Der arme Jakob

By Georg Herwegh

Written 1846-01-01 - 1846-01-01

Der alte Jakob starb heut nacht –

Da haben sie am frühen Morgen

Sechs Brettchen ihm zurechtgemacht

Und drin den Schatz geborgen.

Ein schmucklos Haus! Man gibt ins Grab

Dem Feldherrn doch den Feldherrndegen –

Warum nicht auch den Bettelstab

Auf diese Bahre legen?

Den Degen, den er treu geführt,

Der in die Scheide nie gekommen,

Bis ihn der letzte Schlag gerührt

Und von der Welt genommen.

Er war der Welt, sie seiner satt –

Zu zwölfen in der engen Stube! –

Weh' ihm ein überflüssig Blatt,

O Lenz, in seine Grube!

Als hätt' er Großes nie getan,

Ist rasch der Glückliche vergessen,

Kein Dichter stimmt ihm Psalmen an,

Kein Pfaffe liest ihm Messen.

Die Heller, die man in den Sand

Ihm warf aus schimmernden Karossen,

Sind alles, was vom Vaterland

Der arme Mann genossen.

Just die vom Himmel ihm geprahlt,

Sahn diese Erde zwiefach gerne:

So wird die Schuld ans Volk bezahlt

Mit Wechseln auf die Sterne.

Und kaum ist uns genug am Joch

Der Armut auf gekrümmten Rücken:

Man will der Knechtschaft Stempel noch

Ihr auf die Stirne drücken.

Schlaf wohl in deinem Sarkophag,

Drin sie dich ohne Hemd begraben:

Es wird kein Fürst am Jüngsten Tag

Noch reine Wäsche haben!