Der gelehrte Adel.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ihr die ihr schlacken-werck vor reines silber wehlet

Und schlechtes spiegel-glaß gleich diamanten schätzt

Euch meyn’ ich die ihr nur der ahnen menge zehlet

Und selbst als nulle scheint den nullen beygesetzt

Die ihr das götzen-bild des kahlen Adels ehrt

Ihr seyd verzeiht es mir recht ungemein bethört.

Was nützt der bunte kram geerbter ritter-fahnen

Was dient der büffels-kopff der euer wapen ziert

Was helffen helm und schild von längst verfaulten ahnen

Und der polierte stahl den euer harnisch führt

Von tausend jahren her? Ein kluger macht den schluß:

Daß dieser haus-rath noch den trödel füllen muß.

Den Adel schelt’ ich nicht ich kenne seine güte;

Diß enge saal-athen zeigt manchen edelmann

Der hoch-gebohren ist von ankunfft und geblüte:

Und sieht ein schönes buch doch mit vergnügen an.

Nein werden Adel bloß in fahn und ahnen sucht

Ist ein verhaßtes bild der leeren sodoms-frucht.

Gesetzt daß dein geschlecht von alten helden stammet

Der ruhm ist eitelkeit und ein geborgtes gut:

Im fall die tugend dich als mißgeburt verdammet

Und keine helden-that beweist das edle blut.

Viel höher steigt dein werth wenn du Achilles bist

Ob schon der dich gezeugt Thersites selber ist.

Der alten Adel wuchs auff keinen fremden zweigen

Ihr auge merckte nicht entlehnten zierrath an

Kont’ iemand sich nicht selbst durch tapffre thaten zeigen

Durch tugend durch verstand der war kein edelmann.

Nun aber hat das blat sich leider! umgewand:

Indem ein esel offt vor edel wird erkannt.

Der den der pfeffer reich der reichthum stoltz gemachet

Kaufft in den Adel sich vor tausend thaler ein

Und giebt den handel an: Indem der weise lachet

Daß solch ein pfeffer-sack will strenger juncker seyn.

So kommt der offne helm auff kind und kindes kind

Die ihrem vater gleich an witz und tugend sind.

Aus solchem holtze nun wird ein Mercur geschnitten

Den der gemeine mann fast wie den fürsten ehrt:

Kommt aber an den hof ein ander freund geschritten

Der in das blasse reich der wissenschafft gehört

Und hält um einen dienst gantz tieff gebücket an

So fragt man ihn: Monsieur ist er ein edelmann?

O spott! Heist diß allein aus edlen stamm entsprossen

Wenn man den mutter-heerd sonst aber nichts geschaut

Und vor das vaterland mehr wein als blut vergossen?

So steht der Adel wohl auff schlechten grund gebaut.

Doch hat ein fürst nur nicht von leim ein hertz gemacht

So wird er nimmermehr auff diesen wahn gebracht.

Er kennt was tugend sey und ein gelehrtes wissen:

Wer diesen Adel hat den zeucht er jenem vor

Die mit der ahnen glantz sich nur behelffen müssen

Und öffnet ihm zur burg der ehren thür und thor.

Apollo schreibt sein lob ans hohe sternen-haus

Und Fama streut es hier mit tausend zungen aus.

Die Juno beut ihm dar den schlüssel zu den schätzen

Daran es gar zu offt dem strengen juncker fehlt:

Minerva steht bereit den hut ihm auffzusetzen

Der von der niedrigkeit ihn weit entfernet zehlt:

Die liebes-göttin selbst der schönheit richterin

Reicht diesem werthen sohn ihr liebstes kleinod hin.

So rühmt nun wie ihr wollt den Adel eurer ahnen

Dir ihr sonst nichts besitzt das rühmens würdig ist:

Trotzt immer auff den kram zerlappter krieges-fahnen

Und pflantzt die unart fort auff euers vaters mist.

Gelahrheit legt indeß ein ander rüsthauß an

Das auch die richtschnur selbst mit nichten tadeln kan.

Ihr helm ist die gedult bey emsigem studieren

Darauff ein grüner busch von hoffnungs-federn steckt:

Erfahrung pfleget sie an pantzers statt zu führen

Und demut ist der schild der ihren leib bedeckt.

Die kluge wachsamkeit ist ihr berühmtes schwerd

Und ein geschicktes buch das beste tummel-pferd.

Ihr wapen ist ein feld halb weiß halb blau gemahlet

Darinn Medusen haupt und schlangen-haar erscheint;

Weiß zeigt die unschuld an so in dem wandel strahlet

Und alle thaten schmückt: Blau daß mans treulich meynt.

Und der bekandte kopff so manchen feind erschreckt

Zielt auff die wunder-krafft die in den künsten steckt.

Der wahl-spruch den sie ihr aus tausenden erwehlet

Gieng kurtze zeit zuvor durch Alexanders mund

Eh’ ihn des himmels-schluß den todten zugezehlet

Und als die treue schaar noch um sein lager stund;

Er sprach: Dem würdigsten verlaß ich meinen thron.

Dem würdigsten spricht sie gehört mein ehren-lohn.

Zu dieser hoheit kan kein kahler juncker kommen

Der nie geschäfftig ist als wenn er hasen hetzt.

Du aber edler held bist freundlich auffgenommen

Und hast den purpur-hut höchst-würdig auffgesetzt.

Wer nun auff gleichen schlag sich auffwärts schwingen kan

Macht durch den adlers-flug sich selbst zum edelmann.

Dem dieses nicht vergunt bewundert nur dein gläntzen;

Du bist der sonnen gleich die hat ihr eigen licht

Der Adel den du führst hegt nicht so schlechte grentzen

Dadurch der scharffe zahn des tollen neides bricht.

Diß ist der schöne danck wohl-edler für den fleiß

Den die gelehrte zunfft nicht gnug zu rühmen weiß.

Das auge Schlesiens der städte zier und krone

Budorgis freuet sich; es jauchzet Herren-stadt;

Saline schmeichelt dir als neuem ehren-sohne;

Den sie nur gar zu gern in ihren armen hat.

Ja was die feder itzt nicht füglich melden kan

Beut

Indes da manche faust sich höchst verbunden schätzet

Zu steigen in dein lob durch ein geschicktes blat

So wird ein kurtzer wunsch von mir hieher gesetzet

Der wenig von der kunst geübter dichter hat:

Wohl-edler musen-freund sey himmel-ab beglückt;

So lange biß der artzt zum patienten schickt.