Der Herbst.

By Johann Justus Ebeling

Der Sonnen heisses Wunder-Feuer ver- minderte den schwülen Brand

Sie änderte, wie es uns dünkte, im

Als der vergnügte Herbst ankam, der

Nun völlig in die Küche bringt, und in die Vor-

Das was der Sommer auf dem Felde, bei späten

Ward nun zum menschlichen Vergnügen, vom

Des zarten Flachses dünner Halm, der uns die er-

Verdorrete und wurde weiß, und zu der Erde schon

Als sich das Landvolk aus den Hütten, so bald die

Von neuen mit begiergen Händen, in dem fast lee-

Es riß mit reger Sorgfalt aus, es sammlete in

Die Fadenreiche schlanke Meng, mit Knoten aus-

Es ward die Erndte vor dem Winter, in freien

Da schon der Landmann auf das Pflügen der Win-

Er zog bei guter Witterung hinaus den Akker um-

Sich aus der Erden leeren Schoos aufs Jahr das

Was er vor diesmahl eingesammlet. Sein Fleis der

Fing abermahl nach kurzen Rasten die Hofnungs-

Das Stoppelreiche Akkerfeld ward durch den Pflug-

Da sich die Füsse vorger Frucht ins Erdreich wiede-

Und ihre Mutter fruchtbahr machten. Das Feld

Von aufgekeimmten Grases-Spizzen, von hinter-

Verkehrte sich in Dunkelbraun, so weit der Pflug

Mit seinen breit geschärften Fuß in den vom Pferd

Das Feld war leer von seinen Früchten, und den-

Als eine künstliche Tapete in heller Ferne anzu-

Da ein von Gras bewachsner Strich, an dem was

An einem dunkelbraunen Streif in ausgespannter

Es sah dies mein gereitztes Auge, das Herz gedach-

Wie auch zu allen Jahres-Zeiten, das Feld der

Man wird davon noch mehr gerührt, wenn man

Das flöckigte Gewebe sieht, womit der Herbst das

Das Auge wird durch zarte Faden vergnügt, die

Der Sonnen bald ein Goldgespinste, bald wie ein

Bald blaulicht und bald wieder grün, gleich den ge-

Die in den wandelbahren Strahl, geflammt und

Kommt etwan in ein solch Gespinste, ein Pflüger

So sieht man wie dasselbe flieget, und bei dem

Sich schwenkend in die Höhe hebt und wie ein heller

Mit Anmuth das Gesicht vergnügt, bis es der

Ist dies Ergötzen uns verflogen; so ist ein neu Ver-

Der Akker ist kaum umgebrochen; so ist der Sae-

Der um sich einen Sack gespannt, und in gewissen

Und draus die Saamenkörner faßt, die er ins fri-

Er streut der Körner trocknen Regen mit einer flei-

In Hofnung reichlich einzuerndten, in das vorher

Er gehet immer Schritt vor Schritt; und in den

Folgt aus der angefüllten Hand, ein ausgedehnter

Bis daß der Akker voll gesäet. Dann kommen

Die treiben die gespannten Pferde mit einem zakkig-

Mit Eggen durch das weiche Land: damit im of-

Der Saame der darauf gestreut, recht tief hinein

Wer kan dies Akkerwerk ansehen, ohn das man

Werffe auf den weisen Schöpfer, von dem dies

Wir sehn hier die weise Güt, die wenn sie uns

Schon wiederum aufs andre Jahr, mit einer neu-

Wir müssen hier mit Lust bekennen, daß alles an-

Und daß die Vorsicht auch die Zeiten nach einer wei-

Daß alles in des Jahres Kreis den Menschen zu

Wie er durch seines Schöpfers Huld in fetten Ue-

Des Sommers warme Sonnen-Tage vergnügen uns

Die Herbstszeit als ein kalter Bote von eines stren-

Die zinset uns in der Natur auch wiederum so

Damit wir uns zur Winterszeit in stiller Ruh und

Auf! mein Herz das zu erzählen, was der Schöpfer

Als die Proben seiner Güte in des Herbstes Mon-

Doch wer kan die Gaben zähln, die wir zu der

Die im Gärten in dem Wald, allenthalben herr-

Lasset uns das überrechnen, was uns in die Sin-

Und was sich im Herbst den Augen in der Reiffe

So erkennen wir so gleich, daß wir durch ein wei-

Was der Frühling uns verhies, nunmehr in der

Damahls blüheten die Bäume und der Blüten bun-

Goß in das erfreute Herze, schon die süsse Hofnung

Damahls war der Silber-Glanz unsre schönste Au-

Nunmehr ist der Früchte Gold zu der Herbstzeit un-

Oefnet euch ihr holden Gärten, daß wir eure Früch-

Um daran den reichen Geber aller Gaben zu er-

