Denkreime Des grossen U nglükks und Hauß- kreutzes

By Georg Neumark

Ich wil dirs gern gestehn Amfion daß die Schmertzen

Die du mit grossem Leid’ in deinem Vaterhertzen

Als tausend Wunden fühlst fast unerträglich sind:

Ich gläub es Hekuba daß dich dein liebes Kind

Dein Polidorus schmertzt; auch kan ich leicht gedenken

Daß es Antikle dich nicht wenig nur muß kränken

Wenn dir zu Ohren kömmt zwar durch ein falsch Ge-

schrey

Als wenn vor Troja dort dein Sohn geblieben sey

Dein liebster Sohn Ulyß. Es mag sich so verhalten

Ich geb’ es gerne nach daß euch die Hertzen spalten

Vor grossem ach und weh. Doch schweigt anitzo still’

Und hört ein wenig zu was ich erzehlen wil.

Dann sprecht das Urtheil selbst ob ihr nicht müsset weichen

Was Wehmuhtanbelangt? ob euch nicht sey zugleichen

Frau Me

So ihm den kalten Tod bey nahe zugetreut:

Der beyden einger Sohn der wie die Rose pranget

Und der die helffte kaum vom elfften Jahr’ erlanget

Geht ungefehr allein auß antrieb seiner Lust

Ins Oberhauß hinauf des Unglüks unbewust

(denn was der Himmel wil das sol und muß geschehen

Kein Mensch wie klug er auch kan diesem widerstehen.)

Et spielet mit sich sebst geht allzuweit herfür

Zum Ladenfenster zu (O weh es grauet mir

Vor solchem Ungelükk’! es stokken meine Sinnen

Die Feder wil nicht fort es wollen die Verse nicht rinnen

Wie sie pflegen und wie sie sollen.)