Der Frühling im Winter Bey Hn. H. C. G. u. J. A. J. K. Hochzeit dargestellet den...

By Heinrich Mühlpfort

Wje spielet auch im Schnee die gütige Natur

Und zeigt sie Lilien aus den gerollten Ballen?

Ist denn Adonis Blut auff kaltes Eiß gefallen

Entsprost die

So muß der Götter Rath was sonderbahres handeln

Und in des Frühlings Lust des Winters Frost verwandeln.

Hört was Cupido nur nach neulich hat gethan

Als Venus und ihr Volck der Schlittenfarth genossen

Hat sie den kleinen Schalck ins Cabinett geschlossen

Und daß ihn Müssiggang nicht wo verleiten kan

Legt sie ihm Arbeit auff zu der er sich sol schicken

Und ein gewisses Theil von Schwanen-Federn pflücken.

Der Gast dem Spiel und Schertz ein süsses Handwerck war

Und dessen Zeit-vertreib bey schönem Frauenzimmer

Ergrimmte bey sich selbst und sprach diß thu ich nimmer

Verschleust der Winter mir denn meine Freuden gar

Die Mutter lebt in Lust ich sol in Einsamkeiten

Diß was sonst Nymsen thun mit meiner Hand bereiten.

Er geht drauff hin und her er sucht bald diß bald das

Biß daß er ohngefehr zu einem Schrancken kommen

Da er in langer Reyh viel Gläser wahrgenommen

Er siht den Vorath an und denckt welch einen Spaß

Läst mir der Himmel zu trotz aller Winter Wettern

Ich wil als Venus selbst mich heute mehr vergöttern.

Kaum hat er ein Gefäß in etwas auffgemacht

Das ausgehölet war von reinesten Crystallen

Als so ein starck Geruch den Fürwitz angefallen

Daß er als wie entzückt springt singet tantzt und lacht

Ja noch begieriger aus einer andern Flaschen

Denckt von dem Nectar-Tranck der Mutter was zu naschen.

Was Pal

Und was aus Syrien von Basam kömmt geflossen

Was sonst Egypten-Land auff Gräber hat gegossen

Ist nichts für dem Geruch Zibeth und Amber weicht

Der Pomerantzen-Oel der Tuberosen Geister

Erkennen diesen Hauch für ihren Ober-Meister.

Es zog der starcke Dampff dem Knaben in das Haupt

Es fängt der Himmel-Wein ihm besser anzuschmecken

Als ihm die Farben auch noch grösser Lust erwecken

Theils Gläser sind gantz grün mit Reben rings umblaubt

Theils leuchten Purpurroth und andre wie Violen

Theils schimmern wie ein Gold theils glühen wie die Kohlen.

Er kostet überall ihm wächset Hertz und Blut

Biß daß der süsse Safft ihn dergestalt durch krochen

Daß er zu Boden fällt die Gläser hat zerbrochen

Das gantze Zimmer schwimmt in dieser Balsam-Fluth

Und höchstes-Wunder-Werck! Wo hin was kömt zuflissen

Da siht man Hyacinth und Lilien auffsprissen.

Statt der Tapeten hengt ein frisch gewachsnes Graß

Die Lufft ist lieblich warm wie in den Frühlings-Tagen

Die Wände fangen Klee und Schmergeln anzutragen.

Wo vor in ihrer Ruh die Liebes-Fütstin saß

Da hat die Flora itzt ihr Bilder-Werck gestellet

Und zu mehr Liebligkeit den Zephyr zugesellet.

Was nur die Trefligkeit der Gärten zeigen kan

Und was die Götter ie in Blumen nur verkehret

Das wird hier diesem Platz durch Wunder-Art gewehret

Narcissus siht sich hier als wie im Brunnen an.

Der Myrrhen Rinde weint und Clytie die lachet

Daß sie des Phöbus Gunst zu einer Braut gemachet.

Die Tulpen haben hier ein tausend färbig Kleid

Die Nelcken fodern sie auff Wechsel der Gestalten

Es wil der Rosen-Sammt die Ehr allein behalten

Kurtz einem Inbegriff der weichsten Zärtligkeit

Stellt diese Gegend für die für Olympens Zimmern

Der güldnen Sternen-Burg noch schöner pflegt zu schimmern.

Das eingeschläffte Kind Cupido lag da bloß

Frey sicher unbesorgt was er zuvor begangen

Als neben seinem Haupt in ungemeinem Prangen

Von Balsam auffgeblüht ein Anemonen-Roß?

Anmuthig von Gestalt voll Blumen voller Leben

Dergleichen Zierath ihr nicht Flora weiß zu geben.

Nicht die Pöonie ist so viel-Blättrich reich

Dergleichen Purpur darff kein andre Blume tragen

Indeß kömt Venus heim auff ihrem Schlitten-Wagen

Als sie der Celadon begleitet und zugleich

Ersuchet umb Gehör den Kummer zuerzehlen

Womit er Tag und Nacht sein Leben müsse quälen.

Sie hat ins Cabinett kaum ihren Fuß gesetzt

Und siht verwundernd’ an; dort den Cupido liegen

Und wie zu einem Haupt die Blum ist auffgestiegen

So durch ihr Anmuth auch der Venus Aug ergetzt

Daß sie zurück gedenckt was sie zuvor genossen

Ob von Adonis Blut die Anemon’ entsprossen.

Erblickt sie wiederumb was das verwegne Kind

Vor Schaden angericht so heist der Zorn sie straffen.

Cupido der erwacht spricht: Mutter deine Waffen

Sind ja nur Küß und Gunst: Schnee Wetter Kält und Wind

Hab ich in May verkehret den Winter in den Lentzen

Und solte nicht mein Haupt ein Myrthen-Schmuck bekräntzen?

Wie aber

Wil er der Frühlings-Lust im Winter sich bedienen?

Muß ihm zu seinem Trost die

Der Blumen Königin der Garten Schmuck und Zier.

Sind Menschen eh verkehrt in schöne Blumen worden

So setze Venus doch die Blum in Menschen Orden.

Dione rührte nur der Blumen Stengel an

So würd’ ein Engel-Bild die blühend’ Anemone

Vorhin des Lentzen Ruhm itzt aller Nymfen Krone.

Der nackte Flügel Gott laufft was er lauffen kan

Schreyt kommt ihr Gratien seht Wunder über Wunder

Es fängt der Celadon von Anemonen Zunder.

Es hatte Venus schon der Treu-verliebten Zwey

Geist Hertz und Seel verknüpfft als auch die Nymfen kommen

Und haben für das Graß Smaragden-Schmuck genommen

Damit die Anemon’ im Winter grüne sey

Für Nelcken lieffern sie die brennenden Rubinen

Und für gefrohren Eiß sol lichter Demant dienen.

Es schätzte

Denn Anemone war sein Frühling seine Sonne

Der Jugend Morgen-Röth und keuscher Augen Wonne.

Cupido der sich wol zu Hochzeit Freuden schickt

Nahm das vermählte Paar und sprach in euren Gründen

Sol man bey Winters-Zeit auch Anemonen finden.