Der Junggesellund der Mühlbach

By Johann Wolfgang Goethe

Written 1797-01-01 - 1797-01-01

Wo willst du klares Bächlein hin,

So munter?

Du eilst mit frohem, leichtem Sinn

Hinunter.

Was suchst du eilig in dem Tal?

So höre doch und sprich einmal!

Ich war ein Bächlein, Junggesell;

Sie haben

Mich so gefaßt, damit ich schnell,

Im Graben,

Zur Mühle dort hinunter soll,

Und immer bin ich rasch und voll.

Du eilest mit gelaßnem Mut

Zur Mühle

Und weißt nicht, was ich junges Blut

Hier fühle.

Es blickt die schöne Müllerin

Wohl freundlich manchmal nach dir hin?

Sie öffnet früh beim Morgenlicht

Den Laden,

Und kommt, ihr liebes Angesicht

Zu baden.

Ihr Busen ist so voll und weiß;

Es wird mir gleich zum Dampfen heiß.

Kann sie im Wasser Liebesglut

Entzünden,

Wie soll man Ruh mit Fleisch und Blut

Wohl finden?

Wenn man sie einmal nur gesehn,

Ach! immer muß man nach ihr gehn.

Dann stürz ich auf die Räder mich

Mit Brausen,

Und alle Schaufeln drehen sich

Im Sausen.

Seitdem das schöne Mädchen schafft,

Hat auch das Wasser beßre Kraft.

Du Armer, fühlst du nicht den Schmerz

Wie andre?

Sie lacht dich an und sagt im Scherz:

„Nun wandre!“

Sie hielte dich wohl selbst zurück

Mit einem süßen Liebesblick?

Mir wird so schwer, so schwer, vom Ort

Zu fließen:

Ich krümme mich nur sachte fort

Durch Wiesen;

Und käm es erst auf mich nur an,

Der Weg wär bald zurückgetan.

Geselle meiner Liebesqual,

Ich scheide

Du murmelst mir vielleicht einmal

Zur Freude.

Geh, sag ihr gleich, und sag ihr oft,

Was still der Knabe wünscht und hofft.