Denkreime Des grossen U nglükks und Hauß- kreutzes
Ich wil dirs gern gestehn Amfion daß die Schmertzen
Die du mit grossem Leid’ in deinem Vaterhertzen
Als tausend Wunden fühlst fast unerträglich sind:
Ich gläub es Hekuba daß dich dein liebes Kind
Dein Polidorus schmertzt; auch kan ich leicht gedenken
Daß es Antikle dich nicht wenig nur muß kränken
Wenn dir zu Ohren kömmt zwar durch ein falsch Ge-
schrey
Als wenn vor Troja dort dein Sohn geblieben sey
Dein liebster Sohn Ulyß. Es mag sich so verhalten
Ich geb’ es gerne nach daß euch die Hertzen spalten
Vor grossem ach und weh. Doch schweigt anitzo still’
Und hört ein wenig zu was ich erzehlen wil.
Dann sprecht das Urtheil selbst ob ihr nicht müsset weichen
Was Wehmuhtanbelangt? ob euch nicht sey zugleichen
Frau Me
So ihm den kalten Tod bey nahe zugetreut:
Der beyden einger Sohn der wie die Rose pranget
Und der die helffte kaum vom elfften Jahr’ erlanget
Geht ungefehr allein auß antrieb seiner Lust
Ins Oberhauß hinauf des Unglüks unbewust
(denn was der Himmel wil das sol und muß geschehen
Kein Mensch wie klug er auch kan diesem widerstehen.)
Et spielet mit sich sebst geht allzuweit herfür
Zum Ladenfenster zu (O weh es grauet mir
Vor solchem Ungelükk’! es stokken meine Sinnen
Die Feder wil nicht fort es wollen die Verse nicht rinnen
Wie sie pflegen und wie sie sollen.)