Der Bach.

By Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Deine Lispel, o Bach; tanze der Horchenden

Silberblinkend vorüber;

Grünt, ihr Erlen des Ufers, ihr!

Dein Gemurmel, das leis' über die Kiesel hüpft,

Euer zitterndes Laub, duftende Freundinnen,

Giesst ein lindes Erbeben

Durch die Saiten der Seele mir.

Hier, auf schwellendem Moos, horch' ich der Nachtigall,

Die hier liebender klagt, horch' ich dem Schilfgeräusch,

Und dem Plätschern des Aales,

Der im Schatten der Erle schwebt.

Und ein magischer Hain säuselt um mich empor,

Eine Hütte darin winkt mir, mit Wein umrankt,

Und ein freundliches Mädchen

Hüpft durch Blumen, und lächelt mir.

Von des sinkenden Tags Golde geröthet, säumt

Hinter Rosen sie her, eilet, und küsst mich sanft;

Fleucht, und lächelt, und birgt sich

Wieder hinter den Blütenbusch.

Weil'! ich fliege dir nach! Warum entflohest du?

Plözlich lispelt der Strauch; Himmel! sie bebt hervor,

Und es schüttelt der Strauch ihr

Einen Regen von Blüten nach.