Den streit des todes mit der schön- heit auf das betrübte absterben Jgf. Reginä ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wje gehts doch immer zu daß was man schöne nennet

Mit der vergänglichkeit den ersten streit bekömmt?

Nicht anders als weil ihm der neid den ruhm nicht gönnet

Und seine zierlichkeit so viel nur möglich hemmt!

Am meisten muß man diß an denen menschen sehen

So GOtt und die natur vor andern schön gemacht:

Den morgen findt man offt daß es um sie geschehen

Obgleich des abends noch die anmuth sie bewacht.

Diß thut der tod ein feind von allen lieblichkeiten

Den uns die phantasie des künstlers also zeigt:

Wie nichts als ein geripp an ihn auff allen seiten

Und er nach lebenden auff dürren knochen steigt;

Der in der lincken hand den leeren seiger führet

Und an der rechten sich mit einer fense trägt

Bey dessen umkreiß man verwelckte blumen spüret

Die seine grimmigkeit auff sarg und grab hinlegt.

Was mag nun also dem wohl mehr zuwider fallen

Als so ein bild das auch ein pinsel nicht erreicht?

Auff dessen wangen man nur milch und blut sieht wallen

Dem weder schwanen-art noch purpur-farbe gleicht:

Aus dessen augen-paar zwey kleine sonnen strahlen

An dem die lippen gleich als zucker-rosen blühn

Und dessen weissen hals die lilien bemahlen

Kurtz alle glieder nichts denn lieben nach sich ziehn?

Die sucht des todes haß so gräßlich zu masqviren

Daß in sein ebenbild der gantze mensch verfällt.

Allein diß läßt sich nun nicht ohne kampf vollführen

Da denn itzt hier itzt dar sich der triumph einstellt.

Bald muß der schlaue gast die larve wieder nehmen

Wenn der zu muntre leib erneute kräffte kriegt;

Bald aber soll nach ihr der krancke sich beqvemen

Wenn sein gesicht erblaßt auf einer baare liegt.

Diß will uns leider! itzt ein traurig beyspiel lehren

Da man ein liebstes kind in sterbe-rock einkleidt

Das durch der schönheit glantz den tod nicht kan bethören

Auff dessen anfall es von seinen eltern scheidt:

Ein angenehmer zweig aus einem solchem stamme

Der auch schon anderweit von schöner frucht bekandt

Ein rauch-altar worauff des vaters liebes-flamme

Mit höchster billigkeit in voller glut gebrannt;

Doch nun ein kläglich ziel des todes grausamkeiten

Ein raub den er zu sich ohn all erbarmniß reißt;

Ein meisterstück berühmt von so viel trefflichkeiten

Die unsre stadt mit recht an ihrer jugend preist.

Als dessen schöne pracht den ersten anstoß litte

War zu dem siege noch erfreute hoffnung da

Weil wider ihren feind sie so behertzet stritte

Und mit vollkommnem muth ihm in die augen sah

Das lager so er bald um diese festung führte

Ließ anfangs noch succnrs und treuen beystand ein;

Doch als der andre sturm der adern zufluß rührte

Must’ auch die wahlstatt schon mit blut gefärbet seyn.

Der fernere versuch geschach mit feuer-gluten

Darunter sich zugleich des friesels schnee gemengt;

So daß kaum ein entsatz dargegen zu vermuthen

Weil allenthalben sich der tod nun eingedrängt.

Da lag der müde leib von wachen ausgezehret

Der weder raum noch zeit zum labsal übrig fand;

Jhm war zu widerstehn die möglichkeit verwehret

Der streit schien aus zu seyn der sieg ins gegners hand.

Als sich nun alles so zur übergabe schickte

Kam unverhofft ein ruff als wann accord da wär

Indem ein sanffter schlaff den lebens-geist erqvickte;

Doch diese ruhe war von aller hülffe leer.

Weil sich durch krieges-list die schönheit schlaffend fande

Nahm der verstellte feind den vortheil so in acht

Daß er den überrest der kräffte vollends bande:

Da hieß nun dieser kampf wohl recht betrübt vollbracht.

O tod du grausamer! du würdest selber weinen

Wann auch ein auge nur aus deinem schedel säh’

Die sache würde dir erbarmens-würdig scheinen

Wann bloß ein blick von dir auff diesen fall geschäh’.

Allein so kanst du nicht der tugend würde schätzen

Dein ohr bezwinget nicht ein süsser lauten-thon

Dich kan geschicklichkeit in kein verschonen setzen

Verstand und gottesfurcht findt bey dir schlechten lohn;

Sonst hättest du allhier nicht so was angerichtet

Mit dem diß und noch mehr ins finstre grab verschiest

Dein eingriff hätte nicht die schönheit so vernichtet

Die nun der sarg in sich als eine leich umschließt.

Doch wisse daß dein sieg ein unterliegen heisset

Wann man nach Christen-pflicht den ausschlag recht bedenckt

Nach welchem deine faust nichts von der erden reisset

Sie werde denn mit fleiß von GOtt darauff gelenckt.

Der wird den leib dereinst viel schöner wiedergeben

Der seelen aber ist kein unfall zugefügt.

Die kan als heilig nun bey schönen engeln leben:

Diß ists was bey dem streit die eltern noch vergnügt.