Der Corporalstock.

By August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Von einem Helden will ich singen

Der einst die ganze Welt bezwang:

So konnt' es keinem noch gelingen,

So glorreich wie es ihm gelang.

Obschon im Waldesgrün geboren

Bei Amselschlag und Frühlingswehn,

So war er doch dazu erkoren,

Mit Herren Hand in Hand zu gehn.

Er ward gewiegt von Fürstenhänden,

Zopf und Kamasche pflegten sein;

Sie mussten viele Zeit verwenden

Zu seinem Wachsthum und Gedeihn.

Dann gab man ihn noch in die Lehre

Zu einem braven Corporal,

Da ward er voller Zucht und Ehre,

Wie Leder zäh, und hart wie Stahl.

Er bracht' es nun in wenig Tagen

Zu solcher hohen Trefflichkeit,

Daß Staunen, Schrecken, Angst und Zagen

Ergriff die ganze Christenheit.

Er ward bekannt in allen Landen

Wo nur was Großes je geschah,

Und ganze Regimenter standen

Vor ihm wie Leichen lautlos da.

O weh, er ist nun Staub und Asche,

O weh, o weh, er ist nicht mehr!

Dahin ist Zopf, dahin Kamasche!

Dahin sein ganzes großes Heer!

Kein Denkmal ist von ihm geblieben,

Doch war in jener guten Zeit

Auf jedem Rücken eingeschrieben

Sein Ruhm und seine Tapferkeit.

Uns aber liess er zum Vermächtniß

Den alten Corporal zurück,

Der ruft uns allen ins Gedächtniß

Mitunter noch das alte Glück.

Wir aber sind zu dumm geworden

Für jene alte gute Zeit;

Sie sei im Süden, sei im Norden,

Nur bleibe sie von uns recht weit!

Auch Millionen werden flehen,

Wenn Gott der Herr sitzt zu Gericht:

Laß alle Helden auferstehen,

Nur diesen, diesen einen nicht —