Der Granaten-Baum Vorgestellet bey Beerdigung Fr. R. S. g. B. den 18. Octobr. 16...
Hochwerth-vertrauter Freund dein Leid geht mir zu Hertzen
Die Nacht erschreckt mich auch so deinen Geist ver-
Der Schlag so dich betrifft erweckt zu grosse Schmertzen
Es ist dein Thränen-Maß biß oben an gefüllt.
Die Thränen kan kein Mensch auff dieser Welt verdammen
Man lasse solche frey und ungehindert gehn
Denn wo getreue Lieb’ und Scheiden kommt zusammen
Da kan deß Menschen Hertz in nichts als Blute stehn.
Ich dencke hin und her wo Rath und Trost zu finden
Nicht daß dir sonst nicht Rath und Hülffe wohnte bey
Und daß dir der du pflegst die Rechte zu ergründen
So gäntzlich unbekand deß Todes Urtheil sey
Nein; einen weisen Mann betrübt kein Ungelücke
Wie grausam es auf ihn mit allen Wettern kracht;
Doch wenn den Seneca durch ihre Liebes-Blicke
Paulina noch zu letzt in seiner Wann anlacht
So sinckt ihm Geist und Muth. Bey außgeklärten Tagen
Kan Witz Sinn und Vernunfft mit Lust spatzieren gehn;
So bald die Keil ins Hauß darinn wir wohnen schlagen
So will nur Fleisch und Blut das Ubel nicht verstehn.
Und muß doch offt der Artzt der ihr sonst viel errettet
Umb Hülff und treuen Rath zu seinem Nechsten fliehn
Und unerschrocken sehn wie man sein Lager bettet
Auff welchem er gewiß wird zu den meisten ziehn.
Ins Leid versenckter Freund wie willig ich zu dienen
Und wie mich deine Gunst darzu verbunden hält;
Wie ich bey Gräbern mehr als Freuden bin erschienen
So glaube daß mein Schluß und Vorsatz gantz zerfällt.
Jxion liegt nicht so auff seiner Marter-Speiche
Als mich der Kranckheit Schmertz erbärmlich hat gereckt
Der Geist lebt noch in mir sonst bin ich eine Leiche
Und gleich Verblichenen gedehnet und gestreckt.
Zu dem erwege doch ein Quell muß jetzt verseigen
Und auch ein fündig Gang gewehrt nicht immer Gold:
Kau doch der reiche Herbst nicht allzeit Früchte zeigen;
Ist doch das gantze Jahr nicht Graß und Blumen hold.
Wie soll denn mein Gemüth unendlich können blühen
Deß Leibes Leiden greifft zugleich die Geister an.
Und wird ein solches Blat den Leser nach sich ziehen
Das nicht mit Kunst und Zier ihn recht vergnügen kan.
Ein Läuffer muß doch ruhn wenn er genug gelauffen:
Der beste Fechter wird nach vielem kämpffen matt;
Bey mir kommt Leich auf Leich und Reim auff Reim zu hauffen
So daß man wenig Zeit recht nach zu dencken hat.
Dem allem ungeacht so bring ich die
Laß diese schöne Frucht ein Bild der
Wie ihr annehmlich Safft den Krancken pflegt zu rathen
So schläffre der bey dir die heissen Schmertzen ein.
Wird nicht deß Heylands Brant und ihre Purpur-Wangen
Verglichen mit dem Ritz der in Granaten klafft:
Und sagt sie wieder nicht? Komm eile mein Verlangen
Ich träncke dich mit Most von meiner Aepffel Safft.
War dem Granaten Baum dein Schatz nicht zuvergleichen
Die unter Creutz und Schmertz doch ihres
Und führt die Kirche wol ein ander Glaubens-Zeichen
Als wenn sie sich gefärbt im Blut der Märtrer schaut?
Als sie genug geritzt von bangem Seiten-stechen
Wie rieff sie: Labet mich mit seiner Aepffel Gut;
Ich bin vor Liebe kranck mein Hertze will zerbrechen
Erquickt mich doch mit nichts als deß Erlösers Blut.
