Der Auer-Ochs.

By Barthold Heinrich Brockes

Welch ein fürchterlich Geschöpf! Welche schreckende

Figur!

Welche Muskeln, welche Sehnen! Welche fremde Creatur!

Wie ein Erden-Behemoth scheinen seine Knochen Erz,

Seine Hörner wirklichs Eisen. Hat doch mancher kaum

das Herz

Jhn auf

Durch die fürchterliche Gleichheit hindert die verjüngte

Maasse

Kaum, daß wer es plötzlich sieht, fast nicht wünscht ent-

fernt zu stehn,

Und daß er, bey solchem Umstand, sicher für Gefahr sey, fasse.

Wie so rauch, verworren, gräßlich ist sein starker Kopf

behaart,

Es vermehrt sein wildes Ansehn sonderlich sein dicker

Baart.

Ein gesetzter Muht belebt ihn, ihm ist keine Furcht be-

kannt,

Er kennt seiner Hörner Kraft, wo er stehet, hält er Stand.

Ist nun das Original recht Bewundernswehrt, so scheinet

Die fast lebende Copie minder nicht Bewundernswehrt,

Weil in ihr der Menschen Geist sich mit der Natur vereinet.

Unser Schöpfer wird in beyden, durch vernünftigs Sehn,

geehrt.