Der Hirsch im Netz.

By Barthold Heinrich Brockes

In erbärmlicher Gestalt sieht man hier, in Todes-

Zügen,

Einen fest-verstrickten Hirsch, meistens schon zerfleischet,

liegen.

Sein bethräntes Auge bricht, unser Ohr glaubt das Ge-

räusch

Der zersplitterten Gebeine, und von dem zerquetschten

Fleisch

Jeden blut’gen Riß zu hören, auch ein immer stärker

Stehnen

Bey dem würgenden Geschrey seiner Mörder. Seine

Sehnen,

Sammt den Adern, sieht man offen, seht, wie quillt der

Schweiß herfür!

Meynt man doch all’ Augenblick, das beflossene Papier

Werde roht und schmutzig werden. Durch die Aehnlich-

keit verführet,

Fühlen alle, die es sehen, daß sie Gram und Mitleid

rühret.

Dennoch währet es nicht lange; denn es fällt zum Trost uns

ein:

Ist doch, was wir hier bedauren, eine nur gemahlte Pein.