Der Herbst.
Der Sonnen heisses Wunder-Feuer ver- minderte den schwülen Brand
Sie änderte, wie es uns dünkte, im
Als der vergnügte Herbst ankam, der
Nun völlig in die Küche bringt, und in die Vor-
Das was der Sommer auf dem Felde, bei späten
Ward nun zum menschlichen Vergnügen, vom
Des zarten Flachses dünner Halm, der uns die er-
Verdorrete und wurde weiß, und zu der Erde schon
Als sich das Landvolk aus den Hütten, so bald die
Von neuen mit begiergen Händen, in dem fast lee-
Es riß mit reger Sorgfalt aus, es sammlete in
Die Fadenreiche schlanke Meng, mit Knoten aus-
Es ward die Erndte vor dem Winter, in freien
Da schon der Landmann auf das Pflügen der Win-
Er zog bei guter Witterung hinaus den Akker um-
Sich aus der Erden leeren Schoos aufs Jahr das
Was er vor diesmahl eingesammlet. Sein Fleis der
Fing abermahl nach kurzen Rasten die Hofnungs-
Das Stoppelreiche Akkerfeld ward durch den Pflug-
Da sich die Füsse vorger Frucht ins Erdreich wiede-
Und ihre Mutter fruchtbahr machten. Das Feld
Von aufgekeimmten Grases-Spizzen, von hinter-
Verkehrte sich in Dunkelbraun, so weit der Pflug
Mit seinen breit geschärften Fuß in den vom Pferd
Das Feld war leer von seinen Früchten, und den-
Als eine künstliche Tapete in heller Ferne anzu-
Da ein von Gras bewachsner Strich, an dem was
An einem dunkelbraunen Streif in ausgespannter
Es sah dies mein gereitztes Auge, das Herz gedach-
Wie auch zu allen Jahres-Zeiten, das Feld der
Man wird davon noch mehr gerührt, wenn man
Das flöckigte Gewebe sieht, womit der Herbst das
Das Auge wird durch zarte Faden vergnügt, die
Der Sonnen bald ein Goldgespinste, bald wie ein
Bald blaulicht und bald wieder grün, gleich den ge-
Die in den wandelbahren Strahl, geflammt und
Kommt etwan in ein solch Gespinste, ein Pflüger
So sieht man wie dasselbe flieget, und bei dem
Sich schwenkend in die Höhe hebt und wie ein heller
Mit Anmuth das Gesicht vergnügt, bis es der
Ist dies Ergötzen uns verflogen; so ist ein neu Ver-
Der Akker ist kaum umgebrochen; so ist der Sae-
Der um sich einen Sack gespannt, und in gewissen
Und draus die Saamenkörner faßt, die er ins fri-
Er streut der Körner trocknen Regen mit einer flei-
In Hofnung reichlich einzuerndten, in das vorher
Er gehet immer Schritt vor Schritt; und in den
Folgt aus der angefüllten Hand, ein ausgedehnter
Bis daß der Akker voll gesäet. Dann kommen
Die treiben die gespannten Pferde mit einem zakkig-
Mit Eggen durch das weiche Land: damit im of-
Der Saame der darauf gestreut, recht tief hinein
Wer kan dies Akkerwerk ansehen, ohn das man
Werffe auf den weisen Schöpfer, von dem dies
Wir sehn hier die weise Güt, die wenn sie uns
Schon wiederum aufs andre Jahr, mit einer neu-
Wir müssen hier mit Lust bekennen, daß alles an-
Und daß die Vorsicht auch die Zeiten nach einer wei-
Daß alles in des Jahres Kreis den Menschen zu
Wie er durch seines Schöpfers Huld in fetten Ue-
Des Sommers warme Sonnen-Tage vergnügen uns
Die Herbstszeit als ein kalter Bote von eines stren-
Die zinset uns in der Natur auch wiederum so
Damit wir uns zur Winterszeit in stiller Ruh und
Auf! mein Herz das zu erzählen, was der Schöpfer
Als die Proben seiner Güte in des Herbstes Mon-
Doch wer kan die Gaben zähln, die wir zu der
Die im Gärten in dem Wald, allenthalben herr-
Lasset uns das überrechnen, was uns in die Sin-
Und was sich im Herbst den Augen in der Reiffe
So erkennen wir so gleich, daß wir durch ein wei-
Was der Frühling uns verhies, nunmehr in der
Damahls blüheten die Bäume und der Blüten bun-
Goß in das erfreute Herze, schon die süsse Hofnung
Damahls war der Silber-Glanz unsre schönste Au-
Nunmehr ist der Früchte Gold zu der Herbstzeit un-
Oefnet euch ihr holden Gärten, daß wir eure Früch-
Um daran den reichen Geber aller Gaben zu er-
Welch ein Anblik voller Lust! welch ein herrliches
