Der genesene Eneas Bey Beerdigung Hn. H. H. den 31. Julii 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Ich wil hier nicht der Helden Kern

Den muthigen Eneas weisen

Den als des Vaterlandes Stern

Und Beyspiel die Geschichte preisen

Wenn er den abgelebten Alten

Den Vater auff die Schultern legt

Und mitten durch die Flammen trägt

Umb so sein Leben zu erhalten.

Betrübtste diese Kindes-Pflicht

Und Treu wär auch an euch erschienen

Wenn damit etwas ausgericht

Und es dem Vater mögen dienen.

Jhr hättet ihn von seinen Ketten

Und Banden gerne frey gemacht

Ja alle Mittel ausgedacht

Ob Menschen Hülffe könte retten.

Allein hier galt noch Kunst noch Cur

Noch des Eneas Witz und Stärcke

Es leitet uns des Glaubens Spur

Auff des Eneas Wunderwercke

Der acht Jahr unbeweglich ligen

In seinen höchsten Schmertzen muß

Zu dem aus Eckel und Verdruß

Sich ferner wil kein Artzt verfügen.

Ein Wort das des Apostels Mund

Vom Himmel abgeschickt gesprochen:

Dein JEsus mache dich gesund

Das hat der Kranckheit Weh’ gebrochen.

Steh’ auff und geh’ aus deinem Bette

Dein Heiland gibt dir neue Krafft

Das Ubel ist gantz weggeschafft

Eneas mercke wer dich rette!

Muß nicht Machaon und Galen

Und Theophrast hier schamroth werden

Ein Wort heist den Eneas gehn

Ein Wort benimmt ihn der Beschwerden.

Wie freudig sieht er seinen Glauben

Durch Hoffen und Gedult bewährt

Daß ihm nun Hülffe wiederfährt

Und niemand diesen Trost kan rauben.

Betrübtste solt' euch dieses nicht

Ein kräfftig Lehr-Exempel geben:

Wie war der Vater zugericht?

Wie abgemergelt schien sein Leben?

Wie häuffte sich die Qual der Schmertzen?

War er ohn Thränen anzuschau’n?

Must ihm nicht für sich selbsten grau’n?

Und bluteten nicht eure Hertzen?

Ich glaube wer im Kercker sitzt

Und stündlich soll sein Urtheil hören

Daß der in solcher Angst nicht schwitzt

Als durch Gebeine Marck und Röhren

Dem liebsten Vater es gedrungen

Daß er den letzten Zuspruch nicht

Durch Worte mehr an euch verricht

Weil ihm gehemmt das Band der Zungen.

Doch druckt er tausend Seuffzer loß

Und hat in Himmel sich geschwungen

Sein Glaube wuchs und wurde groß

Je mehr die Schmertzen ihn besprungen

Wie peinlich auch die Niederlage

So hofft’ er auff des H Erren Mund

Der sprechen würde:

Und Franck und frey von aller Plage.

Sein Glaube hat auch nicht gefehlt

Er ist geheilt in dessen Namen

Der unsre Jahre schon gezehlt

Eh’ als wir auff den Welt-Kreiß kamen.

Jetzt geht er nun in seine Kammer

Und schleust die Thüre nach sich zu

Geneust der ungestörten Ruh

Und weiß nicht mehr von Noth und Jammer.

Eneas mag aus Kindes-Pflicht

Den alt und schwachen Vater tragen:

Wir wollen von dem Glaubens-Licht

Und des Eneas Hoffen sagen:

Wer sich auff JEsum hat gegründet

Der wird an Leib und Seele heil:

Gewiß daß auch dergleichen Theil

Herr Henisch in dem Grabe findet.

Er hat so lang es GOtt verliehn

Für eure Wolfahrt stets gewachet

Viel rauhe Wege müssen ziehn

Wenn Krieg und Raub ihm Furcht gemachet.

Nun aber ruhet er in Frieden

Diß was verwesen soll und kan

Ist nur von ihm hinweg gethan

Sonst ist er von euch ungeschieden.

Je mehr ihr seine Vater-Treu

Und sein Gedächtnüß werdet ehren

Je mehr legt ihr euch Seegen bey

Und könnt Eneas Lobspruch hören.

Eneas aber Heilung fühlet

Der Vater der numehr gesund

Der ob zwar mit verschloßnem Mund

Jhm doch das beste Theil erzielet.