Der bey dem hoch-adel. leich-begängniß tit. Herrn Niclas von Mohl auf Mühl- Rädl...
Jhr, die ihr saud vor gold, und schaum vor perlen acht,
Die ihr auf glas und eiß der wohlfarth pfeiler setzet,
Und euren eitlen ruhm in ertz und marmor ätzet,
Kommt hier zu dieser grufft, holt licht bey dieser nacht!
Werfft eure larven ab, die voller schwindel stecken,
Die ein gefirnster wahn um eure schläfe hüllt!
Hier ist ein richter-platz, wo kein verstellen gilt,
Ein spiegel, der euch nichts von flecken wird verdecken,
Da jedermann sein bild in fremder asche sieht.
Der lehrer ist der tod; sein stuhl die leichen-bahre;
Indem er groß und klein auf seinen schau-platz zieht,
So rufft er nur so viel: O eitle lebens-jahre!
Wie seelig war die zeit, da man auf grünes gras
Ein schatticht lauber-zelt von ulmen-bäumen setzte,
Und eine wand von holtz vor feste mauren schätzte,
Da man mit guter ruh in schlechten hütten saß!
Allein, wie ändert sich das wesen unsrer zeiten?
Wenn schlösser in der lufft, im wasser thürme stehn:
Wenn die palläste sich dem himmel gleich erhöhn:
Und neue riesen stets mit denen göttern streiten.
Man bricht der erden schacht, der felsen abgrund auf:
Der wald muß cedern-holtz, die fluthen perlen geben:
Man pflantzet berge fort, und hemmt der wellen lauff:
Man baut, als wolte man gantz ohne sterben leben.
Wo stieg die vorwelt nicht mit ihrem vorwitz hin?
Wenn Babels finger will biß an die wolcken reichen,
So muß ein stoltzer thurm dem höchsten berge gleichen:
Dort rühmt Mausolus grab die grosse meisterin:
Dort muß ein schilfficht grund Dianens tempel tragen:
Wenn sich der Cyrus sonst in göldne wände schliest,
Und um des Nilus strand ein berg ein grabmahl ist.
Des Hammons götzen-bild läst wunder von sich sagen:
Ein prächtiger Coloß macht Nhodis ufer werth;
Allein! wo sind sie nun mit ihrem pracht geblieben?
Die zeit hat sie verstört, der wurm hat sie verzehrt,
Und ihr gedächtniß ist kaum in den sand geschrieben.
Melaus mag sein haus von helffenbeine baun,
Die nach-welt wird es doch als eine fabel lesen:
Wer ist Atpalipa, und wo sein sitz gewesen,
Der aus saphiere ließ des bodens pflaster haun?
Fragt nach des Scaurus burg, die voller muschel-früchte!
Sucht das erystallne schloß, darinne Drusus saß!
Der sturm frist ertz wie holtz, bricht steine wie das glas:
Das rauhe schicksal macht porphir und gold zu nichte:
Die zeit sieht solchen schmuck mit scheelen augen an:
Sie sucht den gräbern selbst ein grabmahl zu bereiten:
Sie macht den schönsten bau zu einem aschen-plan,
Und gräbt den titul drauf: Hier liegen eitelkeiten:
Gebt Persien den ruhm, daß es die kunst gebahr,
Des nahmens ewigkeit in stein und kalck zu prägen!
Last Syrien den grund zur wunder-säulen legen,
Und sagt, daß Griechenland im bauen meister war:
Erhebet Rom mit ruhm, die mutter der paläste,
Und nennet diese stadt der städte wunder-werck:
Entwerfft das Vatican, rühmt des Quirinus berg,
Das grosse Capitol und Alexanders veste:
Sagt, was Farnesius und was Colonn gebaut,
Auch was sich prächtiges von dem Borghesi schreibet!
Doch wenn ihr alles diß entsetzlich angeschaut,
So findet ihr doch nichts, was immer etwas bleibet.
Geht weiter in die welt! seht, was Europa hat!
Wie sich Jberien mit Philipps kloster zieret:
Und wie Versailles der liljen scepter führet!
