Der 121. PsalmIch erhebe, Herr, zu dir meiner beiden Augen Licht

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Ich erhebe, Herr, zu dir

Meiner beiden Augen Licht,

Mein Gesicht ist für und für

Zu den Bergen aufgericht't,

Zu den Bergen, da herab

Ich mein Heil und Hilfe hab.

Meine Hilfe kommt allein

Von des Höchsten Händen her,

Der so künstlich, hübsch und fein

Himmel, Erde, Luft und Meer,

Und was in den allen ist,

Uns zum Besten ausgerüst't.

Er nimmt deiner Füße Tritt,

O mein Herze, wohl in Acht,

Wenn du gehest, geht er mit

Und bewahrt dich Tag und Nacht.

Sei getrost! Das Höllenheer

Wird dir schaden nimmermehr.

Siehe, wie sein Auge wacht,

Wenn du liegest in der Ruh,

Wenn du schläfest, kommt mit Macht

Auf dein Bett geflogen zu

Seiner Engel güldne Schar,

Daß sie deiner nehmen wahr.

Alles was du bist und hast,

Ist umringt mit seiner Hut,

Deiner Sorgen schwere Last

Nimmt er weg, macht alles gut;

Leib und Seel hält er verdeckt,

Wenn dich Sturm und Wetter schreckt.

Wenn der Sonnen Hitze brennt

Und des Leibes Kräfte bricht,

Wenn dich Stern und Monde blendt

Mit dem klaren Angesicht,

Hat er seine starke Hand

Dir zum Schatten vorgewandt.

Nun, er fahre immer fort,

Der getreue fromme Hirt,

Bleibe stets dein Schild und Hort,

Wenn dein Herz geängstet wird;

Wenn die Not wird viel und groß,

Schließt er dich in seinen Schoß.

Wenn du sitzest, wenn du stehst,

Wenn du redest, wenn du hörst,

Wenn du aus dem Hause gehst

Und zurücke wieder kehrst,

Wenn du trittst aus oder ein,

Woll er dein Gefährte sein.