Giebet uns ein jeder Baum, durch der Früchte
Die mit ihrer Last Gewichte, Ast und Zweige nie-
Und durch ihre schönen Farben schon das Herz durchs
Hie scheint durch das falbe Grün eine Menge gelber
Die uns daß sie mürb und reif, durch den äusern
Da reitzt unser lüsternd Auge schöner Aepfel holde
Die den Baum gleichsam vergüldet, und zu einer
Dort sieht man in blauen Strahl, reiffe Pflaumen
Die sich durch den Sonnenbrand immer mehr und
O! was sind vor viele Arten, von dem Obst, die
Und nach ihrer innren Güte am Geschmakke man-
Die der Herbst uns mürbe schenkt und zur Win-
Damit uns die weise Güt unsers Schöpfers labt
Welch ein Anmuths-voll Ergötzen bringt uns dieser
Wenn die Zeit nunmehr erschienen zu dem würkli-
Da die Frucht von Bäumen fällt, die von süssen
Da sie uns in Vorschmak labt, und zum Nuz den
Alt und Junge gehn zum Garten, und beschaun
Des weis gelblich grauen Obstes, das uns im
Sehet wie der Kinder Fleis emsig untern Baume
Bis sie eine mürbe Frucht in dem dichten Gras er-
Es trift auch ihr wühlend Suchen hie und da die-
Da ein jeder gleich geniesset, was er nascht und ha-
Und die saftig süsse Frucht, die der Kehlen lieblich
Macht, das die Begierde nur bei denselben wird
Jhre Sehnsucht lauscht in Garten; ob etwas her-
Darnach geht das Herz der Kinder, das ist ihr er-
Fällt etwan von Wind bewegt eine Frucht von sei-
So ist alsobald auch da, eine Schaar von kleinen
Die dieselbige auffangen. Doch der Wirthschaft
Merket daß die Baumgerichte nur vergeudet und zer-
Und das eine jede Frucht, wenn sie zu der Reiffe
Wird verschleudert, aufgeraft, oder sonst hinweg
Darum wird die Zeit bestimmet, daß man sie zu-
Und gekocht als ein Gemüse, zu der Sätigung ge-
Bis man sie zuletzt gemach, als in einer Erndte
Und von Baume gänzlich bricht, wie sie zeitig und
Alsdenn wird mit starken Armen jeder Baum in
So daß in geschwinden Schütteln ein Zweig an den
Da den Stamm und Zweig und Ast zu dem stillen
In gehäufter Mildigkeit manche süsse Nahrung ge-
Welche reiche Wundergüte wird in reiffen Obst ge-
Das uns unsers Schöpfers Weisheit und die ewge
Da er Früchte mancher Art süß und sauer läst ent-
Die so wunderbahr aus Holz, als aus zarten Röh-
Zuerst zeiget sich die Blüte, die zu jeder Früchten
Einen Ansaz in sich schliesset, und mit Dekken wohl
Bis hernach die Treibekraft durch den Sonnenschein
Unvermerkt dieselbe dehnt und vermehret ihren See-
Der Natur verborgner Finger zeigt auf
An den Früchten schlanker Bäume weise Kunst und
Da der Saft der daraus quillt, durch so kleine Gän-
Bis das Obst zu seiner Grös, bis zur Zeitigung fort-
Doch des Himmels milde Gaben, die der Gärten
Die an sich nicht auszurechnen, wenn sie uns der
Sind vornemlich kostbar schön in Lustgarten anzu-
Die man pflegt mit mancher Art fremder Früchte
Hie hängt an gedehnten Zweigen, die an Pfälen
Ein saftig sanft bewollete Pfirsich die erquiklich
Da sind wieder andre noch die von aussen herrlich
Und dabei die innre Güt, mit den äusren Schmuk
Diese und noch mehr Gewächse, die süß-säurlich,
Liefert der mit edlen Früchten reich begabte Herbst
Wo man den gefüllten Bauch, und den satten Mund
Sucht mit einem saftgen Obst durch die Kühlung
Auf den gelben Haselstauden dran das Laub schon
Wird das Auge durch die Trauben voller Nüsse
Die den Oelicht-fetten Kern in den gelb gefärbt
Und bei ihrer Zeitigung in den braunen Schalen
Von den hocherhabnen Bäumen giebt der Herbst die
Die in grünen Capseln stekket, und der Schönheit
Oft die Hände braunlicht färbt, da sie nach den
Und in heisser Fresbegier nicht der Schalen Schmuz
Wenn die Bäume Früchte zinsen; so giebt das
Ebenfals auch seine Nahrung, wie dem Landman
Der den Kohl darnieder haut, das sehr Blätter-
Das sich durch einander schlingt, und in fest ge-
Um den harten Stengel drehet. Diese Winter-Nah-
