Der gecreutzigte Cupido.
By Martin Opitz
In dem betrübten Ort der schwartzen Trawerfelder
Von denen Maro sagt da grosse Myrtenwälder
Die armen bulerin vmbringen mit der Nacht
Sah ich die Heldinnen die selbst sich vmbgebracht.
Ich sah ein jegliche dasselbe thun vorgeben
Wie sie jhr vor der Zeit genommen hett jhr Leben
Der dicke wüste Wald war Sonn vnd Mondes bloß
Das schrecklich höllensee grundloß ohn rauschen floß;
An dessen stillen Bach man kaum herfür sicht schiessen
Die Hiacynthen blum vnd flüchtigen Narcissen
Adonis Purpurfarb vnd Crocus gelbes Kleidt
Auch Aeas stund aldar verhüllt mit Trawrigkeit.
Die sorgen ohne Ruh voll zehren leidt vnd krencken
Bewegen widerumb die Heldinen zu dencken
Was sie zu vor alhier in solche Noth gestürtzt
Daß sie mit eygner Hand jhr Leben abgekürtzt.
Die Semele beklagt wie Juno sie betrogen
Daß sie durch falsch Geschenck im Fewer vffgeflogen
Als Jupiter zu jhr mit Plitz vnd Donner kam
Vnd Bacchum in sein Hüfft auß jhrem Leibe nam.
Die Coenis so zum Mann auß einer Jungfraw worden
Weint daß sie widerumb sey in dem Weiber Orden.
Die Procris trucknet noch die Wunden vnd gibt acht
Auff jhren Cephalum der doch sie vmbgebracht.
Die Hero hat noch jetzt die Lamp in jhren Henden
Nach welcher sich bey Nacht Leander mußte wenden.
Die Sappho jmmer zu vom weissen Felsen springt
Die Eriphyle auch noch mit dem Tode ringt.
Was Minos hat gethan wie Creta sey gestanden
Ist alles dunckler weiß alda gemahlt vorhanden
Pasiphae die laufft dem weissen Ochsen nach
Die Ariadne klagt von Theseus vngemach:
Die Ph
Dardurch Sie zu der Hult wolt jhren Stiefssohn treibe
Die träget einen Strick die jhrer Krone bildt:
Die hat auß grosser Scham jhr Angesicht verhüllt
Daß Sie in Dedali geschnitzter Kuh gestecket:
Laodamia klagt daß sie vom Grab erwecket
Protesilai Geist vnd jhn auch todt begert
Die Thisbe Canace vnd Dido führn das Schwerdt
So jhrem Gaste Mann vnd Vatter ist gewe sen:
Auch Luna kan noch nicht der Liebes brunst genesen
Sie sucht Endymion mit jhrem bleichen Liecht
Sie sucht Endymion vnd findet jhn doch nicht.
Noch hundert sein alldar die jhre Liebes flammen
Bald schätzen gut zu sein bald widerumb verdammen
In deren mitte kompt Cupido vnverhofft
Vnd läutert durch den Glantz die dicke hellen-Lüfft.
Sie kandten bald das Kindt ob gleich sein schöner Bog en
Sein Köcher Pfeil vnd Gurt mit Nebel war vmbzogen
So kennen sie jhn doch: der frembde werthe Gast
Wird wie sie vor von jhm von jhnen angefast
Es steht ein Myrtenbaum mit Tunckelheit vmbfangen
An welchem vor der Zeit Adonis auch gehangen
Als er Proserpinam nicht wider lieben wolt
Vmb daß er nichts begert als seiner Venus hold:
An diesen haben sie den Amor angebunden
Vnd billich jhm gethan was sie von jhm empfunden
Es ward zu rechter Rach ein jegliche bewegt:
Die legt jhm an den Strick den Sie jhr angelegt
Die wolte durch das Schwerdt sich rächnen jhrer Nöthen
Die meinet jhn im Meer die in der glut zu tödten
Die Myrrha wirffet jhn mit schönem Brennestein
Der von der Threnenbach jhr soll geflossen sein
Von andern denen er fast widerumb versöhnet
Wird er vngleicher Art geschertzet vnd verhönet
Die will das Blut besehn darvon die Rose kam
Die helt ein Liecht hinzu beleuchtet seine Scham.
Auch Venus kompt herbey Sie lest jhr wolgefallen
Diß jhres Sohnes straff vnd martert jhn vor allen
Weil er als Mars bey jhr die Netz’ herzu gebracht
Vnd Vrsach ist daß auch Priapus wird verlacht.
Sie schlägt jhn ob er gleich viel Threnen thut vergiessen
Mit einem Rosenkrantz biß man das Blut sicht fliessen
Das Blut das rothe Blut wird miltiglich gespreit
Das noch viel röter macht der Rosen schönes Kleidt
Durch diß wirdt letzlich doch die Venus auch beweget
Daß Sie den grossen Haß vnd Grimm besette leget
Die Heldinnen auch selbst die bitten Sie vmb Ruh
Vnd schreiben jhre Noth gantz dem Verhängniß zu.
Die Mutter danckt hierumb dieweil sie nachgelassen
Vnd jhn nun weiter nicht ob zwar ohn Vrsach hassen
Cupido weil sie gleich in jhren Reden sein
Fleucht weg vnd macht sich fort durchs Thor von Helffenbein.