Der Auer-Ochs und der Tieger.

By Barthold Heinrich Brockes

Hier zeigt sich die Gerechtigkeit, hier wird die Grau-

samkeit gestraft,

Und manch verschlungnes Thier gerochen. Der Auer,

der halb tugendhaft,

Nie, als bis er gereizt, verletzet, bringt mit nicht unge-

rechtem Grimm,

Durch Vorsicht, Tapferkeit und Stärke, den mordbegier’-

gen Gegner üm.

Er drückt die fast gestählten Hörner dem Tieger in die

Därmer ein;

Man hört sein Angst-Geschrey mit Lust, und sieht mit

Anmuht seine Pein.

Man merkt an seiner schwehren Bratzen sich ängstlich-

spreizendem Gewühle,

Auch an dem finstern Feu’r im Aug’, daß er sein nahes

Sterben fühle.

Sein reger schnell-gedreh’ter Schweif wird bald erstarren

und sich strecken,

Und ein von seiner Mörder-Seele verlaßnes starres Aas

entdecken.

Des starken Siegers stramme Sehnen, die er erzürnt zu-

sammen rafft,

Belebt von regen Nerven-Geistern, giebt allen seinen

Muskeln Kraft.

Man sieht, wie hier des Schauers Blick sich an der Grau-

samkeit vergnüge;

Wir sind dem Auer-Ochsen gut, und nehmen Theil an

seinem Siege.