Der Brillen-Drehbuden- und Stech-Buch-Mann Cupido.
Meßieurs es war mit mir gantz auf die neige kommen
Die Pohlen hatten mir den vorrath abgenommen
Verboten mir das land da war mein handel aus
So daß ich wieder kam zu meinen Deutschen raus.
Ich zog im lande rum und hatte meine fratzen
Doch wenn ich ohngefehr mit einer wolte schwatzen
So krümmte sie das maul und sah mich finster an
Als hätt ich ihr viel leid und überlast gethan
Ich fing zu löflen an und war dahin beflissen
Ob ich durch höflichkeit und liebes hände-küssen
Die gunst erzwingen könt ich macht ihr treulich kund
Ich sey ihr selave knecht schulappe wasserhund
Doch alles war umsonst; ich dachte sie zu zwingen
Und wolte Cavaliers dem sauer-topfe bringen;
Doch stund kein stecken recht der war ihr gar zu alt
Und jener allzuklein der ander ungestalt
Die einfalt sähe dem leibhafftig aus den augen
Derwegen könt er nicht zu solchen sachen taugen
Der ginge wie ein artzt der hätt ein loch im hut
Der wäre gar ein narr es wär ihm keine gut
Ich ließ die jungfern stehn und ging zu junggesellen
In meinung daß sie sich weit anders würden stellen.
Da sperrt ich alsobald naß maul und ohren auf
Wie diese gleichfalls auch zum dicksten schmälten drauf.
Da must sich unter den bald die bald jene leiden
Die hätte keinen rock und könte sich nicht kleiden
Das wär ein alber ding die hätt ein bösen kopf
Denselben deckten zu die spitzen und der zopf.
Die sähe garstig aus die hätte gar den schneider
Und jenes gute ding das wäre nun auch leider
In etwas gar zu alt: Das waren ihre wort:
Da ward ich feuer-roth und eilte wieder fort.
Ich dachte was wird doch das werden unterdessen
Ich mus bey meiner kunst gar schmale bissen fressen
Das handwerck gieng nicht ab. Doch was die noth nicht kan!
Ich gab den handel auf und ward ein brillen-mann.
Ich möchte mich fast selbst zum butter-wecken lachen
Ich spickte meinen kram mit allen sieben sachen
Was nur fein närrisch war das kaufft ich immer ein
Und machte mich damit in die stadt Leipzig nein
Schnipscherchen beutelgen flöhfallen biesem-knöpfgen
Ohrlöffel becherchen und kleine kinder-töpfgen
Citronen und was mehr kamm spiegel fingerhut
Spiel-karten ringelchen und ander kaufmanns-gut
Das pflegt ich also nun hausieren rum zutragen
Wo liederliche Bursch vielleicht beysammen lagen
Und suchte nur profit doch ließ ichs zeitlich stehn
Aus ursach: dieser ort war leider böß zu gehn.
Es ist ein schöner ort von marckt und schönen gassen
Man geht sich läschicht bald hin und her auf den strassen.
Und sieht man immerfort nicht vor sich auf den weg
So stolpert man alsbald und fällt wohl gar in dreck.
Ich hatte sonsten auch noch auf ein kleines gäßgen
Da mir es närrisch gieng ein halb verdecktes häßgen
Drum mocht ich länget nicht hausieren rümmer gehn
Und ließ das plunderwerck und lumpen-handel stehn.
Ich schlug drehbuden auf ich ließ ins geldbuch stechen
Und auf dem eisen drehn da kamen aus den zechen
Die bauer-knechte raus und satzten bey mir an
Ich schrie auch weidlich aus: wer wagts? wie: weiter dran.
Indessen kömmt zu mit ein Schäfer auch getreten
Nun sah ich alsobald daß er nicht wolte beten
Und hielt ihm für das buch da stach er tapffer drein
Es traf ihm aber erst nicht nach belieben ein.
Die pfennge giengen weg er aber stach darneben
Ich sagte besser dran es wird sich alles geben
Da ich kaum ausgeredt so sticht er auf ein blat
Das ein schön jungfer-bild gemahlet in sich hat.
Da drang er auf mich los ich wolt es zwar verblettern
Er aber ließ nicht ab und sprach: ihr schlimmen vettern
Teuscht ihr die leute so ich nehme sonst nichts an
Und solt ich setzen auch mein haab und haare dran.
Drauf must ich endlich doch zur zahlung mich verstehen
Und mit ihm auf begehr zu feinen mädgen gehen
Indem ich noch so steh und siun in etwas drauf
Macht gleich ein jungfer-bild das stuben-fenster auf.
Das war mir alsobald umb so viel desto lieber
Denn meine bude stund dem hause gegen über.
Ich sprach sie freundlich an wie meine güte pflegt
Wenn sie ein irdisch hertz in liebes-wahn bewegt
Als ich den ersten pfeil nun auf sie zugeschossen
So kannte sie mein wort und merckte solche possen
Sprach auch gar willig ja und lenckte ihren sinn
Auf mein begehren drauf zu ihren schäfer hin.
Doch setzt ich das darzu: Er solt es niemand sagen;
Daß er auf einen stich die jungfer weg getragen
Sonst würd ich ander ding nicht einmahl werden loß
Und wär um meinen kram der auflauf gar zu groß.
Nun immer frisch heran? Wer will noch weiter wagen?
Kommt stechet in das buch so könt ihr davon tragen
Was mehr von solcher art in meinem krahme steht
Sa! immer frisch gewagt eh noch der marck vergeht.