Der Herbst.

By Barthold Heinrich Brockes

Willkommen kühler, traubenreicher, mit süßem Obst

beladner Herbst,

Der du die Wälder übergüldest, mit rothem Glanz die

Früchte färbst,

Die Welt in bunten Flor verhüllst, das Feld mit feuch-

tem Silber tränkest,

Uns, das mit Lust verzehrte Wild, nebst tausend Schaaren

Vögel schenkest

Von Wachteln, Krammetsvögeln, Lerchen, uns Tische,

Küch' und Keller füllst

Mit süßem Wein und fettem Mastvieh, mit Lust, so

Durst als Hunger stillst,

Und uns, für künftgen Frost, versorgst! Wer kann

die Gaben alle zählen,

Die du uns recht verschwendrisch reichst, daß uns kein

Mangel möge quälen

Jm strengen unfruchtbaren Winter! Wir kommen,

durch dich, auf die Spur

Und finden: Deine schöne Zeit sey recht die Absicht der

Natur.

Es wirkt das ganze Jahr für dich, in dir für uns.

Uns zu ernähren,

Jm Frost, wenn unsre Mutter schläft, den Unterhalt

uns zu gewehren.

Gebenedeyet sey die Liebe, zusammt der Weisheit und

der Macht,

Die, in der wunderreichen Ordnung, uns zeigt, daß

sie an uns gedacht!