Der arme Wilhelm.

By Ludwig Christoph Heinrich Hölty

verlassene Wilhelm

Wünschte den Tod, und besuchte nicht mehr den

geflügelten Reigen,

Nicht das Ostergelag und das Fest der bemaleten

Eier,

Nicht den gaukelnden Tanz um die Osterflamme des

Hügels.

Einsam war er, und still wie das Grab, und glaubte

mit jedem

Tritt in die Erde zu sinken. Die Knaben und Mädchen

des Dorfes

Brachen Main, und schmückten das Haus und die

ländliche Diele,

Und begrüssten den heiligen Abend vor Pfingsten

mit Liedern.

Wilhelm floh das Gewühl der beglückten fröhlichen

Leute,

Wandelt' über den Gottesacker, und ging in die

Kirche,

Nahm den Kranz der geliebten Braut von der Wand,

und kniete

An dem Altar, und barg das Gesicht in die Blumen

des Kranzes,

Flehte weinend zu Gott: O entnim mich der Erde,

mein Vater!

Ruf mich zu meiner Entschlummerten! Doch dein

Wille geschehe!

Lispelnd bebte das Gold und die Flitterblumen des

Kranzes,

Lieblich rauschten die flatternden Bänder, wie Blät-

ter im Winde,

Und ein fliegender Lichtglanz flog durch die Fenster

der Kirche.

Ruhiger wandelte Wilhelm nach Haus. Bald hörten

die Schwestern

Drauf die Todtenuhr in der Kammer pickern, und

sahen

Auf der Diele den Sarg, und den Pfarrer im Mantel

daneben;

Und das Leichhuhn schlug an die Kammerfenster,

und heulte.

Wenige Wochen, da starb der verlassene traurige

Wilhelm,

Und sein grünendes Grab ragt hart am Grabe des

Mädchens.