Der Herbst in Ritzebüttel.
Gott Lob! ich seh, mit vielen Freuden, aufs neu, im
Herbst, mein fruchtbar Feld
Begraben, wohl bedüngt, gepflügt, besät, beeget und bestellt.
Man sieht, wenn man bedachtsam sieht, anitzt, so weit das
Auge träget,
Ein angenehmes Dunkelbraun von Aeckern, welche theils
geeget,
Theils aufgebrochen, theils gepflügt, das uns, wenn wir es
recht betrachten,
Und auf die gleich-geformte Fläch’, und gleich-gemischte
Farben achten,
Uns eine sanft’ und fremde Lust in der gerührten Brust
erregt.
Der Himmel, den man, meist bedeckt, in einer klaren Dämm-
rung sieht,
Erreget, nebst dem dunklen Vorwurf der Erden, itzo dem
Gemüht
Ein’ Art von angenehmer Schwehrmuht, zufriedner Unzu-
friedenheit,
Ein melancholisches Vergnügen, und eine süsse Trau-
rigkeit.
Mich deucht, daß wenn ich itzt bedachtsam, bey stiller Luft,
spatzieren gehe,
Und rings umher, in solcher Ordnung, von der bestellten
Felder Flur
Die dunkel-braune Weite schau, ich von der emsigen Natur
Ein ernsthaft majestätisch Wesen, mit einer Art von Ehr-
furcht, sehe.
Es ist auf solcher flachen Ebne nun alles leer und nichts
zu sehn;
Doch scheinet mir die flache Weite, recht wie ein neuer
Schauplatz, schön.
Man sieht agirende Personen zwar itzt nicht auf demselben
stehn;
Doch zeigt die allgemeine Stille, auf der sonst nimmer stillen
Erde,
Dem, der auf ihren Zustand achtet, und ihr Betragen kennt,
es werde,
Zu neuen Handlungen, von ihr itzt hintern Scenen was
geschehn.
Ja wohl geschicht was sonderlichs, es wirket die Natur
von innen,
(obgleich das, so sie itzt verrichtet und treibt, kein Vorwurf
unsrer Sinnen)
Mit vielem Fleiß, und in der Stille, das allernützlichste
Geschäfte.
Sie lässet itzt den Saamen keimen, hierzu gebraucht sie
ihre Kräfte,
Und wendet sie, ohn’ unser Zuthun, so ernstlich und so emsig
an,
Daß man in kurzer Zeit bereits der Arbeit Früchte spühren
kann.
Aus den geraden Furchen dringet die grüne Saat gemach
hervor,
Die Spitzen, grüner als Smaragd, steh’n hie und dort bereits
empor,
So die Natur, daß sie der Frost nicht stickt, in Silber-weissen
Decken,
Als wie in einem weissen Pelz, bemühet scheinet zu ver-
stecken.
Um ihnen diese Decken nun, wenns Noht, zu rechter Zeit zu
geben;
Scheint sie bereits darauf bedacht, sie in der Luft aus Schnee
zu weben.
Indessen laßt, zu dieser Zeit, da noch der rauhe Frost
nicht da,
Und das erwärmde Sonnen-Licht annoch mit seinen Strah-
len nah,
Uns an dem dunkel-braunen Sammt der milden Mutter
uns ergetzen,
Auch an den uns, in grünen Spitzen, bereits gezeigten künft-
gen Schätzen,
Die itzo, so zum Schmuck als Nutz, des Thaues bunte Trop-
fen netzen,
Und schimmernd unsern Blick vergnügen, mit unsern GOtt
geweihten Freuden,
Durch gegenwärt- und künftigs Gut gerühret, Herz und
Augen weiden.
Ach, laßt uns unsers Schöpfers Wunder in der Natur
verehren lernen!
Laßt uns von Undank und Gewohnheit bestreben uns doch
zu entfernen,
Die leider itzt so allgemein! Denn da dieß alle Jahr
geschicht,
So achtet man es leider nicht.
Es bringt dieß Segen-reiche Wunder Dem grossen Schöpfer
minder Ehre,
Nach unserm ganz verkehrten Brauch, als wenn es etwas
seltnes wäre,
Indem was neu ist uns nur rührt, da doch, wenn man
vernünftig dächte,
Es uns, mit allergrößtem Rechte,
Dem Schöpfer der Natur zum Ruhm, uns einen Eindruck
in die Seelen
Um desto mehr noch wirken sollte, bewundernd öfters anzu-
seh'n,
Wie seine wunderbare Werke in ungestörter Ordnung
geh'n,
Und in so viele tausend Jahren auch nicht einst um ein Haar
breit fehlen.