Der Hunds-Stern verbrännt ihn fast
By Arno Holz
Written 1883-01-01 - 1883-01-01
Titan sich mit Tellus drukkt
das sind die blauen Tage;
ich bin ausser mir verzukkt
ich weiß nicht waß ich sage.
Itzt ist die gantze Welt
ein bundtes Rohsen-Feld
itzt ist es schön;
die schwartze Nachtigall
verübt am Wasser-Fall
ihr süß Gethön!
Zwischen Hertz-Kraut und Kamillen
drauß die zährtsten Düffte qwillen
lihgt Apoll in tieffem Traum
unter einem Lorbeer-Baum
der wenn früh die Sonne blizzt
nichts alß nur Juwelen sprizzt.
Blanck darzwischen steht betaut
Frauen-Hahr und Wihgen-Kraut
kleine Schaafe weiß wie Schnee
weiden ümb den Mümmel-See.
Feister Klee gesunder Qwendel
krause Müntze und Lawendel
Hahnen-Tau und Sonnen-Rauch
alles muß in ihren Bauch!
Wie ümb den Ulmen-Baum die Rebe
schlingt sich ümb Hercules itzt Hebe
man siht den schilfichten Neptun
vergnügt bey Amfitriten ruhn.
Venus nakkt biß unters Kinn
kikkert kukk mal wie ich bin.
Marspiter schmeisst auff den Flekk
seinen blancken Harnisch weck.
Drauff so trukken beyde sich
embsiglich!
Für nichts alß Rohsen-Ketten
weiß er sich kaum zu retten
auß ihren Mund-Korallen
auff ihn blohß Küssckens knallen.
Stähts bemüht sich zu verpaaren
pakkt er sie bey ihren Hahren
süß durch seine Raserey
trifft sein Ohr ihr Lihbes-Schrey!
Rosilis lihgt auff dem Rükken
nun sey blohß kein Knoten-Stokk
du bräuchst dich nur nach ihr zu bükken
der Wind hebt ihren Sommer-Rokk.
Nichts nicht lässt er ohnberührt
wie sich solches itzt gebührt;
in den Zweigen auff und nihder
dantzt verbuhlt das Lufft-Gefihder!
Gleich so nehm ich bey ihr Blazz:
Kindgen traumt dir itzt dein Schazz?
Laß den thummen Lemmel lauffen
er wird gewiß itzt Broihan sauffen!
Ich verschmachte ich verschwizze
wie ein Gräsgen in der Hizze;
küß mich mitten auff den Mund
schön bün ich nicht doch sehr gesund!
Rohsen zihren blohß die Häkken
daß an ihnen Weßben läkken
drauff so gihb mir deine Hand
alß belihbtes Unter-Pfandt!
Mit den allzu sehr Suptilen
förchtet man sich fast zu spihlen;
doch dihß gläub ich fäst und steiff
deine Oepffel sind lengst reiff.
Ein Griffgen das nichts räubt
ist überall verläubt;
worhin man auch die Finger legt
du bist rächt wohl verpflegt.
For so rohsige Pilaster
weicht der zihrste Alabaster
kaum Apell hat so gemahlt
waß wie Tulpen-Athlaß strahlt!
Ey ey! Ey ey! Bozz Klekkgen!
Waß ist denn daß for Flekkgen?
Sälbst waß ihn rundrümb zihrt
ist durch und durch ambrirt!
Fast so acht ich höher dihß
alß des Jasons göldnes Vlihß –
die aller-kleinste Sachen
offt am vergnügsten machen!
Nichts alß Lihbe brachte um
Thisben sowie Pyramum
Dido hat sich gantz durchstochen
Saffo gar den Haltz zerbrochen
eine Wildt-Sau fraß Adon
Pygmalion starb ümb Töpffer-Ton
Leander ist ersoffen
Dafne davon-geloffen
Pythia auff dem Dreyfuß-Sizze
Pythia sälber briet für Hizze
ach es fing sie alle alle
Amor deine Mause-Falle!
Ey kukk wer kombt denn dort geflogen?
Cupido mit dem Fidel-Bogen!
Dein rohtes Mündgen das gelacht
hat ihn dir gantz verlihbt gemacht.
Nun schihßt der kleine Flegel
gar durch die Lufft Kopps-Kegel
und lässt sich husch husch husch
in einen Bluhmen-Pusch.
Er sizzt in lautter Rohsen
und singt und lacht:
Waß habt ihr blohß ihr Losen
gemacht?