ruhm erhabner Leute singt

Pflegt meist aus falschen Thon sein Singen anzufangen

Biß er sich endlich hat in solchem übergangen

Daß es zu Schimpfs und Spott verstimmt am Ende klingt;

Allein so Freund als Feind so Lieb als Neid gestehet

Daß unser Gräfin Lob weit über alles gehet.

Es rühmt der Zeiten Ruff längst Ihren Tugend-Pracht;

Doch dringt die Fama itzt vom neuen durch die Lüffte

Vor welcher Gottheit auch die schwartz-bewölckten Düffte

Sich haben aufgeklährt und ihr den Weg gemacht:

So lange solche nun wird ächtes Lob erhöhen

Wird Dero Nahme nicht durch ihre Hand vergehen.

Jedoch die Liebe wird Ihr länger dienstbar seyn:

Wenn Glaub und Hoffnung einst wird in der Welt vergehen

Wird Sie die Liebe noch zur Ehr und Lust erhöhen.

Sie strahlt auch schon durch Ihr mit ungemeinen Schein:

Sie hat das Lamm geliebt und ist im Vließes Orden

Den Gottes Lamm gestifft ein theures Mitglied worden.

Gott stellet nun mit Ihr des Lammes Hochzeit an.

Die Liebe kan das Lamm nun in der That genießen

Das bloß die Hoffnung hier so freudig hat geprießen:

Es wird Ihr nun von Ihm auf ewig wohlgethan.

Allein Ihr Wohlseyn will uns nichts als Weh gebähren

Und Ihr Verlust erpreßt von uns viel tausend Zähren.

Drum hemmt mein Schwartzburg auch die milden Thränen nicht

Weil ihm das theure Reiß von Barby ist entrissen:

Und weil mit Ihm der Stamm ist gäntzlich umgeschmissen

Sieht man wie Barby selbst für Leid sein Wappen bricht:

Drum können wir mit Recht die Kleider auch zerreissen

Und Schwartzburg seinen Schmuck für Wehmuth von sich schmeissen.

Ach qvillet Zähren qvillt! ergieß dich Thränen-Bach!

Ob ich gleich schon so viel der Thränen Fluht vergossen

Daß fast der Lebens-Geist mit ihnen fortgeflossen

Und ich nichts sprechen kan als lauter Weh und Ach!

Ja weil die Kirche nichts für Jammer mehr kan sagen

So helfft ihr Schulen auch den Jammer mit beklagen.