Der höchstschätzbare Smaragd Bey Beerdigung Hn. O. P. des jüngern entworffen den...
Wje sol Wohl-Edle Frau sie nicht in Thränen schwim- men? (gehn?
Was kan aus ihrem Mund itzt mehr als Seufzen
Mag auch was schrecklichers des Himmels Schluß be-
Als daß ihr liebster Sohn muß auf der Bahre stehn?
Ist nicht ihr gantzer Schmuck von ihrem Haupt gerissen
Der Liebligkeit
Muß das was vor ihr Hertz anitzt der Sarg einschliessen?
Ist bleiche Traurigkeit der übrige Gewin?
Ach ja! der Jahre Trost und unvergleichlich Hoffen
Die Blume so zu Ruhm des Stammes aufgeblüht
Hat in dem ersten Lentz des Todes Strich betroffen
Daß man sie welck und blaß’ in kaltem Sande sieht.
Nennt die Cornelia der Kern von Römschen Frauen
Die Kinder Edler Art ihr Gut und Edle Stein
Und läst vor aller Pracht die tapffre Söhne schauen
Die ihrer Schätze Schatz und Reichthum solten seyn;
So war Wohl-Edle Frau ja ein
Der allerliebste Sohn voll Witz und Höffligkeit.
Wie jenes Grüne kan die Augen nach sich reissen
So stand auch Anmuth hier ihm immer an der Seit.
Entwirfft nicht der
Woran das Auge sich nicht sattergetzen kan?
Wird seine Farbe nicht vor andern hochgepriesen
Weil offt die nahe Lufft den grünen Blitz nimmt an?
So grünt und blüht ihr Sohn die süssest’ Augen-Weide
Des Hertzens einzig Trost der muntren Jugend Preiß.
Es schien sein Lebens-Garn gewebt von reiner Seide
Das Angesicht ein May und Freuden-Paradeiß.
Es pflegt in den
Hier pflantzte Tugenden der Lehrer Fleiß ihm ein
Das Bildniß das er solt in Seel und Hertzen haben
War daß er möchte gleich den Edlen Ahnen seyn:
Daß angeerbter Glantz samt eigner Tugend-Flammen
Steckt’ ein verduppelt Licht der späten Nach-Welt auf;
Und brächte Stand und Witz Kunst und Vernunfft zusammen
Wär’ als ein Hercules in seinem Tugend-Lauff.
Der liebliche
Und weil er kostbar ist von Greiffen wol verwacht;
Sie hat Wohl-Edle Frau noch Müh’ noch Fleiß verlohren
An nichts so auf der Welt als an den Sohn gedacht.
Vorhin war der Smaragd dem Gott Mercur geweyhet
Als der Beredsamkeit und holde Sitten schenckt:
Wie hat nicht dieser Sohn der Mutter Hertz erfreuet
Wenn er den edlen Sinn den Musen zugelenckt?
Worüber sie mehr Lust und Liebligkeit empfunden
Als wenn durch den Smaragd der Nero Fechter schaut.
Und als durch Spiegel siht die aufgeschlitzten Wunden
Aus denen frisches Blut den Purpur-Regen thaut.
Der herrliche
Stärckt wunderlich das Hertz und wiedersteht der Gifft:
Voll Anmuth voller Geist war des Erblasten Jugend
Die was behäglich heist und preißbar nur gestifft.
Es kan nicht der Smaragd so das Gesicht erquicken
Als sich ob diesen Sohn ihr Auge hat ergetzt
Den sie mie tausend Ach! itzt muß zu Grabe schlcken
Und aus den Augen zwar nicht aus dem Hertzen setzt.
Jhr kostbahrster
Glantz Farbe Licht und Schein bedeckt die lange Nacht
Es hat der grimme Tod sein Siegel drein gestochen
Der alle Sterblichen zu Staub und Asche macht.
Und ist es wunderns werth daß Menschen Leichen werden?
Zerspringt doch Klipp’ und Felß und harter Marmelstein
Wie sol denn ein Gefäß von Thon aus schlechter Erden
Auf dieser Unter-Welt beständig können seyn.
Wie lieblich der
So hat Gebrechlichkeit bey ihm die Oberhand:
Wenn itzt der Jahre May mit göldnen Blumen wincket
So kömmt ein raucher Nord und stürtzt sie in den Sand.
Wir sehn bey der Geburt schon Tod und Leben streiten
Und Auff- und Untergang verknüpfft beysammen stehn.
Wie langsam die Natur uns pfleget zubereiten
So schnelle heist der Tod uns aus dem Leben gehn.
Der Eingang ist gemein nur daß auf tausend Arten
Ein jeder Augen-Blick den Menschen fällen kan.
Man darf nicht auf den Tod er wird auf uns schon warten
Greifft offt ein Wiegen-Kind für einen Alten an.
Und scheint betrübtste Frau es der Natur zuwieder
Daß sie dem liebsten Sohn die Augen drücket zu
Da sie wol eh gemeint daß ihre müden Glieder
Er solt aus Kindes Pflicht begleiten zu der Ruh:
Fällt so viel Hoffnung weg verschwinden so viel Freuden
Versincket so viel Trost durch zweyer Augen-Schluß:
So dencke sie doch nach: vom HErren kommt das Leiden
Wer hier nicht folgen wil der hört ein Wort: Man muß.
Wil diß noch schwerer seyn daß er so früh gestorben
Die Seele die GOtt liebt wird zeitlich Kercker frey.
Wie mancher ist hernach in Sünden erst verdorben
Wenn schon des Alters Last ihm Schnee geleget bey?
Wie wol und nicht wie lang urtheilen wir das Leben:
Der allerliebste Sohn hat schon viel Jahr erreicht.
Nun sieht er umb sich her die Eherubinen schweben
Und lebt in solcher Lust der keine Freude gleicht.
Man pflegt ja den
Damit er grösser Licht und Liebligkeit gewinnt:
Wohl-Edle den
Die nicht wie edle Stein allhier gebrechlich sind.
Und hat auf Arons Brust dort ein
So gläntzet auch ihr Sohn nun in der Ewigkeit.
Er ist zur Freyheits-Burg durch Band und Strick gerissen
Und gibt der Grufft nicht mehr als nur der Seele Kleid.
Er dient itzt für dem Stuel und schaut den Regen-Bogen
Der schön als ein
Und hat das reine Kleid der Unschuld angezogen
Das Perlen übertrifft und Lilgen trutzen kan.
Er ist nun ein
Wo GOttes Leuchte scheint und Sonn und Monden fliehn.
Dieweil ihm war bekand daß gar kein Stein kan tauren
So wolt er seinen Glantz gar bald der Welt entziehn.
Wie letzlich der
So wird ihr liebster Sohn auch unvergessen seyn
Er hat Wohl-Edle Frau im Tugend-Blitz gegrünet
Die legt ihm von