Uns der hocherhabne Schöpfer, der die Menschen-
Mit den Wurzeln und was mehr noch gehöret zu
Welche aus der Sommers-Zeit auf den Herbst sind
Das sind die bekandten Gaben, die in dieser Jah-
Uns des Schöpfers holde Güte zu der Lust, zum
Und da sie nicht sind zu zähln, müssen wir von
Nur was unsre Sinne rührt, zu der Vorsicht Preis
Wenn man das aus Andachtstriebe voll Verwun-
Was der Herbst in andrer Gegend reichlich denen
So wird ein von Lust erfüllt und dadurch erregt
Gleichsam in Bewunderung erstaunt über
Die zu jeden Jahres Zeiten jeden Lande Früchte
Da doch keines nach den Früchten, einen andern
Dieses hat was jenem fehlt, jenes kan mit Gaben
Die dies Land aus GOttes Huld nicht nach solcher
Das kan man im Herbst auch sehen, da das Feld
Und die Frucht von denen Bäumen reichlich in den
Unsre Ebne giebt uns Brodt in dem grösten Ueber-
Und noch andre Speisen auch zum erquiklichen Ge-
Da wo steile Hügel, Berge, schenkt des Schöp-
Aus dem dürren Weinstock Trauben voll von süssen
Die der Herbst zur Lese reift; da komt man mit
Von der Freude fast berauscht zu den Weinberg
Reisset von geschlungnen Ranken diesen saftigen Ge-
Der in Purpurbeeren schwimmet, bringt ihn zu
Wo er schäumend ausgepreßt, als ein Blut aus
Und mit einen süssen Most, Zuber, Faß und Keller
Daraus wird beim kalten Winter, bei den frohen
Nachher mancher Freudenbecher zu des Höchsten
Schlurfend wiederum geschöpft. Möchte dieser Saft
Den der Herbst aus Trauben sprizt uns zu dem ver-
Nicht zum Misvergnügen dienen, wie doch leider
Wenn man diese heisse Nahrung übermäßig in sich
Hat der Berg die Frucht gezollt; so eröfnen sich
Da der Herbst von neuen zeigt, daß auch allhie
Von dem Schöpfer aufgebauet. Hier geht auf der
Der nach Wild begierge Jäger hinter Hirsch und
Die in einer stillen Rast unter den Gebüsche lie-
Und sich an der heissen Kost, die von oben fällt, ver-
Da geht der entglomne Donner aus den Schies-
Und die fortgetriebne Kugel fliegt mit den entbrant-
Durch das anfgescheuchte Wild, und zertrennt die
Und bringt auf beglükten Schuß eine woll genähr-
Da erthönet in den Wäldern, der durchs Horn ge-
Der mit fortgetriebnen Lüften, in dem nah geleg-
Ein recht lustig Echo macht: darauf sucht man in
Das dadurch erwekte Schwein auf das schlanke
Das in wilder Wuth erhizzet schnaubend seinen
Und mit aufgestreubten Borsten grimmig nach den
Da es an den Stachel lekt, und so lang am Spies-
Bis es den erstarrten Todt, kraftlos in den Adern
Wenn man hie das Wild aufjaget; so zinßt auch
Womit noch der Herbst bereichert unsern vollen
Und die Luft ist auch nicht leer von den Seegensrei-
Da wir Schnepfen zu der Zeit, fette Lerchen,
Die man in gespannte Nezze auf den leeren Feldern
Wenn man ihre stillen Triften in der Demmerung
Denk O! Mensch den Gaben nach, die des Herb-
Eh des Winters kalter Schnee durch die dikken Lüf-
Und dich in die Hütten treibet: Sind sie nicht so
Lerne dran gerührt erkennen, daß dein Schöpfer
Boden, Keller, Kad und Faß ist mit Seegen an-
Der doch all aus einer Quell, aus des Höchsten
Lerne wie des Jahres Krone die die Weisheit aus-
Aus so mancherlei Gewächsen die zur Lust, zum
Du hast auch dein Theil daran, das dich labt, ver-
Denke immer im Genus: dies hat
Wer die Wollthat nicht erkennet, die vom höch-
Ist nicht werth daß er sie schmekket, und mit Freu-
Auch die Seegenreiche Frucht, die der Herbst so
Fordert ein dankbahres Herz, das an seinen Geber
Ewiges allgütig Wesen! deine grosse Gütig-
Offenbahret sich uns täglich in des Herbstes frohen
Unser Herz empfindet es, möchten wir vor so viel
Vor so mannigfaltige lieblich schmekkende Gerich-
Dir stets Andachts-Opfer bringen: Unser Herze
Nim dreieinig ewger Vater! unsrer Zungen Jubel-
Den die Freude jauchzend stimmt, an bis wir in hö-
Deine grosse Majestät, in der Ewigkeit vereh-