Der Frühling im Winter Bey Hn. H. C. G. u. J. A. J. K. Hochzeit dargestellet den...
Wje spielet auch im Schnee die gütige Natur
Und zeigt sie Lilien aus den gerollten Ballen?
Ist denn Adonis Blut auff kaltes Eiß gefallen
Entsprost die
So muß der Götter Rath was sonderbahres handeln
Und in des Frühlings Lust des Winters Frost verwandeln.
Hört was Cupido nur nach neulich hat gethan
Als Venus und ihr Volck der Schlittenfarth genossen
Hat sie den kleinen Schalck ins Cabinett geschlossen
Und daß ihn Müssiggang nicht wo verleiten kan
Legt sie ihm Arbeit auff zu der er sich sol schicken
Und ein gewisses Theil von Schwanen-Federn pflücken.
Der Gast dem Spiel und Schertz ein süsses Handwerck war
Und dessen Zeit-vertreib bey schönem Frauenzimmer
Ergrimmte bey sich selbst und sprach diß thu ich nimmer
Verschleust der Winter mir denn meine Freuden gar
Die Mutter lebt in Lust ich sol in Einsamkeiten
Diß was sonst Nymsen thun mit meiner Hand bereiten.
Er geht drauff hin und her er sucht bald diß bald das
Biß daß er ohngefehr zu einem Schrancken kommen
Da er in langer Reyh viel Gläser wahrgenommen
Er siht den Vorath an und denckt welch einen Spaß
Läst mir der Himmel zu trotz aller Winter Wettern
Ich wil als Venus selbst mich heute mehr vergöttern.
Kaum hat er ein Gefäß in etwas auffgemacht
Das ausgehölet war von reinesten Crystallen
Als so ein starck Geruch den Fürwitz angefallen
Daß er als wie entzückt springt singet tantzt und lacht
Ja noch begieriger aus einer andern Flaschen
Denckt von dem Nectar-Tranck der Mutter was zu naschen.
Was Pal
Und was aus Syrien von Basam kömmt geflossen
Was sonst Egypten-Land auff Gräber hat gegossen
Ist nichts für dem Geruch Zibeth und Amber weicht
Der Pomerantzen-Oel der Tuberosen Geister
Erkennen diesen Hauch für ihren Ober-Meister.
Es zog der starcke Dampff dem Knaben in das Haupt
Es fängt der Himmel-Wein ihm besser anzuschmecken
Als ihm die Farben auch noch grösser Lust erwecken
Theils Gläser sind gantz grün mit Reben rings umblaubt
Theils leuchten Purpurroth und andre wie Violen
Theils schimmern wie ein Gold theils glühen wie die Kohlen.
Er kostet überall ihm wächset Hertz und Blut
Biß daß der süsse Safft ihn dergestalt durch krochen
Daß er zu Boden fällt die Gläser hat zerbrochen
Das gantze Zimmer schwimmt in dieser Balsam-Fluth
Und höchstes-Wunder-Werck! Wo hin was kömt zuflissen
Da siht man Hyacinth und Lilien auffsprissen.
Statt der Tapeten hengt ein frisch gewachsnes Graß
Die Lufft ist lieblich warm wie in den Frühlings-Tagen
Die Wände fangen Klee und Schmergeln anzutragen.
Wo vor in ihrer Ruh die Liebes-Fütstin saß
Da hat die Flora itzt ihr Bilder-Werck gestellet
Und zu mehr Liebligkeit den Zephyr zugesellet.
Was nur die Trefligkeit der Gärten zeigen kan
Und was die Götter ie in Blumen nur verkehret
Das wird hier diesem Platz durch Wunder-Art gewehret
Narcissus siht sich hier als wie im Brunnen an.
Der Myrrhen Rinde weint und Clytie die lachet
Daß sie des Phöbus Gunst zu einer Braut gemachet.
Die Tulpen haben hier ein tausend färbig Kleid
Die Nelcken fodern sie auff Wechsel der Gestalten
Es wil der Rosen-Sammt die Ehr allein behalten
Kurtz einem Inbegriff der weichsten Zärtligkeit
Stellt diese Gegend für die für Olympens Zimmern
Der güldnen Sternen-Burg noch schöner pflegt zu schimmern.
Das eingeschläffte Kind Cupido lag da bloß
Frey sicher unbesorgt was er zuvor begangen
Als neben seinem Haupt in ungemeinem Prangen
Von Balsam auffgeblüht ein Anemonen-Roß?
Anmuthig von Gestalt voll Blumen voller Leben
Dergleichen Zierath ihr nicht Flora weiß zu geben.
Nicht die Pöonie ist so viel-Blättrich reich
Dergleichen Purpur darff kein andre Blume tragen
Indeß kömt Venus heim auff ihrem Schlitten-Wagen
Als sie der Celadon begleitet und zugleich
Ersuchet umb Gehör den Kummer zuerzehlen
Womit er Tag und Nacht sein Leben müsse quälen.
Sie hat ins Cabinett kaum ihren Fuß gesetzt
Und siht verwundernd’ an; dort den Cupido liegen
Und wie zu einem Haupt die Blum ist auffgestiegen
So durch ihr Anmuth auch der Venus Aug ergetzt
Daß sie zurück gedenckt was sie zuvor genossen
Ob von Adonis Blut die Anemon’ entsprossen.
Erblickt sie wiederumb was das verwegne Kind
Vor Schaden angericht so heist der Zorn sie straffen.
Cupido der erwacht spricht: Mutter deine Waffen
Sind ja nur Küß und Gunst: Schnee Wetter Kält und Wind
Hab ich in May verkehret den Winter in den Lentzen
Und solte nicht mein Haupt ein Myrthen-Schmuck bekräntzen?
Wie aber
Wil er der Frühlings-Lust im Winter sich bedienen?
Muß ihm zu seinem Trost die
Der Blumen Königin der Garten Schmuck und Zier.
Sind Menschen eh verkehrt in schöne Blumen worden
So setze Venus doch die Blum in Menschen Orden.
Dione rührte nur der Blumen Stengel an
So würd’ ein Engel-Bild die blühend’ Anemone
Vorhin des Lentzen Ruhm itzt aller Nymfen Krone.
Der nackte Flügel Gott laufft was er lauffen kan
Schreyt kommt ihr Gratien seht Wunder über Wunder
Es fängt der Celadon von Anemonen Zunder.
Es hatte Venus schon der Treu-verliebten Zwey
Geist Hertz und Seel verknüpfft als auch die Nymfen kommen
Und haben für das Graß Smaragden-Schmuck genommen
Damit die Anemon’ im Winter grüne sey
Für Nelcken lieffern sie die brennenden Rubinen
Und für gefrohren Eiß sol lichter Demant dienen.
Es schätzte
Denn Anemone war sein Frühling seine Sonne
Der Jugend Morgen-Röth und keuscher Augen Wonne.
Cupido der sich wol zu Hochzeit Freuden schickt
Nahm das vermählte Paar und sprach in euren Gründen
Sol man bey Winters-Zeit auch Anemonen finden.