[Der frühe Morgen zeiget sich]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Der frühe Morgen zeiget sich

Auff meine Seel und finde dich

Zu Jesu Grab und Füssen wieder!

Hier legte man vons Creutzes Stamm

Am Freytag deinen Bräutigam

Zur stillen Todten-Ruhe nieder.

Was fürchtestu den schweren Stein

Der dir im Wege möchte seyn

Des Herren blassen Mund zu küssen:

Er ist durch unbekandte Macht

Bereits von seiner Stätte bracht

Und kan das Grab nicht mehr verschliessen.

Nun meine Seele du bist hier

Doch fällt ein neuer Kummer für

Wer weiß dich dessen zu entbinden?

Begieb dich in diß Todten-Hauß

Such alle Winkel drinnen aus:

Dein Jesus ist hier nicht zu finden.

Er ward in Tücher eingehüllt

Mit Myrrh und Aloe gefüllt

Der gantze Cörper war umwunden.

Hier zeiget sich des Lagers Platz

Wo aber ist der beste Schatz

Der theure Heyland hin verschwunden?

Wer ist der mich berichten kan

Wo man den Herren hingethan

Den meine Seele sucht und liebet?

Find ich des Hertzens Trost und Licht

Das Leben meiner Seele nicht

So bin ich biß in Tod betrübet.

Was aber such ich den der lebt

Wo man die todte Schaar begräbt?

Mein Jesus ist ja aufferstanden.

Was scheu ich nunmehr Tod und Grab

Nachdem ich die Gewißheit hab

Mein Aufferwecker ist verhanden!

Ich seh ihn schon von ferne stehn

Und mir mit Trost entgegen gehn

In angenommnem Gärtner-Kleide

Damit ich fortan sicher weiß

Daß mich vom frohen Paradeiß

Und ihm nicht Tod nicht Hölle scheide!