Der 39. PsalmMein Gott, ich habe mir gar fest gesetzet für

By Paul Gerhardt

Written 1641-01-01 - 1641-01-01

Mein Gott ich habe mir

Gar fest gesetzet für,

Ich will mich fleißig hüten,

Wenn meine Feinde wüten,

Daß, wenn ich ja was spreche,

Ich dein Gesetz nicht breche.

Wenn mein Geblüt entbrennt,

So hab ich mich gewöhnt,

Vor deinen Stuhl zu treten,

Laß Herz und Zunge beten;

Herr, zeige deinem Knechte,

Zu tun nach deinem Rechte.

Herr, lehre mich doch wohl

Bedenken, daß ich soll

Einmal von dieser Erden

Hinweg geraffet werden,

Und daß mir deine Hände

Gesetzet Zeit und Ende.

Die Tage meiner Zeit

Sind eine Hande breit,

Und wenn man dies mein Bleiben

Soll recht und wohl beschreiben,

So ists ein Nichts und bleibet

Ein Stäublein, das zerstäubet.

Ach, wie so gar nichts wert

Sind Menschen auf der Erd,

Die doch so sicher leben

Und gar nicht Acht drauf geben,

Daß all ihr Tun und Glücke

Verschwind im Augenblicke.

Sie gehen in der Welt

Und suchen Gut und Geld,

Der Schatten einen Schemen!

Und können nichts mitnehmen,

Wenn nach der Menschen Weise

Sie tun des Todes Reise.

Sie schlafen ohne Ruh,

Arbeiten immerzu,

Sind Tag und Nacht geflissen,

Und können doch nicht wissen,

Wer, wenn sie niederliegen,

Ihr Erbe werde kriegen.

Nun, Herr, wo soll ich hin?

Wer tröstet meinen Sinn?

Ich komm an deine Pforten,

Der du mit Werk und Worten

Erfreuest, die dich scheuen

Und dein allein sich freuen.

Wenn sich mein Feind erregt

Und mir viel Dampfs anlegt,

So will ich stille schweigen,

Mein Herz zur Ruhe neigen;

Du Richter aller Sachen,

Du kannst und wirsts wohl machen.

Wenn du dein Hand ausstreckst,

Des Menschen Herz erschreckst,

Wenn du die Sünd heimsuchest,

Den Sünder schiltst und fluchest:

So geht in einer Stunde

All Herrlichkeit zugrunde.

Der schönen Jugend Kranz,

Der roten Wangen Glanz

Wird wie ein Kleid verzehret,

So hier die Motten nähret.

Ach, wie gar nichts im Leben

Sind die auf Erden schweben!

Du aber, du mein Hort,

Du bleibest fort und fort

Mein Helfer, siehst mein Sehnen,

Mein Angst und heiße Tränen,

Erhörest meine Bitte,

Wenn ich mein Herz ausschütte.

Drum ruhet mein Gemüt

Allein auf deiner Güt;

Ich laß dein Herze sorgen,

Als deme nicht verborgen,

Wie meiner Feinde Tücke

Du treiben sollst zurücke.

Ich bin dein Knecht und Kind,

Dein Erb und Hausgesind,

Dein Pilgrim und dein Bürger,

Der, wenn der Menschenwürger

Mein Leben mir genommen,

Zu dir gewiß wird kommen.

Zur Welt muß ich hinaus,

Der Himmel ist mein Haus,

Da in den Engelscharen

Mein Eltern und Vorfahren,

Auch Schwestern, Freund und Brüder

Jetzt singen ihre Lieder.

Hie ist nur Qual und Pein,

Dort, dort wird Freude sein!

Dahin, wenn es dein Wille,

Ich fröhlich, sanft und stille

Aus diesen Jammerjahren

Zur Ruhe will abfahren.