Der Bienen und Wespenstreit eine Fabel.

By Johann Justus Ebeling

Ein Bienenschwarm und Wespen Hauffen,

Kam einst zum Wettstreit herge-

Es sprach der Wespen Nation,

Dem Bienen-Volke trozzig Hohn.

Jhr Bienen sprachen sie, ihr tadelt,

Die Wespen die euch gleich geadelt,

Was habt ihr woll zu eurer Ehr

Voraus, für einem Wespen-Heer?

Jhr seid bemüht herum zu fliegen,

Und darin finden wir vergnügen.

Jhr sauget eure Nahrung ein,

Aus wunderschönen Blümelein:

Und wir durchlöchern schöne Früchte,

Geniessen manches süß Gerichte.

Jhr habet Stacheln, die gewezt,

Womit ihr manche Haut verlezt:

Wir sind damit auch ausgerüstet,

Dies fühlen die, den es gelüstet,

Uns unsre Nester zu zerstöhrn,

Uns zu erstikken, zu verheern.

Sagt an, was könnt ihr mehr aufweisen

Warum ihr seid vielmehr zu preisen?

Die Bienen sprachen: O! wie weit,

Ist zwischen uns der Unterscheid,

Jhr müsset uns drum billig weichen,

Ob wir in äusern schon zu gleichen.

Es schadet zwar der Stachel Spiz

Den Menschen, doch wir sind auch nüz:

Wir schenken ihnen Süßigkeiten,

Da wir den Honig zubereiten;

Und was der Stachel Gifft verlezt,

Wird durch dem Honig-Bau ersezt:

Wir schwärmen in den holden Grünen,

Nicht uns, wie ihr, allein zu dienen.

Die Häuser, die ihr auferbaut,

Sind künstlich, wenn man sie anschaut:

Doch lange nicht mit unsern Zellen

Nach dem Verhältnis gleich zu stellen:

Das Wachs woraus wir sie formirt,

Gebildet, wunderbar geziert,

Ist brauchbar zu so vielen Sachen,

Die Menschen aus denselben machen.

Darum erlanget unser Fleis,

Für euch den wollverdienten Preis.