Der grösseste Betrieger .

By Johann Justus Ebeling

Die Welt ist voller List, bespannt mit Nez und Strikken,

Ein Mensche suchet stets den andern

Man irrt nicht, wenn man sagt, daß die Betrie-

Der Menschen gröste Kunst und Haupt-Bemühung

Doch in der grossen Zahl, die sich auf Trug befleis-

Kan ein Scheinheiliger, ein Erzbetrieger heissen.

In dem er sich verstellt in falscher Frömmigkeit,

Hüllt er ein Wolfes Herz ins sanfte Schafeskleid,

In dem er heilig prahlt, in Andacht feurig schei-

Jm Herzen tükkisch lacht, von aussen kläglich wei-

So stellt er sich vor

Der doch mit seinem Aug ins Herze sehen kan.

Er meinet daß er ihm so gnädiglich ansehen,

Und so erkühnt er sich,

Der seine Tükke sieht, und seine Falschheit kennt

Der weiß wie kalt sein Herz, obgleich die Zunge

Welch schändlicher Betrug! das Aug berükken

Dafür wir Ehrfurchts-voll uns allzeit scheuen sol-

Ein Heuchler, bildet uns, durch seinen äusren

Er sei ein frommer Mensch der

Und er betriegt die Welt mit seinem eitlen Prahlen,

Er ist ein Heiliger nur mit gemahlten Strahlen.

Die Einbildung nährt ihn, es sähe jederman,

Jhn als den Heiligsten vom ersten Range an,

Und jeder merket doch gar bald die Heuchler-Rolle,

Die Wolfsklau zeiget sich auch durch die Schafes

Und er betriegt sich selbst indem er gar vermeint,

Er sei ein Heiliger, wie er von aussen scheint,

Der Höchste werde ihn um seiner Andacht willen,

Mit einen Seegensstrom das gierge Herze stillen.

Er hoft und kriegt doch nichts; dieweil; der Zeba-

Den Heuchlern Ach und Weh! zum ewgen Flu-

Und weil sie nicht recht warm, nur laulicht sind zu

So speiet er sie aus, wird sie nicht lieben können.

So ist ein falscher Wahn, der ärgeste Betrug,

Er will gesegnet seyn und wird zulezt zum Fluch:

Mit einen Wort er sucht darin nur sein Vergnügen

Wie er mög GOtt und Welt, und auch sich selbst

Wer dieses recht bedenkt, der muß so gleich gestehn:

Wer Heuchler sehen wird, muß Erzbetrieger sehn.