Der Brillen-Drehbuden- und Stech-Buch-Mann Cupido.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Meßieurs es war mit mir gantz auf die neige kommen

Die Pohlen hatten mir den vorrath abgenommen

Verboten mir das land da war mein handel aus

So daß ich wieder kam zu meinen Deutschen raus.

Ich zog im lande rum und hatte meine fratzen

Doch wenn ich ohngefehr mit einer wolte schwatzen

So krümmte sie das maul und sah mich finster an

Als hätt ich ihr viel leid und überlast gethan

Ich fing zu löflen an und war dahin beflissen

Ob ich durch höflichkeit und liebes hände-küssen

Die gunst erzwingen könt ich macht ihr treulich kund

Ich sey ihr selave knecht schulappe wasserhund

Doch alles war umsonst; ich dachte sie zu zwingen

Und wolte Cavaliers dem sauer-topfe bringen;

Doch stund kein stecken recht der war ihr gar zu alt

Und jener allzuklein der ander ungestalt

Die einfalt sähe dem leibhafftig aus den augen

Derwegen könt er nicht zu solchen sachen taugen

Der ginge wie ein artzt der hätt ein loch im hut

Der wäre gar ein narr es wär ihm keine gut

Ich ließ die jungfern stehn und ging zu junggesellen

In meinung daß sie sich weit anders würden stellen.

Da sperrt ich alsobald naß maul und ohren auf

Wie diese gleichfalls auch zum dicksten schmälten drauf.

Da must sich unter den bald die bald jene leiden

Die hätte keinen rock und könte sich nicht kleiden

Das wär ein alber ding die hätt ein bösen kopf

Denselben deckten zu die spitzen und der zopf.

Die sähe garstig aus die hätte gar den schneider

Und jenes gute ding das wäre nun auch leider

In etwas gar zu alt: Das waren ihre wort:

Da ward ich feuer-roth und eilte wieder fort.

Ich dachte was wird doch das werden unterdessen

Ich mus bey meiner kunst gar schmale bissen fressen

Das handwerck gieng nicht ab. Doch was die noth nicht kan!

Ich gab den handel auf und ward ein brillen-mann.

Ich möchte mich fast selbst zum butter-wecken lachen

Ich spickte meinen kram mit allen sieben sachen

Was nur fein närrisch war das kaufft ich immer ein

Und machte mich damit in die stadt Leipzig nein

Schnipscherchen beutelgen flöhfallen biesem-knöpfgen

Ohrlöffel becherchen und kleine kinder-töpfgen

Citronen und was mehr kamm spiegel fingerhut

Spiel-karten ringelchen und ander kaufmanns-gut

Das pflegt ich also nun hausieren rum zutragen

Wo liederliche Bursch vielleicht beysammen lagen

Und suchte nur profit doch ließ ichs zeitlich stehn

Aus ursach: dieser ort war leider böß zu gehn.

Es ist ein schöner ort von marckt und schönen gassen

Man geht sich läschicht bald hin und her auf den strassen.

Und sieht man immerfort nicht vor sich auf den weg

So stolpert man alsbald und fällt wohl gar in dreck.

Ich hatte sonsten auch noch auf ein kleines gäßgen

Da mir es närrisch gieng ein halb verdecktes häßgen

Drum mocht ich länget nicht hausieren rümmer gehn

Und ließ das plunderwerck und lumpen-handel stehn.

Ich schlug drehbuden auf ich ließ ins geldbuch stechen

Und auf dem eisen drehn da kamen aus den zechen

Die bauer-knechte raus und satzten bey mir an

Ich schrie auch weidlich aus: wer wagts? wie: weiter dran.

Indessen kömmt zu mit ein Schäfer auch getreten

Nun sah ich alsobald daß er nicht wolte beten

Und hielt ihm für das buch da stach er tapffer drein

Es traf ihm aber erst nicht nach belieben ein.

Die pfennge giengen weg er aber stach darneben

Ich sagte besser dran es wird sich alles geben

Da ich kaum ausgeredt so sticht er auf ein blat

Das ein schön jungfer-bild gemahlet in sich hat.

Da drang er auf mich los ich wolt es zwar verblettern

Er aber ließ nicht ab und sprach: ihr schlimmen vettern

Teuscht ihr die leute so ich nehme sonst nichts an

Und solt ich setzen auch mein haab und haare dran.

Drauf must ich endlich doch zur zahlung mich verstehen

Und mit ihm auf begehr zu feinen mädgen gehen

Indem ich noch so steh und siun in etwas drauf

Macht gleich ein jungfer-bild das stuben-fenster auf.

Das war mir alsobald umb so viel desto lieber

Denn meine bude stund dem hause gegen über.

Ich sprach sie freundlich an wie meine güte pflegt

Wenn sie ein irdisch hertz in liebes-wahn bewegt

Als ich den ersten pfeil nun auf sie zugeschossen

So kannte sie mein wort und merckte solche possen

Sprach auch gar willig ja und lenckte ihren sinn

Auf mein begehren drauf zu ihren schäfer hin.

Doch setzt ich das darzu: Er solt es niemand sagen;

Daß er auf einen stich die jungfer weg getragen

Sonst würd ich ander ding nicht einmahl werden loß

Und wär um meinen kram der auflauf gar zu groß.

Nun immer frisch heran? Wer will noch weiter wagen?

Kommt stechet in das buch so könt ihr davon tragen

Was mehr von solcher art in meinem krahme steht

Sa! immer frisch gewagt eh noch der marck vergeht.