Welch ein Anblik voller Lust! welch ein herrliches

Giebet uns ein jeder Baum, durch der Früchte

Die mit ihrer Last Gewichte, Ast und Zweige nie-

Und durch ihre schönen Farben schon das Herz durchs

Hie scheint durch das falbe Grün eine Menge gelber

Die uns daß sie mürb und reif, durch den äusern

Da reitzt unser lüsternd Auge schöner Aepfel holde

Die den Baum gleichsam vergüldet, und zu einer

Dort sieht man in blauen Strahl, reiffe Pflaumen

Die sich durch den Sonnenbrand immer mehr und

O! was sind vor viele Arten, von dem Obst, die

Und nach ihrer innren Güte am Geschmakke man-

Die der Herbst uns mürbe schenkt und zur Win-

Damit uns die weise Güt unsers Schöpfers labt

Welch ein Anmuths-voll Ergötzen bringt uns dieser

Wenn die Zeit nunmehr erschienen zu dem würkli-

Da die Frucht von Bäumen fällt, die von süssen

Da sie uns in Vorschmak labt, und zum Nuz den

Alt und Junge gehn zum Garten, und beschaun

Des weis gelblich grauen Obstes, das uns im

Sehet wie der Kinder Fleis emsig untern Baume

Bis sie eine mürbe Frucht in dem dichten Gras er-

Es trift auch ihr wühlend Suchen hie und da die-

Da ein jeder gleich geniesset, was er nascht und ha-

Und die saftig süsse Frucht, die der Kehlen lieblich

Macht, das die Begierde nur bei denselben wird

Jhre Sehnsucht lauscht in Garten; ob etwas her-

Darnach geht das Herz der Kinder, das ist ihr er-

Fällt etwan von Wind bewegt eine Frucht von sei-

So ist alsobald auch da, eine Schaar von kleinen

Die dieselbige auffangen. Doch der Wirthschaft

Merket daß die Baumgerichte nur vergeudet und zer-

Und das eine jede Frucht, wenn sie zu der Reiffe

Wird verschleudert, aufgeraft, oder sonst hinweg

Darum wird die Zeit bestimmet, daß man sie zu-

Und gekocht als ein Gemüse, zu der Sätigung ge-

Bis man sie zuletzt gemach, als in einer Erndte

Und von Baume gänzlich bricht, wie sie zeitig und

Alsdenn wird mit starken Armen jeder Baum in

So daß in geschwinden Schütteln ein Zweig an den

Da den Stamm und Zweig und Ast zu dem stillen

In gehäufter Mildigkeit manche süsse Nahrung ge-

Welche reiche Wundergüte wird in reiffen Obst ge-

Das uns unsers Schöpfers Weisheit und die ewge

Da er Früchte mancher Art süß und sauer läst ent-

Die so wunderbahr aus Holz, als aus zarten Röh-

Zuerst zeiget sich die Blüte, die zu jeder Früchten

Einen Ansaz in sich schliesset, und mit Dekken wohl

Bis hernach die Treibekraft durch den Sonnenschein

Unvermerkt dieselbe dehnt und vermehret ihren See-

Der Natur verborgner Finger zeigt auf

An den Früchten schlanker Bäume weise Kunst und

Da der Saft der daraus quillt, durch so kleine Gän-

Bis das Obst zu seiner Grös, bis zur Zeitigung fort-

Doch des Himmels milde Gaben, die der Gärten

Die an sich nicht auszurechnen, wenn sie uns der

Sind vornemlich kostbar schön in Lustgarten anzu-

Die man pflegt mit mancher Art fremder Früchte

Hie hängt an gedehnten Zweigen, die an Pfälen

Ein saftig sanft bewollete Pfirsich die erquiklich

Da sind wieder andre noch die von aussen herrlich

Und dabei die innre Güt, mit den äusren Schmuk

Diese und noch mehr Gewächse, die süß-säurlich,

Liefert der mit edlen Früchten reich begabte Herbst

Wo man den gefüllten Bauch, und den satten Mund

Sucht mit einem saftgen Obst durch die Kühlung

Auf den gelben Haselstauden dran das Laub schon

Wird das Auge durch die Trauben voller Nüsse

Die den Oelicht-fetten Kern in den gelb gefärbt

Und bei ihrer Zeitigung in den braunen Schalen

Von den hocherhabnen Bäumen giebt der Herbst die

Die in grünen Capseln stekket, und der Schönheit

Oft die Hände braunlicht färbt, da sie nach den

Und in heisser Fresbegier nicht der Schalen Schmuz

Wenn die Bäume Früchte zinsen; so giebt das

Ebenfals auch seine Nahrung, wie dem Landman

Der den Kohl darnieder haut, das sehr Blätter-

Das sich durch einander schlingt, und in fest ge-

Um den harten Stengel drehet. Diese Winter-Nah-

