Der Himmel.
O! welch ein Land ist in dem Kreise,
Der ungemessnen Ewigkeit!
Wohin die Frommen nach der Reise,
Der abgelauffnen Lebens Zeit,
Durchs finstre Todes Thal gelangen;
Wie? darf mein Geist sich unter-
Wie Moses einst von Nebo Höhn,
Entzükt in diese selge Grenzen,
Allwo ein immer grüner Lenzen,
Mit einen Glaubens-Blik zu sehn?
Ja! Ja! erhebe dein Gefieder,
Zu diesem Siz der Göttligkeit,
Mein Geist! und fasse das in Lieder,
Was dort der Selgen Chor erfreut.
Was vor ein Blik! der Sonnen Sonne,
Und ihre Schimmer reiche Wonne,
Glänzt da in voller Mäjestät.
Die Gottheit läst sich in den Auen,
In mehr als güldner Klarheit schauen,
Die Sonne, die nie untergeht.
Ich sehe viele Millionen
Gekrönter Bürger welche da,
In den bestrahlten Lande wohnen,
Wo selbst der grosse Jehovah
In naher Herrligkeit regieret,
Und alles durch den Abglanz zieret.
Beglüktes Land, wo keine Nacht,
Den Schauplaz aller Seligkeiten,
Die ich ohnmöglich kan ausdeuten,
Durch trübe Wolken finster macht.
Mir deucht es scheint dem Paradeise,
Der Seligen verklärtes Reich,
In seinen weit umgränzten Kreise
In etwas, nicht in allen gleich.
Der Gottheit ausgeblizte Strahlen,
Die alles was hier ist, bemahlen,
Die machen alles Wunderschön;
Die Häuser die wie Tempel scheinen,
Die schimmern gleich den Edelsteinen,
Davor die Perlen-Thore stehn.
Mir deucht in himmlischen Revieren,
Sind Berge ganz von Diamant,
Von funkelnden Rubin, Saphiren
Die die umschränkte Allmachts Hand,
Zur Lust der Selgen aufgeführet;
Mir deucht die Flüsse sind gezieret,
Mit Uffern von dem feinsten Gold,
Dadurch der schlängelnden Cristallen
Bewegte Fluth, in sanfften Wallen,
Sich wie ein heller Spiegel rollt.
Der Bäume unverwelkte Blätter,
Die mit den Himmels Thau bestreut,
Die keine Lufft, kein Sturm und Wetter,
Mit Regen und mit Hagel dreut,
Umgeben lauter Lebensfrüchte,
Die lieblich sind dem Angesichte,
Und ohne Schaden im Genus;
Da ist der Wohnplaz selger Stille,
Wo bei der unerschöpften Fülle,
Verbannt Gram, Ekel, Ueberdruß.
Hier sind der Engel reine Schaaren,
Die Geister die kein Fehl beflekt,
Die
Die auf der Welt in Noth bedekt.
Die Thronen, und die Cherubinen,
Die Strahlenreiche Seraphinen,
Die wie die rege Lufft, der Wind,
Des Höchsten Königs weisen Willen,
Jm Augenblikke zu erfüllen,
Mit Willigkeit beflügelt sind.
Die Geister werden sich vermählen,
Durch Umgang der da immer währt,
Mit denen auserwählten Seelen,
Die durch des Himmels Glanz verklärt;
Was werden sie vor tieffe Lehren,
Von diesen heilgen Dienern hören,
Die lang die Gottheit angesehn?
Was werden sie vor Herrligkeiten,
Aus der Geheimniß Tieffen leiten,
Dadurch den Schöpfer zu erhöhn?
Wie werden sie die dunklen Klüffte,
Die hier in der Natur erblikt,
Den Wunderbau der obern Lüffte,
Die ein geheimes Band verstrikt,
Den Lehrbegierigen erhellen,
Und nach ein ander das vorstellen,
Was jene Tieffe uns verdekt;
Wie werden sie das da erklären,
Was hinter den verborgnen Spheren,
Vor Wunder der Natur verstekt?
Dort werden in der Geister Chören,
Von
Die Seligen noch vieles hören;
Was wir hie mit Verwunderung,
Und offt nicht ohn Verwirrung sehen,
Als dunkle Räthsel nicht verstehen.
Da wird der Vorhang weggerükt,
Und was im göttlichen Regieren,
Als Dunkel noch nicht auszuspüren,
Jm Allerheiligsten erblikt.
Der weisen Vorsicht gütigs Fügen,
Die uns auf dieser Unterwelt,
Als eine Quel von Misvergnügen,
Die voller Wirbel vorgestellt,
Wird da die Dekke weggezogen
Und in der stillen Lust erwogen;
Da sieht die auserwählte Schaar,
Wie sich der Vorsicht Uhr gedrehet,
Und alles was dadurch entstehet,
Zum Zwek gelenket wunderbahr.
Dies werden sie da überlegen
Und mit vergnügter Lust ansehn,
Wie dies und jenes ihrentwegen,
Zu aller Menschen Heil geschehn.
Das Wachsthum und der Fall der Länder,
Die wunderlich verknüpften Bänder,
Der Reiche in der Unterwelt,
Die uns viel Zweiffels-Knoten winden,
Die werden sie ganz leicht ergründen,
Weil alles Dunkle wird erhellt.
Das ist die süsse Seelen Speise,
Womit sich jene Selgen nährn,
Die zu des Schöpfers Ruhm und Preise,
Von allen die Erklärung hörn,
Warum der Herscher dieser Erden,
Bald die, bald jene Angstbeschwerden,
Auf ihre Schultern auferlegt;
Da werden sie erstaunend merken,
Wie alles, wie in Räderwerken
Zu dem bestimmten Zwek bewegt.
O! welch ein Glük vor selge Seelen,
Stammt aus dem reinen Kenntnis nicht?
Was macht das englische Erzählen,
Vor ein vergnügend Freudenlicht?
Der Glaubens Lehre Dunkelheiten,
Die kein Geist hier kan klar ausdeuten,
Durchdringet ihre Fähigkeit;
Jhr Wissen wird dadurch erweitert,
Vermehrt und ferner ausgeheitert,
Was hier ein Stükwerk in der Zeit.
Daraus entspringt die selge Stille,
In jener frohen Geister Welt,
Wo aus der nie erschöpften Fülle,
Wird stets was neues vorgestellt;
Und diese neuentdekten Wunder,
Sind Funken dadurch sich der Zunder,
Der Trieb zu
Weil stets das Herz in Freude schwimmet,
So wird dadurch auch angeglimmet,
Das Feur woraus die Sehnsucht stammt.
Da hör ich von den Selgen Chören,
Ein brünstig Lob, in jenem Land
Dem grossen All, zu seinem Ehren,
Das Vater, Sohn und Geist genannt.
Es spürt mein Geist durch tieffes Denken,
Noch vieles, das sich nicht läst schränken,
In Wörter dieser Unterwelt.
Genug, das was ich schon erblikket,
Hat meinen Geist also entzükket
Das ihm nichts irdisch mehr gefällt.