Der gestirnte Baum.
Die Zweige, welche sonst durch grünes Laub verdecket,
Sind auch anietzt aufs nen verstecket.
Ein rauher Reiff, der alles ietzt erfüllet,
Hat auch die kleinsten Zweig’ ümgeben und verhüllet;
So, daß der Bäume Wipfel sich
In ihren gross- und kleinen Zweigen,
Absonderlich von weiten, eigentlich,
Als wären sie aufs neu belaubet, zeigen:
Zumahl wenn sich der Reiff mit Sternen-förm’gen
Der mit den Spitzen sich an seine Theilchen hänget,
Und ihn dadurch noch luckrer macht, vermenget.
Ich habe solchen Baum einst Wunder-Wunder-schön,
In einer Winter-Nacht, gesehn:
Als der entwölckte Mond auf die gefrornen Spitzen,
Indem es eben starck gereifft,
Und der gefrorne Schnee sich überall gehäufft,
Mit hellem Schimmer fiel. Man sah’ ein helles blitzen
So kräfftig, starck und hell, daß sie nicht anders schienen,
Als Sterne erster Gröss’ an den Sapphirnen Bühnen.
Ich ward recht in der That dadurch betrogen.
Denn, wie ich mein Gesicht von unten aufwärts wandt’,
Um, durch den Baum, des Himmels blauen Bogen
Bewundernd anzusehn, und ihn voll Sterne fand,
Die ich sonst nie gesehn; erstaunt ich, bis ich klar
Erblickte, wie die glatten Spitzen
Vom hart gefrornen Schnee, mit einem hellen blitzen,
Der neuen Sternen Ursprung war.
Zwar wird mein Auge fast, in diesem hellen Schein,
Geblendet und verwirrt; allein
O grosses All! Ach! laß die Creatur
Uns offt, wann wir mit Lust derselben Schmuck verspühren,
Auf solche Art verwirrt, auf die gewünschte Spur
Von Deiner Wunder-Grösse, führen!