Der bewehrte Schulmann Bey Beerdigung Hn. C. N. des G. zu St. M. M. C. den 27. A...

By Heinrich Mühlpfort

Mein Lehrer gehst du auch nun Lebens-satt zu Grabe

Der meine Kindheit hat mit Musen-Milch ge-

Ich seufftze daß ich nicht was Geister-reiches habe:

Es solte deinem Sarch aus Liebe seyn geschenckt

Du wohlbewehrter Mann der in dem schweren Stande

Ein ander Hercules viel Ungeheur bekämpfft;

Gibst nun die Seele GOtt den welcken Leib dem Sande

Und hast des Teuffels List den Hohn der Welt gedämpfft.

Es heist die Danckbarkeit mich dir ein Denckmahl bauen;

Denn treuer Lehrer Fleiß verdient den höchsten Danck.

Dein Bildnüß kan ich nicht in Ertzt und Marmel hauen;

Es fehlt mir an der Kunst und meine Faust ist kranck.

Zu dem was helffen auch dergleichen Ehren-Säulen

Die zwar vom Lob’ erfüllt von Wahrheit aber bloß?

Genung daß unsre Stadt dir kan den Ruhm ertheilen

Wie du ihr junges Volck geführt zu Pindus Schloß.

Diß ist ein wichtig Ampt dem meuschlichen Geschlechte

Hoch nützbar und ein Grund vollkommner Policey.

Wo gute Schulen sind da wachsen Künst und Rechte;

Da blüht gemeines Heil und stirbt die Barbarey.

Die Nutzen nicht allein die Purpur hält umbgeben

Und die der Ehren-Liecht auff hohen Stuffen führt.

Die bey Regierungen und Staats-Geschäfften leben

Und derer Namen stets ein langer Titel ziert.

Nein: Wer die Jugend weiß zur Tugend anzuweisen

Von Lastern abzuziehn bey der verkehrten Welt:

Lehrt wie Gerechtigkeit wie Gottesfurcht zu preisen

Und wie die Weißheit sey weit köstlicher als Geld.

Und welch ein edel Schatz verbleib ein rein Gewissen

Das bey der letzten Fahrt den Tod versüssen kan.

Dem wird man ja mit Recht das Zeugnüß geben müssen

Er sey für aller Welt ein Ehrenwehrter Mann.

Gesetzt daß auch solch Ampt nicht in die Augen strahlet

Als wenn ein Cicero das gantze Rom bewegt.

Und daß die saure Müh nie wird so theur bezahlet

Als dem der über Meer uns frembdes Gut zuträgt.

So ist die Tugend doch ihr eigner Glantz und Krone

Wie groß die Finsternüß: Sie dringt durch Wolck uñ Nacht.

Zu dem sagt GOttes Mund von einem grossen Lohne

Der Reichthum Schätz und Geld zu Spott und Schanden

Es blendet uns der Schein der euserlichen Dinge

Wir sehn das wahre Gut mit halben Augen an.

Und was die Tugend lehrt das achten wir geringe

Vertiefft im Dünckelwitz bethört durch falschen Wahn.

Du selger N

Von keiner Herrligkeit noch stoltzer Pracht geziert;

So bist du doch in dem dergleichen Meister worden

Der tausend Seelen hat dem Himmel zugeführt.

Du hast die Gottesfurcht den untergebnen Knaben

In unverruckter Treu ersprießlich beygebracht;

Und wustest daß die offt ein schlechtes Zeugnüß haben

Die man zwar für gelehrt doch nie für fromm geacht.

Denn war dein eintzig Fleiß den Grund recht wol zu legen.

Wenn Schülern der gebricht so säen sie in Sand.

Der Seegen kam darzu du brachtest diß zuwegen

Daß zarten Kindern auch war gut Latein bekandt.

Es wird ein Thraso wol ob diesem Lobspruch lachen:

Doch wo bey erster Zucht wir hier saumseelig seyn

So dürffen wir uns denn kein andre Rechnung machen;

Der Fehler stellt sich auch im Ampt und Alter ein.

Denn bist du von der Bahn des Lehrens nie gewichen

Du hast die Tugenden den Hertzen eingeprägt

Und stets mit Ruhm belohnt: die Fehler ausgestrichen

Zum guten Beyspiel stets die Knaben angeregt.

Jhr Fleiß war dein Triumff die Freud’ im wolgerathen

Viel grösser als wenn Rom die Bürger-Meister macht.

So freut der Gärtner sich wenn seine junge Schnaten

Ein fruchtbar Sonnenschein zum Wachsthum aufgebracht.

Und sol ich die Gedult bey dieser Müh erwegen

Wie redlich hast du nicht du werther Greiß getaurt!

Es hieß

Wenn ihr verstockter Sinn mit Boßheit stund verm aurt.

Ja neun und dreyssig Jahr in solchem Zirckel lauffen

Ist ein weit schwerer Werck als ein Olympisch Spiel.

Es bringe Griechenland sein Rennen gantz zu hauffen

Sein Schweiß sein Staub und Müh sind nichts für diesem

Der arge Neid weiß sonst dies’ Arbeit stets zu tadeln

Die er aus Zärtligkeit doch nicht verrichten kan.

Hingegen wil GOtt so das Ampt und Lehrer adeln

Daß sie sind Sternen gleich mit Klarheit angethan.

Du Seelger Lehrer du den Creutz und Noth bewehret

Schlaff in der Erden-Schoß du hast genung gewacht.

Du fühlst nicht mehr den Schmertz der deinen Leib verzehret

Du sihst nicht mehr die Angst so dir offt heiß gemacht.

Dein Leben schien wol recht ein Meer voll Bitterkeiten

Als in des Wassers-Fluth der ältste Sohn ertranck

Den andern kurtz hernach der Tod dich hieß begleiten:

Wer sah nicht wie dein Geist im trauren da versanck!

Und was erwehn ich viel die Jammer-vollen Fälle?

Ich schätze dich beglückt der du hast obgesigt

Dein Schulen-Ampt vertauscht mit einer bessern Stelle

Und Trübsal Angst und Noth zugleich begraben ligt.

Kein Tagelöhner kan so nach dem Abend ruffen

Da seiner Arbeits Last gewünschtes Ende nimmt

Als du von deinem GOtt mit beten seufftzen hoffen

Dein Stündlein hast begehrt so über dich bestimmt.

Du bist wie Simeon in Frieden hingefahren

Von Kräfften abgeschwächt des sauren Lebens satt;

Nun schweben umb dich rumb der Cherubinen Schaaren

Da deine Herrligkeit kein Ziel noch Ende hat.

Mein Lehrer ich wil nicht dein ruhig Grab entweyhen

Und schreibe weit entfernt von aller Heucheley:

Mir wird gemeine Stadt den Beyfall gern verleyhen

Daß so ein Schulen-Mann ein edles Kleinod sey.