Der höchstschätzbare Smaragd Bey Beerdigung Hn. O. P. des jüngern entworffen den...

By Heinrich Mühlpfort

Wje sol Wohl-Edle Frau sie nicht in Thränen schwim- men? (gehn?

Was kan aus ihrem Mund itzt mehr als Seufzen

Mag auch was schrecklichers des Himmels Schluß be-

Als daß ihr liebster Sohn muß auf der Bahre stehn?

Ist nicht ihr gantzer Schmuck von ihrem Haupt gerissen

Der Liebligkeit

Muß das was vor ihr Hertz anitzt der Sarg einschliessen?

Ist bleiche Traurigkeit der übrige Gewin?

Ach ja! der Jahre Trost und unvergleichlich Hoffen

Die Blume so zu Ruhm des Stammes aufgeblüht

Hat in dem ersten Lentz des Todes Strich betroffen

Daß man sie welck und blaß’ in kaltem Sande sieht.

Nennt die Cornelia der Kern von Römschen Frauen

Die Kinder Edler Art ihr Gut und Edle Stein

Und läst vor aller Pracht die tapffre Söhne schauen

Die ihrer Schätze Schatz und Reichthum solten seyn;

So war Wohl-Edle Frau ja ein

Der allerliebste Sohn voll Witz und Höffligkeit.

Wie jenes Grüne kan die Augen nach sich reissen

So stand auch Anmuth hier ihm immer an der Seit.

Entwirfft nicht der

Woran das Auge sich nicht sattergetzen kan?

Wird seine Farbe nicht vor andern hochgepriesen

Weil offt die nahe Lufft den grünen Blitz nimmt an?

So grünt und blüht ihr Sohn die süssest’ Augen-Weide

Des Hertzens einzig Trost der muntren Jugend Preiß.

Es schien sein Lebens-Garn gewebt von reiner Seide

Das Angesicht ein May und Freuden-Paradeiß.

Es pflegt in den

Hier pflantzte Tugenden der Lehrer Fleiß ihm ein

Das Bildniß das er solt in Seel und Hertzen haben

War daß er möchte gleich den Edlen Ahnen seyn:

Daß angeerbter Glantz samt eigner Tugend-Flammen

Steckt’ ein verduppelt Licht der späten Nach-Welt auf;

Und brächte Stand und Witz Kunst und Vernunfft zusammen

Wär’ als ein Hercules in seinem Tugend-Lauff.

Der liebliche

Und weil er kostbar ist von Greiffen wol verwacht;

Sie hat Wohl-Edle Frau noch Müh’ noch Fleiß verlohren

An nichts so auf der Welt als an den Sohn gedacht.

Vorhin war der Smaragd dem Gott Mercur geweyhet

Als der Beredsamkeit und holde Sitten schenckt:

Wie hat nicht dieser Sohn der Mutter Hertz erfreuet

Wenn er den edlen Sinn den Musen zugelenckt?

Worüber sie mehr Lust und Liebligkeit empfunden

Als wenn durch den Smaragd der Nero Fechter schaut.

Und als durch Spiegel siht die aufgeschlitzten Wunden

Aus denen frisches Blut den Purpur-Regen thaut.

Der herrliche

Stärckt wunderlich das Hertz und wiedersteht der Gifft:

Voll Anmuth voller Geist war des Erblasten Jugend

Die was behäglich heist und preißbar nur gestifft.

Es kan nicht der Smaragd so das Gesicht erquicken

Als sich ob diesen Sohn ihr Auge hat ergetzt

Den sie mie tausend Ach! itzt muß zu Grabe schlcken

Und aus den Augen zwar nicht aus dem Hertzen setzt.

Jhr kostbahrster

Glantz Farbe Licht und Schein bedeckt die lange Nacht

Es hat der grimme Tod sein Siegel drein gestochen

Der alle Sterblichen zu Staub und Asche macht.

Und ist es wunderns werth daß Menschen Leichen werden?

Zerspringt doch Klipp’ und Felß und harter Marmelstein

Wie sol denn ein Gefäß von Thon aus schlechter Erden

Auf dieser Unter-Welt beständig können seyn.

Wie lieblich der

So hat Gebrechlichkeit bey ihm die Oberhand:

Wenn itzt der Jahre May mit göldnen Blumen wincket

So kömmt ein raucher Nord und stürtzt sie in den Sand.

Wir sehn bey der Geburt schon Tod und Leben streiten

Und Auff- und Untergang verknüpfft beysammen stehn.

Wie langsam die Natur uns pfleget zubereiten

So schnelle heist der Tod uns aus dem Leben gehn.

Der Eingang ist gemein nur daß auf tausend Arten

Ein jeder Augen-Blick den Menschen fällen kan.

Man darf nicht auf den Tod er wird auf uns schon warten

Greifft offt ein Wiegen-Kind für einen Alten an.

Und scheint betrübtste Frau es der Natur zuwieder

Daß sie dem liebsten Sohn die Augen drücket zu

Da sie wol eh gemeint daß ihre müden Glieder

Er solt aus Kindes Pflicht begleiten zu der Ruh:

Fällt so viel Hoffnung weg verschwinden so viel Freuden

Versincket so viel Trost durch zweyer Augen-Schluß:

So dencke sie doch nach: vom HErren kommt das Leiden

Wer hier nicht folgen wil der hört ein Wort: Man muß.

Wil diß noch schwerer seyn daß er so früh gestorben

Die Seele die GOtt liebt wird zeitlich Kercker frey.

Wie mancher ist hernach in Sünden erst verdorben

Wenn schon des Alters Last ihm Schnee geleget bey?

Wie wol und nicht wie lang urtheilen wir das Leben:

Der allerliebste Sohn hat schon viel Jahr erreicht.

Nun sieht er umb sich her die Eherubinen schweben

Und lebt in solcher Lust der keine Freude gleicht.

Man pflegt ja den

Damit er grösser Licht und Liebligkeit gewinnt:

Wohl-Edle den

Die nicht wie edle Stein allhier gebrechlich sind.

Und hat auf Arons Brust dort ein

So gläntzet auch ihr Sohn nun in der Ewigkeit.

Er ist zur Freyheits-Burg durch Band und Strick gerissen

Und gibt der Grufft nicht mehr als nur der Seele Kleid.

Er dient itzt für dem Stuel und schaut den Regen-Bogen

Der schön als ein

Und hat das reine Kleid der Unschuld angezogen

Das Perlen übertrifft und Lilgen trutzen kan.

Er ist nun ein

Wo GOttes Leuchte scheint und Sonn und Monden fliehn.

Dieweil ihm war bekand daß gar kein Stein kan tauren

So wolt er seinen Glantz gar bald der Welt entziehn.

Wie letzlich der

So wird ihr liebster Sohn auch unvergessen seyn

Er hat Wohl-Edle Frau im Tugend-Blitz gegrünet

Die legt ihm von