Der Esel.

By Barthold Heinrich Brockes

Auch der Esel, ob man ihn sonder Ursach oft verach-

tet,

Ist, wenn man sein ganzes Wesen ohne Vorurtheil be-

trachtet,

Ein besonders nützlichs Thier. Ist sein Geist gleich dumm

und träge,

Läßt er sich gleich zu der Arbeit selten leiten, als durch

Schläge;

Ist er dennoch sehr geduldig, dauerhaft, und stark da-

bey,

Große Lasten wegzutragen: daß auch in der Arzeney

Dieses Thieres Milch besonders von dem stärksten Nutzen

sey;

Zeiget die Erfahrung täglich. Womit man ihn hält und

nährt,

Ist von so geringen Kosten, daß sein Futter fast nichts

werth:

Dorn und Diesteln, Stroh und Spreu, was so Pferd

als Rindvieh liegen,

Fallen lassen und zertreten, frißt der Esel mit Vergnü-

gen.

Außer daß er Lasten trägt, brauchet man ihn auch zum

Pflügen,

Karrenziehen und zum Egen. Seine Milch dient nicht

allein

In der Schwindsucht, auch zur Gicht und zum Poda-

gra; sie heilet

Innere Entzündungen, sie soll gar vortrefflich seyn,

Eine schöne Haut zu machen, sie ergänzet und ertheilet