Der eitle Gottesdienst.

By Johann Justus Ebeling

Mensch! wilt du GOttes Diener heissen,

Der sich bemühet ihn zu ehren;

So must du dich im Ernst befleissen,

Dein Herz zu ihm hinauf zu kehren.

Der Lippen äuserlich Bewegen,

Der Zungen lallendes Gethön,

Gestimmet nach den Glokken-Schlägen,

Läßt nur die äusre Andacht sehn.

Wilt du ein rechtes Opfer bringen,

Das durch die Andacht angeglüht,

So sey dabei vor allen Dingen,

Um ein gereinigt Herz bemüht.

Wo Weirauch des Gebetes glimmet,

Dabei das Herz vor Kälte friert,

Und wo der Mund ein Lied anstimmet,

Das nicht des Glaubens Kraft gebiehrt,

Da kanst du deinen

Du sündigest dadurch vielmehr

Und schändest durch verstellte Mienen,

Des grossen Schöpfers heilge Ehr.

Des Höchsten ewge Gnade suchen,

Um seine Huld erbärmlich schrein,

Den Nächsten wie ein Greul verfluchen,

Stimmt nicht mit dem Verlangen ein.

Den Höchsten mit dem Lippen ehren,

Wenn man in seinem Hause steht,

Und ihm hernach den Rükken kehren,

Wenn man aus seinem Tempel geht,

Das heist ihn ehren mit den Händen,

Hingegen mit dem Herz, der That

In seiner eignen Hütte schänden.

Wer seinem

Weil es die Mode mit sich bringet,

Und wer in seinem Heiligthum,

Mit Seufzen blutge Hände ringet,

Verdienet auch sehr schlechten Ruhm.

Die Einfalt meint ein blosses Lallen,

Das seufzend geht, und kläglich klingt,

Das könn dem Höchsten wollgefallen,

Das sey ein Dienst der Seegen bringt.

Sie glaubt wer in dem Tempel gehet,

Jm heilgen Schlummer sich darstellt,

Vom Anfang bis zum Ende stehet,

Das sey ein Dienst der

Betrogne Menschen! lernt erkennen,

Das alles sey nur eitler Tand,

Und noch kein Gottesdienst zu nennen,

Wenn man sizt an der heilgen Wand.

Wenn unbeweglich stille sizen,

Ein Gottesdienst zu nennen wär,

Wenns äusre ohne Herz könn nüzen,

Und daß des Allerhöchsten Ehr,

Befördert würde, durch das Eilen

Zu seines heilgen Nahmens Haus;

So würden todte Bildersäulen

(denn diese kommen nie heraus)

Mit ihren wollgeschnizten Mienen,

Den Höchsten mehr, als ihr verehrn,

Und ihm vielmehr als Menschen dienen,

Weil die dem Schein nach auch zuhörn;

Ob sie gleich nichts davon empfinden,

Was in dem Tempel wird gethan.

Was hilft es wenn wir immer stünden,

Und hörten einen Lehrer an?

Wenn wir nicht in dem heilgen Leben

Des Wortes Wirkung, dessen Kraft,

Die Früchte unsers Glaubens geben;

So hat es keine Frucht geschaft.

Und diente man

Durch einen äuserlichen Thon.

So hätt der Orgeln helles Klingen,

Jm Dienst euch überwunden schon.

Die überstimmt mit ihren Röhren,

Mit ihren Baß, Posaunen-Klang,

Wenn wir sie in der Kirche hören,

Der Kehlen hellesten Gesang.

Drum Menschen lernet besser denken,

Den Schöpfer seine Zunge leihn,

Das Herze auf das Eitle lenken,

Ist nichts, als nur ein heilger Schein.

Jacobus sagt wer

Mit seinen Lippen blos allein,

Und sich nicht von der Welt abkehret,

Des Gottesdienst muß eitel seyn.

Wer seinen Schöpfer will gefallen,

Der diene ihm vom Herzengrund,

Und mache durch der Zungen Lallen,

Die Regung seines Herzens kund;

Der lebe nach des Höchsten Willen,

Und suche seine Christenpflicht,

In wahren Glauben zu erfüllen,

Sonst achtet

Der bringe seine heilge Flammen,

Nach löblich christlichen Gebrauch,

Wenn sie aus wahren Herzen stammen,

In einen heilgen Tempel auch,

Der diene

Weil er der Seelen Innres sieht,

Der bete öffentlich, alleine

Und sey in seinem Dienst bemüht;

Der suche auch der Liebe Pflichten,

Dem Nächsten, das ist jederman,

Mit Redligkeit stets zu entrichten,

Wie, wo und wenn er immer kan.

Wer also lebt, und

In Mienen, Worten und der That,

Der ist, wie uns die Schrift selbst lehret,

Ein Mensch der