Der graue Geist

By Max Dauthendey

Written 1892-01-01 - 1892-01-01

Der Morgen leuchtet voll Vertrauen,

Die Höhen friedlich sich beschauen.

Dort auf dem Bergkamm

Auf dem frischbetauten Rasen

Drei blanke Kühe ernst geruhsam grasen,

Stehn aufgerichtet kühn,

Am Abgrund ragen sie vermessen.

Die Wolken an der Wälder Spitzen fressen,

Im Nebelduft verwandelt sich das Grün.

Der Nebel schließt des Grundes schroffe Kluft.

Es wandert durch den Morgen stillen Mundes

Der graue Geist, der heißt: „Vergessen“.