Uns der hocherhabne Schöpfer, der die Menschen-

Mit den Wurzeln und was mehr noch gehöret zu

Welche aus der Sommers-Zeit auf den Herbst sind

Das sind die bekandten Gaben, die in dieser Jah-

Uns des Schöpfers holde Güte zu der Lust, zum

Und da sie nicht sind zu zähln, müssen wir von

Nur was unsre Sinne rührt, zu der Vorsicht Preis

Wenn man das aus Andachtstriebe voll Verwun-

Was der Herbst in andrer Gegend reichlich denen

So wird ein von Lust erfüllt und dadurch erregt

Gleichsam in Bewunderung erstaunt über

Die zu jeden Jahres Zeiten jeden Lande Früchte

Da doch keines nach den Früchten, einen andern

Dieses hat was jenem fehlt, jenes kan mit Gaben

Die dies Land aus GOttes Huld nicht nach solcher

Das kan man im Herbst auch sehen, da das Feld

Und die Frucht von denen Bäumen reichlich in den

Unsre Ebne giebt uns Brodt in dem grösten Ueber-

Und noch andre Speisen auch zum erquiklichen Ge-

Da wo steile Hügel, Berge, schenkt des Schöp-

Aus dem dürren Weinstock Trauben voll von süssen

Die der Herbst zur Lese reift; da komt man mit

Von der Freude fast berauscht zu den Weinberg

Reisset von geschlungnen Ranken diesen saftigen Ge-

Der in Purpurbeeren schwimmet, bringt ihn zu

Wo er schäumend ausgepreßt, als ein Blut aus

Und mit einen süssen Most, Zuber, Faß und Keller

Daraus wird beim kalten Winter, bei den frohen

Nachher mancher Freudenbecher zu des Höchsten

Schlurfend wiederum geschöpft. Möchte dieser Saft

Den der Herbst aus Trauben sprizt uns zu dem ver-

Nicht zum Misvergnügen dienen, wie doch leider

Wenn man diese heisse Nahrung übermäßig in sich

Hat der Berg die Frucht gezollt; so eröfnen sich

Da der Herbst von neuen zeigt, daß auch allhie

Von dem Schöpfer aufgebauet. Hier geht auf der

Der nach Wild begierge Jäger hinter Hirsch und

Die in einer stillen Rast unter den Gebüsche lie-

Und sich an der heissen Kost, die von oben fällt, ver-

Da geht der entglomne Donner aus den Schies-

Und die fortgetriebne Kugel fliegt mit den entbrant-

Durch das anfgescheuchte Wild, und zertrennt die

Und bringt auf beglükten Schuß eine woll genähr-

Da erthönet in den Wäldern, der durchs Horn ge-

Der mit fortgetriebnen Lüften, in dem nah geleg-

Ein recht lustig Echo macht: darauf sucht man in

Das dadurch erwekte Schwein auf das schlanke

Das in wilder Wuth erhizzet schnaubend seinen

Und mit aufgestreubten Borsten grimmig nach den

Da es an den Stachel lekt, und so lang am Spies-

Bis es den erstarrten Todt, kraftlos in den Adern

Wenn man hie das Wild aufjaget; so zinßt auch

Womit noch der Herbst bereichert unsern vollen

Und die Luft ist auch nicht leer von den Seegensrei-

Da wir Schnepfen zu der Zeit, fette Lerchen,

Die man in gespannte Nezze auf den leeren Feldern

Wenn man ihre stillen Triften in der Demmerung

Denk O! Mensch den Gaben nach, die des Herb-

Eh des Winters kalter Schnee durch die dikken Lüf-

Und dich in die Hütten treibet: Sind sie nicht so

Lerne dran gerührt erkennen, daß dein Schöpfer

Boden, Keller, Kad und Faß ist mit Seegen an-

Der doch all aus einer Quell, aus des Höchsten

Lerne wie des Jahres Krone die die Weisheit aus-

Aus so mancherlei Gewächsen die zur Lust, zum

Du hast auch dein Theil daran, das dich labt, ver-

Denke immer im Genus: dies hat

Wer die Wollthat nicht erkennet, die vom höch-

Ist nicht werth daß er sie schmekket, und mit Freu-

Auch die Seegenreiche Frucht, die der Herbst so

Fordert ein dankbahres Herz, das an seinen Geber

Ewiges allgütig Wesen! deine grosse Gütig-

Offenbahret sich uns täglich in des Herbstes frohen

Unser Herz empfindet es, möchten wir vor so viel

Vor so mannigfaltige lieblich schmekkende Gerich-

Dir stets Andachts-Opfer bringen: Unser Herze

Nim dreieinig ewger Vater! unsrer Zungen Jubel-

Den die Freude jauchzend stimmt, an bis wir in hö-

Deine grosse Majestät, in der Ewigkeit vereh-