Der Auerochs.

By Barthold Heinrich Brockes

Ob wir gleich von Ochs- und Kühen etwas schon ge-

meldet haben;

Scheint der Auer doch besonders unserer Erwähnung werth,

Als worinn, obgleich er wild, mancher Nutzen uns beschert.

Mit bewundrungswerther Größe wollt’ ihn die Natur be-

gaben

Und mit ungemeiner Stärke. Es geht fast kein ander

Thier,

Außer einem Elephanten, ihm an Stärk’ und Kräften für

Zwischen seiner starken Hörner mehr als eisenharten Spitzen

Können zwey ja gar drey Männer füglich bey einander

sitzen.

Um den festen Unterkiefern ist er fürchterlich behaart.

Jhm giebt ein verwildert Ansehn sein verworrner

schwarzer Bart.

Auf desselben rauhen Stirne wird ein Büschel Haar ge-

funden,

Welcher recht als Biesam riecht. Ob er nun gleich noch

so groß,

Und so stark, daß er auch Bäume stürzt mit einem einz’gen

Stoß;

Wird er doch von Menschenhänden oft getödtet, oft ge-

bunden,

Und sein Fleisch, das sonders niedlich, wird von uns

mit Lust verzehrt.

Ist demnach auch dieses Thier dankens- und bewun-

dernswerth.