Vergesset nicht den Haag, das dorff trotz einer stadt!
Last euch das Witehall, das haus von Ryßwick zeigen:
Beschauet das Serrail, wo Gog und Magog sitzt:
Seht, wo der printzen printz sich auf die fürsten stützt,
Und wo paläste sich vor unsern adler neigen:
Bewundert Brennus bau, den hand und klugheit schmückt:
Fragt jegliche provintz, wodurch sie kenntlich werde!
Doch sagt mir, ob ihr auch was ewiges erblickt?
Mich deucht, die antwort fällt: Die erde trägt nur erde.
Drum schliest die augen auf, ihr bürger dieser welt!
Erkennt des lebens traum, die schwindsucht dieser zeiten!
Last grosser fürsten fuß auf alabaster gleiten!
Der tod hemmt ihren gaug, der moder frist ihr zelt.
Und wenn ihr berg auf berg, thürm’ über thürme setzet;
So bleibt doch wirth und haus des wechsels unterthau.
Rom sah des Nero burg mit blassem eyfer an,
Bey dem rubin und gold vor scherbel nur geschätzet;
Nach Vejos, rieff das volck: Rom wird ein eintzig haus!
So wird auch neid und zeit der kühnen nach-welt lachen!
Ja beyde ruffen schon in allen grentzen aus:
Man will die gantze welt zu einem hause machen.
Wer saltz in seiner brust, witz im gehirne führt,
Der wird bey dieser grufft die sinnen nicht entfernen,
Und von den todten auch des lebens klugheit lernen.
Schaut, sterbliche! der sarg, den boy und kertze ziert,
Ist nun das letzte haus auf dieser morschen erden,
In welchem der von Mohl der glieder bau verschliest,
Seit dem die ewigkeit der seelen losung ist.
Jhm hat die späte welt viel müssen schuldig werden,
Weil er des landes trost, der kirchen auge war;
Doch wer den nachruhm will in wenig zeilen lesen,
Der schreibe nur soviel auf seinen denck-altar:
Sein gantzes leben ist ein rechter bau gewesen.
Gleichwie ein irrdisch stoff des Adams ursprung hieß;
So war sein lebens-bau zwar nur von schlechter erden,
Doch must er durch den geist zu einem tempel werden,
Daran die tugend selbst den zierath bauen ließ.
Wenn sonsten farb und gips die zimmer herrlich machen;
So sahe man bey ihm der ahnen vorbild stehn:
Es durffte hier kein gold das aussenwerck erhöhn,
Der sinnen schönster schmuck bestund in klugen sachen:
Er war des landes thurm, der auf die vorsicht stund:
Ein zeughaus voller witz, wo rath und that zu schauen:
Ein pfeiler vor dem fall, ein ungemeiner grund,
Darauf die wohlfarth ließ ihr leib-gedinge bauen.
Lernt, sterbliche! worinn der seelen bau besteht!
Sein bester grund-stein war gebet und GOttes güte,
Der kalck die einigkeit, der sand ein gut gemüthe,
Der eckstein die geduld und wahre pietät,
Die pfosten strich er an mit blute von dem lamme,
So offt des würgers geist bey ihm vorüber gieng:
Und daß sein schwaches haus niemahls den fall empfieng,
So untergrub er stets das holtz vom creutzes-stamme:
Auf seinen treppen stieg der engel auf und ab:
Sein bestes fenster war ein unverfälscht gewissen:
Wer auf sein christenthum in allen achtung gab,
Kunt’ aus dem hause leicht des wirthes adel schlüssen.
Nicht ehrsucht, nicht begier, auf erden groß zu seyn,
Bewog das graue haupt, im bauen sich zu üben;
Die liebe gegen GOtt hat ihn darzu getrieben:
Der unterthanen heyl gab ihm den vorsatz ein.
Hier steht des HErren haus, die steine mögen sagen,
Was Joas hier gebaut, was Eßra hier gethan:
Zeigt nicht der schöne thurm, als wie ein finger, an,
Wohin der theure geist stets seine lust getragen?
