Der Geschmack eines Kusses
By Heinrich Wilhelm von Gerstenberg
Written 1780-01-01 - 1780-01-01
Dann konnt ich Knabe mich erfreun!
Ganz Paphos schien mir Tanz zu seyn.
Denn auf mir tanzten Liebesgötter,
Und unter mir die Blumenblätter.
Bald überrascht ich sie in Sträuchen,
Wo sie, entdeckt zu seyn, sanft in das Laub gerauscht;
Bald, wenn ich mich verbarg, ward ich von ihr belauscht,
Dann floh sie, wenn sie mich belauscht,
Und ich ihr nach, sie zu erreichen.
Doch schnell verschloß sie sich in Eichen,
Und wehrte mir, sie zu erreichen.
Dann klettert ich auf manchen Baum empor,
Und hörte sie verräthrisch lachen,
Und bat, ihr Eichenhaus mir Knaben aufzumachen,
Dann sprang sie froh aus ihrer Eich hervor, –
So süß ist Honig nicht, der vom Hymettus fließt;
So süß ist nicht die Frucht von Surentiner Reben:
So süß der Nektar nicht, durch den unsterblich Leben
Den Göttern Ganymed in güldne Schaalen gießt.