Auß diesem Lebens-Safft auß diesen Heil-
Will ich der Ewigkeit beseelten Nectar ziehn:
Gebt was verwesen kan deß Grabes schwartzen Schatten.
Es mag mein welcker Leib den Blumen gleich verblühn.
Asträens Ruhm und Licht in solcher Glut entzündet
Ließ der Geliebtste Schatz den Jrrsal dieser Zeit
Jhr Leben das auf Gott und Tugend war gegründet
Versichert daß es noch dein mattes Hertz erfreut.
Wie der Granaten-Baum zwar niedrig in den Zweigen
Und dünn an Aesten ist doch reich an edler Frucht
So war der Liebsten Zweck durch Demuth sich zu zeigen
Den Stern der Tugenden und denn durch keusche Zucht.
Hat ein Granaten-Knopff des Priesters Rock geziehret
So schmückte sie gewiß dein Hauß mit neuem
Und hat sie Salomon umb seinen Stul geführet
So gaben sie bey dir des Ehbets schönsten Krantz.
Sie nannte dich ja stets die Krone von Granaten
Jhr Baum der muste blühn durch deinen Sonnenschein.
Und siehst du traurig an die auffgesproßne Schnaten
So pflantzen sie dir stets der Mutter Namen ein.
Wie schlecht der Apffel auch von aussen pflegt zu gläntzen
Da geht ihm Pomerantz Quitt und Citrone für;
So weicht so bald ein Schnitt sein Mittel wird zergäntzen
Der Körner-reichen Reyh auch der Rubinen Zier.
Nicht anders mühte sich dein ander Hertz zu leben
Als daß ihr innres Hertz an Tugend-Früchten schön.
Sie liebte nicht den Schein der Welt von sich zu geben
Und wolte mehr vergnügt auf GOttes Wegen gehn.
Deß Apffels Körner sind noch ihres Blutes Früchte
Und Zeugen eurer Lieb und Siegel eurer Treu-
Die jetzund hochbetrübt mit kläglichem Gesichte
Der Mutter stimmen an das letzte Leich-
So kan die äußre Schal ihr inn’res Marck nicht decken
Als sie mit ihrer Treu die Kinder stets bewacht.
So tieff kan nicht ein Kern in seinen Fächern stecken
Als sie vor sie gesorgt bey Tag und auch bey Nacht.
Nun diese Mutter stirbt gleich wie
Wenn reiffe Fruchtbarkeit die mürbe Schale bricht:
Da jetzt pflegt jeder Baum die Aepffel abzuschmeissen
So segnet sie anjetzt das göldne Sonnen-Licht.
Ein Gärtner sieht erblast mit Zittern und mit Zagen
Wenn ihm der Norden-Wind hat einen Baum gestürtzt.
Der Themis wahrer Ruhm und soltest du nicht klagen
Nun deinem Eh Gemahl der Tod das Leben kürtzt:
Was kan wol schmertzlicher hier auff der Welt erscheinen?
Dergleichen Seelen-Rieß hat dich noch nicht gebeugt.
Das Winseln und das Schreyn der unerzognen Kleinen
Macht daß dir fast der Quell deß Lebens gantz verseugt.
Alleine
So reicht ihn selbst dein Schatz durch ihre Gaben dar.
Deß Hertzens Zittern stillt der Syrup von Margranden
Es stille doch dein Leid ihr Ehren-volle Bahr!
Entgeht sie dir schon früh so wird doch ihre Tugend
Der allerbeste Safft den Schmertz zu kühlen seyn.
Welckt wie Granaten-Blüt auch ihre frische Jugend
Deß Todes blasser Herbst reist alles Blumwerck ein.
Der Höchste segne nur die hinterlaßne Zweige
Daß sie Granaten gleich auffwachsen mit der Zeit!
Und daß
Daß es zu trauren weiß und hegt nicht ewig Leid.