Der Hirsch .

By Barthold Heinrich Brockes

Wer kann einen edlen Hirsch ohn Bewundrung und

Vergnügen,

In so rasch- und munterm Anstand, laufen, stehen oder

liegen,

Fliehen oder weiden seh’n? Seine herrliche Gestalt,

Sein so leicht- als fester Tritt, zieh’n mit frölicher Gewalt

Ein betrachtend Aug’ auf ihn. Sein erhabenes Geweih,

Die benervte schlanke Schenkel, kurz, des ganzen Kör-

pers Bau

Zeiget einen weisen Urstand, leget eine Macht zur Schau,

Und weist eine Lieb’ und Vorsorg’ auch zugleich für uns

dabey,

Da sein angenehmes Fleisch, das er uns zur Kost gewehrt,

Uns, auf so verschiedne Weis’ zugericht, ergetzt und nährt.

Sollte denn der Mensch nicht billig, wie in allen andern

Werken,

Auch in diesem schönen Thier’ Spuren einer Gottheit

merken?

Und, voll Lust und Dank, begreifen, finden, fühlen,

schmecken, seh'n,

Daß sein’ Allmacht zu bewundern, seine Weisheit zu er-

höh'n?