Der Feuerstein

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Die Kreid' an Jasmunds Küste

Ist nicht so weich und weiß,

Wie deine Haut, o Mädchen,

Du aller Mädchen Preis.

Und deine Wangen glühen,

Wie wenn der Morgenschein

Mit seinen rothen Strahlen

Bemahlt den bleichen Stein.

Es lag an Jasmunds Küste

Ein schönes Kreidestück.

Ich nahm's in meinen Nachen

Und ruderte zurück.

Und als ich kam nach Hause

Und sah die Ladung an,

Da dacht' ich dein, o Mädchen,

Und war ein froher Mann.

Ich wollt's bei Seite legen,

Da brach's in meiner Hand.

Ei Gott behüt', o Mädchen!

Hält so die Liebe Stand?

Und in der weißen Schale

Da lag ein Feuerstein,

Ein scharfer, harter, schwarzer –

Das soll kein Herz doch sein?

Die bösen Zungen sagen

Dir vieles Böse nach,

Drum frag' ich keine Seele,

Was das bedeuten mag.

Und sperr' ich bösen Zungen

Die Ohren und das Haus,

Will ich den Stein auch werfen

Zum Fenster gleich hinaus.