Das heist, was GOtt geschenckt, zu seinem dienste weyhn.
Wie seelig ist der bau, den solche hände führen!
Da drückt die ewigkeit des glaubens denck-spruch ein:
Den felsen soll auch nicht der höllen-pforte rühren.
Da Schlesien das schwerd an statt der sichel hielt,
Empfand Mühl-Rädlitz auch, was krieg und feinde waren;
Doch der hoch-seelige hat nach den eisern jahren,
Diß väterliche theil mit wohlfarth angefüllt.
Augustus hatte nur ein Rom von thon bekommen,
Und hinterließ es doch von marmel aufgericht;
Zwar steiget der von Mohl auf diese staffeln nicht:
Doch hat sein gut durch ihn so herrlich zugenommen,
Daß man sein lob mit recht in festen marmor gräbt,
Weil er, wie Joseph, offt das korn-haus aufgeschlossen,
Den seinen, nicht sich selbst, zur nutzbarkeit gelebt,
Und zwar des bauens-last, doch nicht die lust, genossen.
Ach! daß sein lebens-band den untergang gesehn!
Die zeit beschneyt mit moos unnütze pyramiden,
Und will der tugend selbst des todes fessel schmieden.
O schicksal voller schmertz! jedoch es muß geschehn!
Wie kan ein hoher geist in Kedars hütten bleiben,
Und in der sterblichkeit des Mesechs sclave seyn?
Die seele reist zuletzt des leibes kercker ein,
Und muß der glieder rest der erden einverleiben.
So gehe, theurer Mohl! geh in dein letztes haus!
Laß hier, was sterblich ist, in dieser kammer liegen!
Wir alle ruffen nach: Dein bauen ist zwar aus;
Dort aber wird den geist ein ewigs haus vergnügen.
Mich däucht, ich höre dich bey Salems lust-panier
Ein unaussprechlich lied im friedens-tempel singen,
Die seraphinen sinds, die deinen geist umringen:
Hier ist es gut zu seyn, das ist die wohnung hier,
Wo vor des lammes stuhl sich tausend knie beugen:
Die hütte, welche doch von keiner hand gebaut:
Der prächtige pallast, den noch kein blick geschaut:
Hier sind ‒ ‒ ‒ Allein, ich muß vor grossem wunder schweigen,
Weil ich der häuser haus doch nicht beschreiben kan,
Darinnen er itzund das bürger-recht genommen.
Betrübte! schauet diß nur in gedancken an!
Wohl dem, der nach dem bau, wie er, zum schauen kommen!
Komm, du verlaßnes gut! komm Brauchitschdorff herzu!
Giest eure schaalen aus bey dieser werthen leiche!
Wißt, daß ein grosser hier, ein vater hier erbleiche!
Doch gönnt ihm auch das loos der himmel-stillen ruh!
Erschüttert euer haus durch dieses falles beben,
Und muß ein kläglich ach! durch alle zimmer gehn?
Aus dieser asche wird ein Phönix auferstehn:
Was euch mit Mohlen stirbt, wird durch den Haugwitz leben:
Der segen ruht auf ihm. So müsse dann sein haus,
Wie Obed-Edoms seyn, zu lauter heyl erkohren!
Lebt der, und Mohl in ihm, so rufft ihr freudig aus:
Wir haben zwar sehr viel, jedoch auch nichts, verlohren.
Jhr aber, die ihr noch an dieser erden klebt,
Und immer jahr auf jahr in eurem wandel bauet,
Gedenckt, daß tod und zeit auf eure mühe schauet,
Und offt ein augenblick die hand im wercke hebt.
Soll euch die späte welt in euren wercken preisen;
So bauet GOtt zum ruhm, der welt zur nutzbarkeit,
Wie der von Mohl gethan, und macht euch stets bereit,
Aus der vergänglichkeit demselben nachzureisen!
Mein liebstes vaterland! GOtt stehe vor dem riß!
Er wolle dieses amt durch ein solch haupt bekleiden,
Das Josephs schaden sieht! Denn dieses ist gewiß:
Wenn Archymedes stirbt, muß Syracusa leiden.